ZUG
Pandemie schlägt der Zuger Bevölkerung aufs Gemüt

Shutdown, Isolation, Existenzängste: Die Folgen der Coronapandemie wirken sich zunehmend auf die psychische Gesundheit der Zugerinnen und Zuger aus. Dennoch: Bis jetzt registriert die Klinik Zugersee nicht mehr Eintritte wegen Angsterkrankungen und Depressionen.

Kilian Küttel
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Chefarzt Josef Jenewein in der Klinik Zugersee.

Chefarzt Josef Jenewein in der Klinik Zugersee.


Bild: Maria Schmid (Oberwil, 17. Dezember 2019)

«Obwohl wir im stationären Rahmen keine klare Zunahme feststellen können, gibt es deutliche Hinweise, dass die Nachfrage für psychiatrische und psychologische Behandlungen zugenommen hat.»

Auch wenn Josef Jenewein, Chefarzt der Klinik Zugersee, der Triaplus AG, die genauen Zahlen fehlen und er sich auf seine Beobachtungen verlassen muss – er spricht das aus, was medial schon seit einiger Zeit immer wieder thematisiert wird: Die Coronakrise schlägt der Bevölkerung aufs Gemüt – auf verschiedenste Weise, und aus verschiedensten Gründen: «Einschränkungen in der Lebensweise, Quarantäne und Isolation aber auch Existenzängste Direktbetroffener wie etwa in der Gastronomie oder im Kulturbereich.»

Wer Belastung spürt, soll sich Hilfe holen

Deshalb sei es wichtig und «begrüssenswert», wenn sich Betroffene Hilfe holen. Jenewein:

«Dafür ist entscheidend, dass belastete Menschen niederschwellig und unkompliziert Zugang zu spezifischer Hilfe erhalten, was über telefonische Angebote wie die ‹Dargebotene Hand›, Hausärzte, Psychiater oder Psychologen erfolgen kann.»

Die Beobachtungen aus Oberwil decken sich mit den Erkenntnissen, die eine Studie der Universität Basel zur psychischen Belastung der zweiten Coronawelle ans Licht gebracht hat: 18 Prozent der Befragten litten im November unter schweren depressiven Symptomen, im April waren es noch 9 gewesen. Dennoch verzeichnet die Klinik Zugersee nicht signifikant mehr Eintritte oder Zuweisungen wegen Depressionen oder Angsterkrankungen, wie Chefarzt Jenewein sagt.

Jenewein unterstreicht nochmals, dass es wichtig sei, in Belastungssituationen frühzeitig Hilfe zu holen. Auch, damit es nicht zum Äussersten kommt.

Die «Dargebotene Hand» etwa hat 2020 von März bis Juni mit 1738 Personen Gespräche geführt, die daran gedacht hatten, sich das Leben zu nehmen – 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie die Zuger Gesundheitsdirektion auf Anfrage erklärt, ist die Suizidrate im Kanton Zug nach aktueller Datenlage im vergangenen Jahr gesunken; von 26 auf 16.

Dazu sagt Chefarzt Josef Jenewein: «Dies ist ein erfreuliches Zeichen und gibt Hinweise darauf, dass sich belastete Personen tatsächlich Hilfe holen.»