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Zug: Pilze sind ihre Leidenschaft

Seit 1936 hat sich der Verein für Pilzkunde Zug und Umgebung dem Zauber der Mykologie verschrieben.
Nils Rogenmoser
Beat Zimmer (Mitte) mit Mitgliedern des Vereins Pilzkunde Zug. Bild: Maria Schmid (Zug, 16. September 2019)

Beat Zimmer (Mitte) mit Mitgliedern des Vereins Pilzkunde Zug. Bild: Maria Schmid (Zug, 16. September 2019)

Das grösste Lebewesen der Welt ist weder ein Walfisch noch ein Mammutbaum, sondern der unscheinbare Hallimasch-Pilz. Über eine Fläche von neun Quadratkilometern erstreckt sich sein unterirdisches Myzel im Erdboden. Auch erstaunlich ist die Tatsache, dass zwei der bekanntesten Pilzarten – der giftige Fliegenpilz und der geniessbare Steinpilz – nicht selten direkt nebeneinander anzutreffen sind. Dies ist keineswegs dem Zufall, als vielmehr dem Wurzelwerk Mykorrhiza zu verdanken – beide Pilze gehen nämlich eine Symbiose mit den gleichen Bäumen ein.

Die Mykologie (Wissenschaft der Pilze) ist ein gleichwohl anspruchsvolles wie auch mitreissend spannendes Themengebiet. «Wenn mich Sammler als Pilzkontrolleur um eine Bestimmung bitten, frage ich zuerst, welche Bäume am Fundort waren. Die Pilze sind nämlich eng ins ökologische System des Waldes verflochten», erklärt Jürg Rothenbühler, Obmann der Technischen Kommission des Pilzvereins Zug.

Die Faszination der Pilze sei vielseitig, so Rothenbühler weiter: «Einer der besten Pilzkenner sagte mir einmal, dass man in diesem Metier nie ausgelernt hat, was durchaus stimmt. Auch nach 35 Jahren in den gleichen Wäldern, lerne ich stets neues dazu. Schön ist, dass Leute aus sämtlichen Schichten – vom Professor bis zum Handwerker – beim gemeinsamen Pilzsuchen zusammenkommen.»

Exkursionen und Pilzbestimmungsabende

Aus den Chroniken geht hervor, dass die Vereinsgründung im Jahr 1936 auf dem Zugerberg erfolgt ist. Noch heute wird der Schutz der Pilzflora sowie die Förderung der Pilzkunde, die Verhütung von Pilzvergiftungen und die Pflege der Geselligkeit als Vereinszweck verfolgt. Die Bevölkerung schätzt das jährliche öffentliche Pilzrisotto-Essen im Horbach mit einer anschaulichen Ausstellung, welches eine jahrzehntelange Tradition geniesst. Ruth Bucher-Lorenzi ist Co-Präsidentin und erläutert einige Bereiche ihrer Arbeit: «Wir organisieren rege genutzte Exkursionen sowie Pilzbestimmungsabende, welche das Herzstück unserer Vereinsarbeit darstellen.» Dort sind sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene eingeladen, Pilze anhand von Mikroskopen und Fachliteratur gemeinsam zu bestimmen. «An meiner Tätigkeit schätze ich die Abwechslung – so führen wir etwa regelmässig Exkursionen mit Schulklassen oder interessierten Organisationen durch oder liefern Untersuchungsmaterial für Universitätsstudien.»

Besonders stolz sei man im Verein darauf, dass man professionell betreuend Pilz-Kontrolleure auf ihre Prüfung vorbereite, so Bucher-Lorenzi abschliessend. Die Stimmung im Verein sei im Allgemeinen toll, findet Rothenbühler: «Mitglieder im Alter von anfangs 30 Jahren bis ins hohe Alter sind vertreten. Wir freuen uns stets über Neumitglieder und bemühen uns, das Interesse für die Pilzkunde auch bei jüngeren Generationen zu wecken.»

Pilzkontrollen sind unerlässlich

Rothenbühler verrät die Grundlagen, die Anfänger auf der Pilzsuche zu befolgen haben: «Man dreht die Pilze sorgfältig aus, um das Myzel nicht zu beschädigen, und sammelt die Pilze anschliessend in einem Körbchen oder Netz. Zu junge oder zu alte Exemplare lässt man lieber stehen – als Faustregel rate ich Sammlern, sich zu überlegen, ob man an einem Marktstand zugreifen würde.» Unerlässlich sei der Besuch einer kantonalen Pilzkontrollstelle, da bei nicht wenigen Speisepilzen Verwechslungsgefahr mit einem ungeniessbaren oder sogar giftigen Doppelgänger besteht: «Um alle Merkmale eindeutig zu bestimmen, muss dieser immer ganz mitgenommen werden.»

Ein Ausflug in den Wald lohnt sich momentan nicht nur wegen der Herbststimmung: «Der erste Schub von Steinpilzen kam mit Ende Sommer schon sehr früh und heuer hat es auffallend viele Eierschwämme in den lokalen Wäldern. Die Hauptsaison dauert von Ende August bis Ende Oktober.» Echte Pilzkenner fänden aber sogar das ganze Jahr über Speisepilze, erläutert Rothenbühler mit einem Schmunzeln.

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