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ZUG: Pflegeheime im Kanton Zug werden teurer

Die Gemeinden streichen einen Teil ihrer Beiträge an Pflegezentren. Auf Kosten der Senioren.
Christian Glaus
Im Kanton Zug werden Pflegeheime teurer. (Bild: Keystone)

Im Kanton Zug werden Pflegeheime teurer. (Bild: Keystone)

Den unangenehmen Brief haben die Bewohner des Pflegezentrums Ennetsee vor zwei Wochen erhalten. Die Chamer Einrichtung informierte darin, dass der gemeindliche Beitrag an die Wohnkosten per 2014 gestrichen wird. 20 Franken pro Tag zahlte die Gemeinde bisher an die sogenannte Pensionstaxe. Das macht 600 Franken im Monat oder 7200 Franken im Jahr. Für die Senioren stellt die Streichung eine massive Mehrbelastung dar.

Hintergrund ist die neue Spitalfinanzierung, die 2012 mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft trat. Neben der Einführung von Fallpauschalen an den Spitälern wird damit auch die Finanzierung jener Pflegezentren neu geregelt, die einen regionalen Leistungsauftrag hatten. Das sind die Pflegezentren Ennetsee in Cham, Neustadt in Zug, Luegeten in Menzingen und das Pflegezentrum Baar. Bisher beteiligte sich der Kanton mit 60 Prozent an den Infrastrukturkosten, die Gemeinden mit 40 Prozent. Ab nächstem Jahr gelten nun für alle Pflegezentren die gleichen Bedingungen, erklärt Kerstin Borek, Leiterin Soziales und Gesundheit von Cham: «Die gesetzliche Grundlage für die Verrechnung von Infrastrukturkosten an Kanton und Gemeinden entfällt.» Die Gemeinden müssten Änderungen bei der Tarifstruktur gemeinsam umsetzen.

Spezialregelung in Menzingen

Je nach Gemeinde wirkt sich der Anstieg für die Pflegebedürftigen unterschiedlich aus: Im Pflegezentrum Ennetsee sind es 20 Franken pro Tag und im Pflegezentrum Baar 19 Franken. Deutlich moderater steigen die Kosten in Menzingen: Weil der gemeindliche Beitrag von 15 Franken wegfällt, hat der Gemeinderat dem Volk 192 000 Franken für eine Übergangsfinanzierung beantragt. Somit dürfte die Pensionstaxe fast unverändert bleiben. In der Stadt Zug beträgt der Anstieg 5 bis 6 Franken pro Tag und Bewohner. «Wir erhöhen die Tarife schrittweise, damit sich dies nicht so stark auswirkt», erklärt Sozialvorsteher Andreas Bossard, der gleichzeitig Mitglied im Stiftungsrat der Alterszentren Zug ist. In Zug werde eine Mischrechnung für alle vier städtischen Heime gemacht. Deshalb wird die Pensionstaxe auch in allen Heimen leicht erhöht. Für Bossard ist es wichtig, dass auch die finanzschwachen Senioren den Aufenthalt im Pflegezentrum mit der AHV und den Ergänzungsleistungen finanzieren können. «Sonst rutschen sie in die Sozialhilfe ab. Das wollen wir nicht.»
Künftig werden mehr Pflegebedürftige auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein. Darin sind sich die Verantwortlichen bei Gemeinden und Kanton einig. Die Ergänzungsleistungen zu AHV und IV helfen dort, wo die Renten nicht die minimalen Lebenskosten decken. Das heisst: Wer Geld auf der hohen Kante hat, muss die höheren Tarife selber berappen. Wer nichts auf die Seite legen konnte, erhält nun Geld vom Staat.

Ärger bei Angehörigen

«Ich finde es schlimm, dass die Gemeinden nun in die Ausgleichskasse greifen», sagt der Chamer Toni Kleimann. Er gehört zu einer Gruppe von Angehörigen, die Verwandte im Pflegezentrum Ennetsee haben und mit der Änderung nicht einverstanden sind. Sie haben gemeinsam einen Leserbrief zum Thema verfasst.
Bei der Ausgleichskasse Zug ist man darauf vorbereitet, dass nächstes Jahr mehr Senioren auf ihre Hilfe angewiesen sind. Die Pflegebedürftigen werden Anfang Jahr aufgefordert, die neuen Tarife anzugeben. Darauf wird der Anspruch auf Ergänzungsleistungen individuell geprüft. «Erst im Frühling kann eine Angabe darüber gemacht werden, inwiefern sich die veränderten Pflegekosten auf die Ergänzungsleistungen auswirken», so Mediensprecherin Livia Sturm.

Gemeinden suchen Lösung

Das neue Finanzierungsmodell für die Pflegezentren sei nur von kurzer Dauer, betont die Baarer Sozialvorsteherin Berty Zeiter. Sie ist Präsidentin der Kommission Langzeitpflege, die im Auftrag der Zuger Gemeinden das neue Spitalgesetz umsetzt. «Es handelt sich um eine Übergangslösung, der die Gemeinden im Frühling zugestimmt haben. Wir sind nun dabei, eine neue Lösung für alle Heime auszuarbeiten.» Das Projekt nennt sich «Taxtool 2016». Es soll in den nächsten ein bis zwei Jahren im komplexen Tarifsystem Klarheit schaffen. Das sei nicht schneller möglich, sagt Berty Zeiter: «Die Gemeinden hatten für die Einführung der neuen Spitalfinanzierung eine Übergangsfrist von drei Jahren beantragt. Der Kantonsrat hat diese aber auf zwei Jahre gekürzt.» Trotz der zwischenzeitlichen Mehrbelastung seien die Kosten für Pflegebedürftige im Kanton Zug vergleichsweise tief, betont Berty Zeiter: «Die Gemeinden beteiligen sich überdurchschnittlich stark.»

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