ZUG: Nun ist die Justiz am Zug

Der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer muss vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchung nach gut drei Jahren beendet.

Merken
Drucken
Teilen
Der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer. (Archivbild)

Der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer. (Archivbild)

Harry Ziegler

Nach der politischen Aufarbeitung folgt nun die strafrechtliche. Der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer wird sich vor Gericht verantworten müssen. Die Zuger Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchungen zum Fall abgeschlossen und wird Anklage beim Strafgericht erheben, wie Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, einen Bericht des Onlineportals «zentralplus» bestätigt. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft drehte sich um die Straftatbestände des Betrugs und der ungetreuen Geschäftsführung. «Zu Beginn der Strafuntersuchung haben wir dies so kommuniziert», sagt Schlatter. Ob die Untersuchung auf weitere Straftatbestände ausgeweitet wurde, möchte Schlatter aus Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht sagen.

Mehrere Millionen verschwunden

Der heute 51-jährige Ivo Romer sass während dreier Jahre bis November 2012 für die FDP im Zuger Stadtrat. In dieser Zeit führte er nebenamtlich ein Mandat weiter und verwaltete das Vermögen einer hochbetagten Millionärin. Diese verstarb 2011 mit 96 Jahren. Nach ihrem Tod bestätigte sich offenbar der Verdacht der Familie auf finanzielle Unregelmässigkeiten in der Vermögensverwaltung. Konkret soll Romer die Frau um mehrere Millionen Franken erleichtert haben. Die Familie der hochbetagten Frau reichte im April 2012 Strafanzeige gegen Romer ein. Gemäss einem Bericht der «Weltwoche» von Dezember 2012 soll die betagte Multimillionärin über ein Vermögen von weit über 6 Millionen Franken verfügt haben. Nach ihrem Tode 2011 seien vom Vermögen lediglich noch 20 000 Franken auffindbar gewesen. Für Ivo Romer gilt die Unschuldsvermutung. Er war gestern für unsere Zeitung nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dass die Untersuchungen vom Zeitpunkt der Anzeige an bis zum Abschluss der Strafuntersuchung über drei Jahre dauerten, sei mit dem internationalen Bezug des Falls zu erklären, so der Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Unter anderem sei ein Rechtshilfeersuchen an den Staat Südafrika ein Grund für die lange Verfahrensdauer.

Familie reagiert mit Genugtuung

Die Familie des mutmasslichen Opfers stellt mit Genugtuung fest, dass es in diesem Fall nun weitergeht, teilt sie auf Anfrage mit. Die Familie habe ein grosses Interesse daran, die ganze Angelegenheit abzuschliessen.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls Romer findet auch beim Zuger Stadtpräsidenten Dolfi Müller Anklang. Es sei richtig, dass der Fall strafrechtlich betrachtet werde, sagt Müller. «Es ist dringend nötig, dass der Fall so gründlich wie möglich durch die Justiz aufgearbeitet wird.» Auch deshalb, weil die Öffentlichkeit ein Recht auf Aufklärung habe. Ausserdem dürfte durch die strafrechtliche Aufarbeitung, Spekulationen, alt Stadtrat Romer sei nach der politischen Abrechnung bereits genug gestraft, der Nährboden entzogen werden.

PUK untersuchte

Nach Auffliegen der möglichen Verfehlungen des alt Stadtrats wurde im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt. Diese befasste sich mit der Rolle Romers sowie jener der Vormundschaftsbehörde. Die PUK hat in ihrem Schlussbericht, den sie im Sommer 2014 vorlegte, festgestellt, dass das Vormundschaftsamt Zug mit erheblichem Einsatz versucht habe, zwischen der Familie der Multimillionärin und Romer zu vermitteln. Kritik allerdings wurde dahingehend angebracht, dass das Vormundschaftsamt keine Beistandschaft für die betagte Millionärin vorgeschlagen habe. Bei Ivo Romer, der das Vermögen der wohlhabenden Witwe seit 2007 verwaltete, wurde ein Interessenkonflikt festgestellt. Romer war als Stadtrat im Hauptamt Teil der Vormundschaftsbehörde. Im Nebenamt bewirtschaftete er das Vermögen der Frau, die im Fokus der Vormundschaftsbehörde stand.

Gegen den Stadtrat wurden ebenfalls Vorwürfe laut, den Fall Romer wenig souverän gehandhabt und bei Vorwürfen gegen ihren Kollegen Ivo Romer weggesehen zu haben. Die PUK stellte sich aber mehrheitlich hinter den Stadtrat. Die Kommission hatte den Fall während 20 Monaten untersucht. Rechtliche Verstösse wurden von der PUK keine festgestellt. Allfällige Fehlleistungen des Zuger Stadtrats schrieb die PUK unglücklichem Zusammenwirken verschiedener Ursachen und Umstände und nicht absichtlichem Wegsehen zu.

Wie geht es weiter?

Nachdem die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft abgeschlossen wurde, haben die Parteien nun die Möglichkeit, weitere Beweisanträge einzureichen. Zwar gibt es für das Einreichen weiterer Beweisanträge gemäss Marcel Schlatter keine Frist. Trotzdem dürfte den Parteien eine solche erfahrungsgemäss gesetzt worden sein. «Es findet auf jeden Fall eine Gerichtsverhandlung statt», erklärt Schlatter. Wann, ist allerdings noch unklar. Ein Termin sei noch nicht anberaumt. Die Anklageschrift sei recht umfangreich. Wie dick genau, kann Schlatter nicht sagen. Er geht aber davon aus, dass die Akten wegen allfälliger Beweisanträge noch voluminöser werden könnten.