Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Odlo-CEO Christophe Bézu: «Die Schweiz hat viel zu verlieren»

Der neue CEO der Firma Odlo, Christophe Bézu, ist ein viel gereister Mann. Im Interview erklärt der Ex-Adidas- Manager, was er an der Schweiz schätzt und wie seine Firma davon profitieren kann.
Interview Bernard Marks
Der Franzose Christophe Bézu leitet seit einem Jahr den Zuger Sportartikelhersteller Odlo, hier beim Treffen am Hauptsitz in Hünenberg seit einem Jahr. (Bild Stefan Kaiser)

Der Franzose Christophe Bézu leitet seit einem Jahr den Zuger Sportartikelhersteller Odlo, hier beim Treffen am Hauptsitz in Hünenberg seit einem Jahr. (Bild Stefan Kaiser)

Interview Bernard Marks

Christophe Bézu, für diejenigen, die Ihre Firma nicht kennen: Odlo ist ein international tätiger Hersteller von funktionellen Sportbekleidungen mit norwegischen Wurzeln. Was viele nicht wissen: Das Unternehmen hat eine lange Tradition im Kanton Zug. Seit 1986 ist der Hauptsitz in Hünenberg. Das ist eine lange Zeit.

Christophe Bézu: Das stimmt, und wir sind gerne hier.

Warum genau?

Bézu: Die Schweiz bietet viele Dinge, die für eine Firma wie uns sehr wichtig sind.

Welche?

Bézu: Zum Beispiel die Sicherheit. Ich habe viele Jahre in Frankreich gelebt. Aber die vielen Anschläge haben das Klima in diesem Land verändert. Hier in der Schweiz ist das Leben nicht nur angenehm, sondern zuverlässig sicher. Das ist ein sehr grosser Pluspunkt dieses Landes.

Und für Ihr Unternehmen, warum ist Zug und die Schweiz als Standort für Odlo so attraktiv?

Bézu: Die Kosten sind in der Schweiz zwar hoch. Aber nur ein geringer Teil unserer rund 700 Mitarbeiter arbeitet in der Schweiz. Hier am Hauptsitz in Zug arbeiten nur etwa 100 Personen. Der überwiegende Teil ist an unseren Produktionsstätten in Rumänien und in Portugal beschäftigt. Wesentlich ist für uns die Flexibilität der Mitarbeiter, die ist hierzulande extrem hoch.

Was meinen Sie damit?

Bézu: Auf veränderte Situationen zu reagieren und Pläne zu ändern, ist in unserem Geschäft matchentscheidend, um wettbewerbsfähig zu sein. Dazu braucht es die Flexibilität der Mitarbeiter. In der Schweiz ist diese Eigenschaft, verglichen mit anderen Ländern wie Frankreich und Deutschland, sehr ausgeprägt. In Frankreich sind manche Entscheidungsprozesse extrem langwierig. Auch in Deutschland ist es komplizierter, Pläne abzuändern, weil die bürokratischen Zwischenschritte langwieriger sind. Das macht die Arbeit in der Schweiz trotz hoher Kosten unterm Strich für uns günstiger.

Sie waren Geschäftsführer für Europa beim Modekonzern Esprit und waren für den Sportartikelhersteller Adidas als Topmanager in Asien aktiv. Viele Jahre haben Sie in Japan gelebt. Sprechen Sie japanisch?

Bézu: Ja, ich spreche die Sprache gut. Hinzu kommt, dass meine Frau Japanerin ist.

Seit rund einem Jahr sind Sie Chef von Odlo und leben seitdem im beschaulichen Cham. Ist das nicht ein wenig zu langweilig für Sie?

Bézu: Nein. Jahrelang habe ich in meinem Leben so viel im Flugzeug gesessen und bin vor allem in Asien hin und her geflogen. Die meisten Flüge dauerten im Durchschnitt sechs Stunden. Heute ist mein Leben etwas anders. Ich bin zwar auch oft am Flughafen in Zürich, doch wenn ich in Cham bin, geniesse ich das ruhige Leben sehr. Vor allem mag ich den kurzen Arbeitsweg. Von Cham nach Hünenberg dauert es nicht länger als fünf Minuten. (Lacht.)

