ZUG: Pfister klopft an die Regierungsratstür

Die grosse Überraschung ist ihm nicht gelungen – 206 Stimmen haben gefehlt. Sein Ziel könnte dennoch bald Wirklichkeit werden.

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Martin Pfister hatte viele Wahlhelfer. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Martin Pfister hatte viele Wahlhelfer. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Das absolute Mehr hat auch Martin Pfister, CVP Baar, mit 12 353 Stimmen erreicht. Martin Pfister scheidet aber als überzählig aus.» Als Landschreiber Tobias Moser am späten Sonntagnachmittag, 5. Oktober, in der Aula des Kaufmännischen Berufszentrums die Resultate der Regierungsratswahlen verliess, staunten die zahlreichen Gäste. Und es war nicht in erster Linie die Stimmenzahl, die sie verstummen liess, sondern es war die knappe Differenz, die dann zwischen wieder gewählt und überzählig entschied. 206 Stimmen fehlten nämlich dem Herausforderer am Ende, um die bisherige Regierungsrätin Manuela Weichelt zu verdrängen.

Hat Martin Pfister erwartet, dass der Unterschied so gering ausfallen könnte? Immerhin war die Direktorin des Innern in den letzten Monaten immer wieder in Kritik geraten – auch von der CVP-Fraktion im Kantonsrat. Pfister wählt für die Antwort die diplomatische Variante: «Ich hatte immer ein gutes Gefühl. Ich rechnete mit einem guten Resultat.» Will heissen, sein Anspruch war, deutlich mehr Stimmen als Christina Bürgi (SP) zu machen und das absolute Mehr zu übertreffen.

Die Uhr tickt

Fakt ist: Martin Pfister ist nicht gewählt. Noch nicht. Wann er dereinst als Regierungsrat für die Zuger arbeitet oder ob überhaupt – das weiss im Moment niemand. Theoretisch könnte es schon sehr bald Tatsache werden. Je nachdem, wie das Verwaltungsgericht bezüglich der Wahlbeschwerde entscheidet, beginnen die Wahlen für alle Regierungsratskandidaten nochmals bei Null. Erster mögliche Termin wäre der 30. November, denn an diesem Datum finden bereits nationale Abstimmungen und Nachwahlen in Steinhausen und Walchwil statt. Nichts ändern würde sich unter den drei CVP-Kandidaten: Peter Hegglin und Beat Villiger, die zwei Bisherigen, bleiben erste Wahl, Martin Pfister die Alternative. Für ihn wäre ein solcher zusätzlicher Wahlgang zumindest eine weitere Möglichkeit, sich für den Herbst 2015 zu positionieren. Dann nämlich werden die National- und Ständeräte gewählt. Und wenn es Peter Bieri den Zugern auch noch nicht offiziell selbst gesagt hat: Ein offenes Geheimnis ist, dass der 62-jährige Hünenberger nach 20 Jahren Ständerat von der politischen Bühne abtreten wird. Als Nachfolger steht innerhalb der CVP Regierungsrat Peter Hegglin parat – doch reden will auch er erst im Frühling 2015. Spätestens dann wäre der Weg für Martin Pfister frei. Es ist davon auszugehen, dass ihn die Delegierten wieder als Regierungsratskandidaten nominieren werden. Und nichts spricht dagegen, dass eine Mehrheit der Zugerinnen und Zuger ihn auch wählen wird. Aber: Offiziell ist dies für Martin Pfister noch immer etwas gar viel Konjunktiv. Für ihn geziemt es sich nicht, zum jetzigen Zeitpunkt mehr dazu zu sagen. «Wir müssen mal abwarten, was alles noch passiert.» Fest steht, wenn die Partei ruft, dann steht der Präsident zur Verfügung.

Zurückhaltender Wahlkampf

Den Wahlkampf empfand Martin Pfister als angenehm, auch wenn eine Kandidatur für den Regierungsrat halt doch «eine grössere Schuhnummer» sei als für den Kantons- oder Gemeinderat. «Man muss sich im ganzen Kanton bekannt machen, man braucht die Unterstützung in allen elf Gemeinden.» Dies sei ihm ganz gut gelungen, findet er, es sei allerdings nicht sein alleiniges Verdienst. «Ich hatte in jeder Gemeinde mehrere Wahlhelfer. Sie haben sehr viel für mich gemacht.» Eigentlich handelte es sich dabei mehrheitlich nicht um Wahlhelfer, sondern Wahlhelferinnen ...

Und seine Familie? «Alle sind von Beginn weg hinter mir gestanden und haben mich ermuntert, zu kandidieren.» Seine Kinder hätten ihn via Social Media unterstützt. Wobei sich Martin Pfister zurückhaltend verhielt. Individuell hätte er eigentlich mehr machen müssen. Der Partei sei es mit ihrer Dreierkandidatur jedoch nicht darum gegangen, Peter Hegglin oder Beat Villiger zu konkurrenzieren. «Wir wollten den Zugern vor allem beweisen, dass wir als grosse Partei über mehrere fähige Leute für ein solches Amt verfügen.» Und das sei zweifellos geglückt. Und weshalb fehlte die Frau auf der CVP-Liste? «Wir haben uns intensiv darum bemüht», betont Pfister. Und fügt an: «Die CVP-Frauen haben mich ausdrücklich unterstützt.» Vielleicht wollte sich aber auch keine CVP-Frau mit der Rolle der Nummer 3 anfreunden. Denn: Über wählbare Frauen verfügt die Partei zweifellos.

Auch Seiltanz ohne Netz

Trotz der Wahlniederlage, die Freude überwiegt bei Martin Pfister. «Meine Familie hat so fest an meine Wahl geglaubt, dass sie bei der Bekanntgabe der Resultate fast ein wenig enttäuscht war.» Bei ihm überwiege jedoch die Freude und damit die Zuversicht, dass er früher oder später sein Ziel erreichen könne. Allerdings: Ein bisschen war Pfisters Kandidatur auch ein Seiltanz ohne Netz. Denn wäre der Baarer durchgefallen, hätte er 10 000 Stimmen nicht erreicht, dann wäre er wohl weder bei einer möglichen Neuwahl noch der Ersatzwahl im nächsten Herbst ein valabler Kandidat gewesen – sondern schlicht ein «Loser». «Dieses Risikos war ich mir bewusst.» Nach ausführlichen Diskussionen sei er sich sicher gewesen, dass es richtig sei, diese Herausforderung anzunehmen. Er habe an den verschiedenen Veranstaltungen und in den vielen persönlichen Gesprächen viele aufmunternde Rückmeldungen erhalten, sagt er. Auch seine Arbeit im Kantonsrat in den letzten acht Jahren habe Spuren hinterlassen. Man habe ihn einordnen können, die Wähler hätten gewusst, wofür er stehe. «Dies ist gerade im Majorz, wo Köpfe und nicht Parteien gewählt werden, sehr wichtig.»