ZUG: Noch nie stürmten so viele den Berg

Über 400 Athleten waren am Sonntag an der Zugerberg Classic dabei – es gab Topleistungen zu bewundern.

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Beim Start zum Berglauf herrschte dichtes Gedränge. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Beim Start zum Berglauf herrschte dichtes Gedränge. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Sonne kam genau zum rechten Augenblick. Pünktlich zum ersten Mai-Sonntag, dem traditionellen Datum der Zugerberg Classic, drangen die ersten Strahlen durch die bedrohlich scheinenden Regenwolken der vergangenen Woche. Doch die Sportler schienen die Wetterbesserung vorausgesehen zu haben. Zu Hunderten strömten sie auf den Burgbachplatz zum Start der 19. Zugerberg Classic. «Es kamen so viele Athleten zur Startnummernausgabe, wir konnten den Ansturm fast nicht bewältigen», freute sich Patrick Theiler, technischer Leiter des Anlasses, mit einem breiten Lächeln. «Eindeutig ein neuer Teilnehmerrekord. Über 400 Athletinnen und Athleten, die den Zugerberg bezwangen», freute sich Theiler, der auch wusste, dass er sich bei Petrus für die guten Wetterbedingungen bedanken konnte. «Das Wetter hat uns sicher in die Karten gespielt. Nach einer regnerischen Woche wollten die Leute an die Sonne. Toll, dass sich so viele für die Zugerberg Classic entschieden haben».

Sonja Gisler meister tide technischen Abschnitte souverän. (Bild: PD)
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Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ
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Sonja Gisler meister tide technischen Abschnitte souverän. (Bild: PD)

Morceli mit dem Startschuss

Doch nicht nur die Sonne war ein Grund, am Sonntag die 19. Ausgabe der Zugerberg Classic zu besuchen. Auch Patricia Morceli, die vor wenigen Tagen definitiv für den EM-Marathon in Zürich selektioniert wurde, war auf dem Burgbachplatz anzutreffen. Allerdings nur als Ehrenstarterin: «Die Bergrennen sind mir zu steil. Und leider passen sie auch schlecht in die Vorbereitungen für einen Marathon», meinte die Langstreckenläuferin, die einen Start bei der Zugerberg Classic aber in Zukunft nicht ausschloss. Um 9.20 Uhr schickte sie die Bergläufer mit einem lauten Gewehrschuss auf die Strecke. Eine Stunde später folgten ihnen die Biker.

Ägerer Konkurrenz fehlte

Die Rennen waren schnell und gut besetzt. Bei den Bergläufern sicherte sich Matthias Russ die Tagesbestzeit, der auch davon profitierte, dass die Gebrüder Lustenberger, die in den vergangenen Jahren die Classic dominierten, auf einen Start verzichteten (Anm. der Redaktion: Der Luzerner Stadtlauf fand am Vortag statt).

Ebenfalls mit hohem Tempo unterwegs waren die Biker, bei denen Sebastian Ostertag wie im Vorjahr den Tagessieg holte. Kantonsmeister bei den Bikern wurde der in Cham wohnhafte Ägerer Markus Hochstrasser. «Ich habe erst heute Morgen erfahren, dass es unter anderem auch um diesen Titel geht, deshalb hatte ich dieses Ziel schon ein bisschen im Hinterkopf», meinte Hochstrasser. «Entscheidend war sicher, dass ich das Rennen ruhig anging und erst im richtigen Anstieg Vollgas gab.» Ob er den Titel, der zum ersten Mal im Rahmen der Zugerberg Classic verliehen wurde, verteidigen würde? «Aber klar. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und versuche meinen Titel zu verteidigen. Ich hoffe, die Konkurrenz wird nicht grösser, denn ich kenne einige Biker aus dem Ägerital, die mir diesen streitig machen könnten», lächelte Hochstrasser, und er stellte den Preis, einen riesigen Gourmet-Korb, auf den Tisch.

