ZUG: Nun ist der 17 Tonnen schwere Koloss abgetaucht

Nach gut zwei Stunden war es gestern so weit und das Kunstwerk im See versenkt. Wahrlich eine Zentimeterangelegenheit.

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Die Skulptur «Seesicht» des Künstlers Roman Signer wurde am Dienstag am Zuger Vorstadtufer zu Wasser gelassen. Taucher Miklos Erismann (links) verschraubte und verzurrte das Kunstwerk mit Fenster. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Skulptur «Seesicht» des Künstlers Roman Signer wurde am Dienstag am Zuger Vorstadtufer zu Wasser gelassen. Taucher Miklos Erismann (links) verschraubte und verzurrte das Kunstwerk mit Fenster. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Irgendwie mutet es kurios an. Klar: Ein Bild ist etwas völlig anderes als eine Skulptur. Vor allem, wenn Letztere auch noch 17 Tonnen wiegt, wie jene begehbare Stahltreppe namens «Seesicht» von Künstler Roman Signer, die künftig Besuchern in Zug unterm Wasser völlig neue Einblicke bescheren soll. Und doch scheint es um 17.45 Uhr fast wie im Kunstmuseum, wenn ein Bild an der Wand aufgehängt wird: Ein Arbeiter am Vorstadtufer äugt kritisch durch die Wasserwaage, streckt den Daumen in die Luft und sagt erleichtert: «Passt!»

Kunstwerk kommt an die Kette

Was zwei Stunden zuvor indes abgelaufen war hatte wenig mit Kunst, dafür mit hartem Handwerk zu tun. Ein wahrer Kraftakt. «Die haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet», zollte Künstler Roman Signer höchstpersönlich der Realisierung seines «stehenden U-Boots» durch die Firma Gysi AG grosses Lob und strich sanft über die «drei, nein zwei, o.k. zweieinhalb Zentimeter dicken Stahlwände» der Treppe mit Fenster. Diese war zuvor auf einem Tieflader von Baar direkt an die Rössliwiese transportiert worden, wo sich bereits zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten. Sorgfältig legten Arbeiter dann das Kunstwerk an die Kette.

Mit 5000 Liter Wasser geflutet

Zig Handys klickten rund eine Stunde später, als der Koloss dank der Power des Pneukrans über den Platanen der Promenade leicht wie eine Feder schwebte. «Das ist sicher eine Attraktion für Zug», zeigte sich ein neugieriger Anwohner überzeugt. Eine Frau, die ebenfalls ihre Kamera zückte, war sich zwar nicht sicher, «ob so etwas nötig ist in Zug aber es wird sicher ein spezielles Erlebnis sein, unter Wasser in den See zu schauen». Noch spannender ging es dann zu, als die Skulptur – deren Verwirklichung, Installation und Betrieb über die nächsten zehn Jahre laut Kunstgesellschaftspräsident Richard T. Meier 450 000 Franken kostet – in Zentimeterschritten versenkt wurde. Dabei mussten zuerst einmal rund 5000 Liter Wasser, so Thomas Schnydrig von der Gysi AG, über einen Schlauch in die Treppe gepumpt werden – um dem tonnenschweren Kunstwerk seine Schwimmkünste auszutreiben. Die aufgebotene Pumpe verweigerte ihren Dienst – eine andere musste kurzerhand einspringen. Dann war es an Spezialtaucher Miklos Erismann, die Stahltreppe schliesslich im Fundament zu verschrauben und festzuzurren. «Morgen Mittwoch muss ich dann noch die Schweissarbeiten erledigen», erklärt der Luzerner, der während seiner Unterwasseraktion über Funk mit seinen oberirdischen Kollegen kommunizierte – und dabei noch zu Spässchen aufgelegt war. Das sorgte auch für Lacher unter den Schaulustigen. «Nein, hier gibts keine Spinnen!», antwortete der Taucher auf die Frage: «Ist es jetzt drinnen?» Am Ende passt dann alles. Und Kunsthausdirektor Matthias Haldemann warf schon mal einen ersten Blick in die Tiefe – wo ein mystisch grüner Horizont zu dämmern beginnt ... wolfgang holz

Von hier kann man künftig per Treppe in die Tiefe steigen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Von hier kann man künftig per Treppe in die Tiefe steigen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Künstler Roman Signer. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Künstler Roman Signer. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)