ZUG: Nullzins für die schnellen Steuerzahler hat Auswirkungen

Der Kanton Zug hat das Skonto für Ende Juli bezahlte Steuerrechnungen gestrichen. Viele Zuger bezahlen ihre Steuern jetzt viel später – das ist gewollt. Aber diese Sparmassnahme führt auch zu einem Kuriosum.

Marco Morosoli
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Nullzins bei Steuern wird die kantonale Rechnung um 5 Millionen Franken entlasten. (Bild: Keystone)

Nullzins bei Steuern wird die kantonale Rechnung um 5 Millionen Franken entlasten. (Bild: Keystone)

Vom Spitzenreiter zur roten Laterne – und das in nur gerade zwei Jahren. Eine solche Entwicklung bedeutet im sportlichen Umfeld eine Katastrophe, der Kanton Zug hat diesen Niedergang hingegen bewusst herbeigeführt. Gewährte er von 2005 bis 2014 für bis zum 31. Juli bezahlte Steuerrechnungen noch ein Skonto von 2 Prozent, hat der Regierungsrat diesen Bonus in zwei Schritten einfach gestrichen – und damit Millionen Franken eingespart. Er ist nebst dem Bund einer der wenigen Schweizer Kantone, der seinen Steuersubjekten in keiner Form einen Bonus gewährt.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler schätzt, dass damit die kantonale Rechnung um rund 5 Millionen Franken entlastet wird. Die Gemeinden, bei der Steuereintreibung im Schlepptau des Kantons, sparen zusätzlich rund 4 Millionen Franken. Und diese Massnahme zeigt bei den Steuerpflichtigen schnell Wirkung. Laut Zahlen der Finanz­direktion sind heuer bis zum Stichdatum 31. Juli rund 140 Millionen Franken Steuergelder eingegangen. Vor einem Jahr ist dieser Wert noch um 260 Millionen Franken höher gewesen.

Ein Rückgang, der keine Sorgenfalten auslöst

Heinz Tännler sieht in diesem Rückgang einen Segen: «Diese Wirkung war gewollt. Im gegenwärtigen Negativzinsumfeld muss der Kanton Zug froh sein, wenn er wenig Liquidität hat, die er teuer parkieren muss.» Dabei habe der Kanton Zug, so der Landammann weiter, bis jetzt Glück gehabt: «Obwohl uns einige Finanzinstitute die zinsbefreiten Limiten massiv kürzten, mussten wir bis heute noch fast keine Negativzinsen bezahlen.» Da jedoch die gewährten Limiten in der gegenwärtigen Tiefzins­periode noch weiter unter Druck geraten, so Tännler, habe der Kanton im Budget 2017 einen Betrag für allfällige Negativzinsen eingerechnet.

Mit den Verlustzinsen ist temporär Schluss

Die Einsparungen beim Kanton wie auch bei den Gemeinden haben allerdings einen wenig vorteilhaften Effekt. Die Software der Zuger Steuerverwaltung aus dem Jahre 1995 – in diesem Jahr ist die Internet-Adresse amazon.com online gegangen – kommt mit unterschiedlich hohen Vergütungs- respektive Verzugszinsen nicht klar. Mit dem Streichen des Zwei-Prozent-Skontos hat der Kanton auch die Streichung des Verzugszinses auf null in Kauf genommen. Der Zuger Finanz­direktor Heinz Tännler sagt, dass der Kanton auf dem Zinsniveau von 2 Prozent jährlich etwa rund 1,5 Millionen Franken als Zinsen für verspätete Zahlungen eingenommen habe, derweil er «etwa 10 Millionen Franken in Form von Skonto- und Zinsgutschriften an die offenen Steuern» anrechnete. Wie viel Geld der Kanton Zug durch die Nullrunde verliert, kann Tännler nicht sagen: «Die Senkung zu Gunsten und zu Lasten der Steuerkundschaft wird sich in den kommenden Jahren erst sukzessive auswirken. Genaue Prognosen sind deshalb schwierig.» Zudem kann der Steuerschuldner auch nicht allzu lange zuwarten, ehe er seine Steuern begleicht. Im November wird dem Steuerpflichtigen jeweils angezeigt, wie viel er noch bezahlen muss. Bezahlt er bis Ende Januar des folgenden Jahres nicht, gibt es eine Mahnung. Foutiert er sich weiterhin um seine Pflicht, setzt die Steuerverwaltung eine zweite Mahnung mit einer Gebühr von 20 Franken ab. Fruchtet auch diese Erinnerung nichts, kann eine Betreibung eingeleitet werden.

Neue Steuersoftware ab dem Jahre 2020

Im Juni hat der Regierungsrat beschlossen, sich eine neue Steuersoftware für rund 16,3 Millionen Franken zu kaufen. Sie soll ab 2020 im Einsatz stehen und wird «unter laufendem Betrieb» eingeführt. Diese Steuersoftware ist bereits bei zwölf Kantonen in Gebrauch. Der Kanton Zug hat dabei bewusst auf «bewährte Standardprodukte» gesetzt und verzichtet «auf aufwendige und risikobehaftete Eigenentwicklungen». Damit sind ab diesem Datum wieder Verlustzinsen möglich. Vielleicht macht der Kanton Zug bis dahin ja auch tabellenmässig wieder einen Sprung nach vorne.

Marco Morosoli