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ZUG: «Pflästerchen-Politik» in der Blegikurve

Seit dem Spurausbau der Autobahn bei Cham ereignen sich an der Verzweigung pro Jahr zahlreiche Unfälle. Nun haben die Behörden reagiert. Ob die Massnahmen greifen, erscheint fragwürdig.
Wolfgang Holz
Schildchen hier, Schildchen da: Die Neusignalisation an der Gefahrenstelle in der Blegikurve fällt minimalistisch aus. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Schildchen hier, Schildchen da: Die Neusignalisation an der Gefahrenstelle in der Blegikurve fällt minimalistisch aus. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Wolfgang Holz

Tempo 70 statt 80. Plus eine neue Strassenmarkierung für ein besseres Kurvengefühl. So lautet das Rezept des Bundesamts für Strassen (Astra) und der Zuger Polizei, das jüngst umgesetzt wurde. Ziel: Die Zahl der Unfälle in der Blegikurve auf der Autobahn von Zug nach Luzern soll so reduziert werden. Ob diese Strategie funktioniert, ist fraglich.

52 000 Fahrzeuge täglich

In der Blegikurve wurden seit 2013 gemäss Zahlen des Astra knapp 25 Unfälle pro Jahr registriert. Zwar handelt es sich zumeist um leichtere Unfälle wie Auffahr- oder Streifkollisionen mit höchstens Leichtverletzten. Doch der Verkehr am bislang grössten Knoten im Kanton Zug nimmt in den kommenden Jahren sicherlich nicht ab – schon jetzt fahren durch die 90-Grad-Biegung von Zug nach Luzern laut Zählungen des Astra täglich im Schnitt rund 52 000 Fahrzeuge. Kurz danach, ab Cham sind es sogar 85 000. Der Sechsspurausbau sollte den Verkehr langfristig verflüssigen und sicherer machen.

Die Wirklichkeit sieht wie gesagt auf dem kritischen Abschnitt der Blegikurve, auf dem vor dem Umbau noch Tempo 60 gegolten hat, anders aus. Richtung Luzern drücken nicht wenige Autofahrer gerne aufs Gas und düsen mit mehr als den erlaubten 80 Stundenkilometern dahin. Das kann man täglich erleben, wenn man selbst durch die «Blegi» fährt. Wohl sei, so versichert Esther Widmer, Kommunikationsbeauftragte des Astra, mit der Strassenummarkierung nun die Kurvengeometrie so geändert worden, dass ein kontinuierliches Kurvenfahren gewährleistet sei. Will heissen: Autofahrer sollen jetzt flüssiger und sicherer durch die Kurve fahren können und nicht mehr nachsteuern müssen – wenn die starke Krümmung der doppelspurigen Strasse, wie bis vor kurzem noch, nach einer Abflachung der Kurve plötzlich wieder anzieht. Die neue Linienführung wirkt beim Fahrtest nun in der Tat harmonischer und runder als vorher – man fragt sich aber, warum der vorherige Zustand nicht von Anfang an hätte vermieden werden können.

Indes – ob die neu hintereinandergestaffelte Signalisation eines 80er-Temposchilds und dann nach 200 Metern eines 70er-Schildes im Kombination mit zwei Pfeilchen rechts und links langfristig dafür sorgen, dass Autofahrer den Fuss vom Gas nehmen – ist fraglich. Ganz zu schweigen davon, ist Tempo 70 auf Autobahnen laut Alain Kutter, einem Verkehrsexperten aus Bern, eher «speziell» und werde als Tempolimit «sehr selten signalisiert.» «Unter Umständen kann eine solche Tempovariante aber eine Massnahme sein, um für mehr Sicherheit zu sorgen.»

Ausbaufähige Signalisation

Gemäss des Astra ist die Blegikurve normgemäss auf eine Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern ausgelegt. «Eine bewilligte, der Norm entsprechende Höchstgeschwindigkeit kann nur aufgrund eines Verkehrsgutachtens herabgesetzt werden», so Widmer. In diesem Gutachten sei nun die neue Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern definiert. «Das heisst, man kann nicht einfach irgendeine Tempolimite wählen.» Dabei gilt andernorts an der Blegi-Verzweigung – nämlich auf der einspurigen Brücke der Ausfahrt Zug aus Richtung Zürich – sehr wohl Tempo 60.

Grundsätzlich ist Tempo 70 für die Blegikurven-Unterführung Richtung Luzern aber auch keine Sicherheitsgarantie. Denn zum einen ist für Autofahrer nach wie vor nicht zu erkennen, was sich hinter der starken Strassenkrümmung abspielt. Zum anderen fehlen grosse Warntafeln oder ein Leuchtsignal – wie es das beispielsweise auf anderen europäischen Autobahnen gibt – um Autofahrer deutlich auf die starke Kurve hinzuweisen. Denn: Selbst scharfe Kurven auf untergeordneten Strassen im Kanton Zug sind besser signalisiert als auf der Autobahn. Siehe Zuger Nordzufahrt, wo etwa grosse Gefahrenpfeile installiert sind. Gleiches gilt für die Zuger «Parabolica» an der Kantonsstrasse von Neuheim nach Sihlbrugg. «Die Schweizer Nationalstrassen werden nach geltenden Normen signalisiert«, erklärt die Astra-Sprecherin. «Verkehrsgutachten haben gezeigt, dass die Ummarkierung sowie die Temporeduktion die wirksamste Massnahme zur Erhöhung der Sicherheit in der Blegikurve darstellen.»

Es gibt dort keine Tempo-Kontrolle

Doch ob das neue Tempolimit 70 auf Dauer auch tatsächlich eingehalten wird, können die Behörden nicht garantieren. Denn die Zuger Polizei kontrolliert gerade diesen «Verkehrs-Hotspot» mit ihren mobilen Radarblitzern selten bis gar nicht: Weil praktikable Zufahrten für Transport und Montage der Messanlage zu dieser Stelle fehlen. Eine fast schon kurios anmutende Realität – macht die Zuger Polizei doch ansonsten an vielen anderen Orten an der Autobahn Radarkontrollen. Warum also stellt man an diesem echten Unfallschwerpunkt nicht einen «Blechpolizisten» auf? Dann wäre schnell garantiert, dass etwa wie vor Luzern auf der Autobahn Autofahrer, wohl wissend um das teuer strafende Auge des Gesetzes, in seltsamer Eintracht abgebremst dahingleiten.

«Durch die Neusignalisation und die Temporeduktion erhoffen wir uns weniger Unfälle im Bereich der Blegikurve», sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei. Damit sei das Ziel der Verkehrssicherheit erreicht. Punktuell und mit verschiedenen Messsystemen kontrolliere man die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit auf dem ganzen Zuger Autobahnnetz. Aklin: «Aufgrund der Zuständigkeit für die Autobahn müsste der Bund darüber entscheiden, ob er eine Festanlage im Bereich Blegi planen, finanzieren und installieren will. Betreiben würde die Anlage die Zuger Polizei dann im Auftrag des Bundes.»

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