Die Schweiz begeht morgen ihren Nationalfeiertag. Das Klima im Land hat sich allerdings vor allem in jüngster Zeit leicht verändert. Generell betrachtet hat die Schweiz an Offenheit gegenüber Ausländern verloren. Ein Stichwort ist hierbei die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Wie erleben Sie die Schweiz?

Bézu: Ich kenne die Schweiz gut, denn ich habe Verwandte in der Westschweiz. Meine Schwester lebt seit 35 Jahren in Lausanne und hat mittlerweile auch das Schweizer Bürgerrecht. Ich erlebe die aktuelle politische Lage in Europa als äusserst Besorgnis erregend. Es ist un­sicher geworden in der Welt, es gibt zu viele Krisenherde. Da möchte ich persönlich meine Frau und meine Kinder in Sicherheit wissen. Ich glaube deshalb, die Schweiz tut gut daran, sich in Zukunft gegenüber diesen Entwicklungen abzugrenzen, denn sie hat viel zu verlieren. Die Sicherheit im Land, die demokratischen Prozesse, die florierende Wirtschaft und die friedliche Lebensart sind hohe Güter, die es zu verteidigen gilt. Wäre ich ein Schweizer, würde ich ebenso handeln.

Sport ist Ihr Leben. Der Firma Adidas waren Sie viele Jahre verbunden. Kennen Sie auch Bernard Tapie?

Bézu: Ja, natürlich. Ich kenne ihn persönlich aus der Zeit, als er Chef von Adidas war. Er war für viele damals einer der schillerndsten Unternehmerfiguren. Ich habe ihn auch als Präsidenten des Fussballklubs Marseille schätzen gelernt.

Sie sind seit 1999 im Geschäft mit Sportbekleidung tätig. Da kennen Sie die Sportbranche gut.

Bézu: Es ist eine überschaubare Anzahl von Leuten und fast wie eine Familie für mich.

Da ist Ihre Besetzung für die Firma Odlo ein Gewinn.

Bézu: Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich hoffe, Odlo kann von meiner Erfahrung profitieren.

Wie hat sich Ihr Geschäft entwickelt?

Bézu: Oldo ist international sehr gut aufgestellt. Seit Jahren schreiben wir einen Gewinn von rund 2 Millionen Franken. Doch ich glaube, Odlo kann mehr. Deshalb haben wir uns für die kommenden Jahre Ziele gesetzt. Wir wollen in den nächsten Jahren unseren Umsatz auf 200 Millionen Franken verdoppeln.

Bisher waren Odlo-Artikel eher im hochpreisigen Segment angesiedelt. Wie wollen Sie das erreichen?

Bézu: Das stimmt. Für viele sind unsere hochpreisigen Artikel etwas kostspielig. Deshalb haben wir unsere Preispolitik überarbeitet. Neu wollen wir in verschiedenen Preisklassen produzieren.

Odlo ist seit 2008 Mitglied der Fair Wear Foundation. Das garantiert neben guten Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter auch eine grosszügige Entlöhnung. Wollen Sie diese Politik nun aufgeben?

Bézu: Nein, auf keinen Fall. Fairness in unseren Produkten ist heute wichtiger denn je. Das zu verändern, würde nicht zu uns passen.

Jetzt, kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, wie ist derzeit die Nachfrage nach Sportartikeln?

Bézu: Wir sind mit unserer Funktionswäsche und unseren Baselayern vor allem im Frühjahr- und im Winterbereich aktiv. Derzeit planen wir bereits das Frühjahr 2017. Von den Sommerspielen haben wir eher wenig.

Welches sind die aktuellen Trends, auf die Sie im Sportbereich setzen?

Bézu: Der Trend geht zu immer leichteren Jacken, die alles können sollen. Warm halten und trocken. Das ist genau unsere Stärke. Deshalb bin ich überzeugt, dass Odlo in Zukunft besser abschneiden wird als in den vergangenen Jahren. Vor allem das Bereich Running wird enorm weiterwachsen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.