Der 40. Geburtstag

Die Unterägerin Anita Hürlimann, bisher eher als ausserordentlich gute Bikerin bekannt, ging mit wenigen Ambitionen an den Start des Berglaufs. «Seit ich Kinder habe, komme ich nicht mehr so zum Biken. Deshalb laufe ich mehr, denn da habe ich weniger Trainingsaufwand.» Das Resultat überraschte sie denn auch selbst: Mit einem starken Lauf war sie nach etwas mehr als 34 Minuten die schnellste Frau oben auf dem Zugerberg. Damit sicherte sie sich den Titel als Zuger Berglaufmeisterin. «Ich ging Vollgas in den Anstieg, danach lief ich mein Tempo.»

Bei den Herren sicherte sich Philipp Arnold den Titel als Zuger Berglaufmeister. Speziell war auch der Tag von Philipp Achleitner, der just an diesem Sonntag seinen 40. Geburtstag feierte. Nach einem starken Berglauf sicherte er sich den starken zweiten Platz bei den Senioren. Zeit zum Geniessen nahm sich der ehemalige Profi-Triathlet allerdings nicht. Gleich nach der Siegerehrung schwang sich der Athlet auf sein Trecking-Velo.

Die Stimmung als Erfolgsrezept

Die Stimmung war denn bei so vielen Erfolgserlebnissen sehr ausgelassen. Und viele Teilnehmer blieben auch über die Siegerehrung hinaus auf ihren Festbänken auf dem Burgbachplatz sitzen und genossen die hervorragende Stimmung und das hobbysportliche Ambiente bis in den frühen Nachmittag hinein. «Die Zugerberg Classic gehört bei uns einfach in den Terminplan», meinte Claire Nideröst aus Morgarten, die ihren Sohn Mario bei dem Rennen betreute. «Schon zum fünften oder sechsten Mal steht er hier am Start. Und mir selbst gefällt das Rennen auch sehr gut. Vor allem die ungezwungene Atmosphäre. Man findet alles, und man kennt die Leute.» «Solche Rennen muss man einfach unterstützen», meinte auch Roger Dittli aus Immensee. «Es gibt immer weniger solche Anlässe. Deshalb nehme ich auch teil, wenn ich nicht in Topform bin. So sollte es eigentlich jeder Athlet machen.»

Nachdem in den vergangenen zwei Jahren die Teilnehmerrekorde erreicht wurden, bleibt gespannt zu warten, wie sich die Zugerberg Classic im kommenden Jubiläumsjahr, der zwanzigsten Austragung, präsentieren wird.

Rangliste Berglauf:

Damen 1 Jahrgang 1982 bis 1994:1. Kempf Sarah 1982 Seewen LD1 LATV Erstfeld 35:36.727; 2. Andrey Sophie 1984 Andermatt LD1 LPP Fit Sport Kerns 36:35.033; 3. Alber Valeria 1983 Stans LD1 40:02.224. Herren Hauptklasse Jahrgang 1982 bis 1994:1. Russ Matthias 1983 Lörrach LHH 27:28.895; 2. Arnold Philipp 1987 Cham LHH Ochsner Sport Running Team 28:35.444; 3.Baggen­stos Tobias 1992 Gersau LHH SC Rigi Hochfluh 31:24.732.

Rangliste Biken:

Herren lizenziert Elite Jg. 1995 und älter: 1. Ostertag Sebastian 1985 Wädenswil BHE, VC Wädenswil 1h07:28.975; 2. Schär Oliver 1988 Rafz BHE Röbis-Velo Shop 1h07:29.380; 3. Hürlimann Franz 1989 Baar, RMV Cham-Hage 1h16:00.918; 4. Pötzsch Christian 1985 Hünenberg See BHE Medigym Baar 1h21:26.592.

Die ausführlichen Ranglisten auf www.zugerberg-classic.ch

Jan Heldstab