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ZUG: Polizei fährt mit amerikanischem Blaulicht

In den Garagen der Verkehrsbetriebe werden nicht nur Busse und die Fahrzeuge der Zuger Polizei ausgerüstet. Korps aus der ganzen Schweiz sind Kunden – ein Besuch.
Wolfgang Holz
Mit diesem Auto werden in Zug keine Verbrecher gejagt: Es dient der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) als Demofahrzeug. Im Bild: Reto Filli, Bereichs- und Serviceleiter Mercedes bei der ZVB. (Bild Werner Schelbert)

Mit diesem Auto werden in Zug keine Verbrecher gejagt: Es dient der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) als Demofahrzeug. Im Bild: Reto Filli, Bereichs- und Serviceleiter Mercedes bei der ZVB. (Bild Werner Schelbert)

Hoppla, da ist ja die Polizei im Rückspiegel! Schnell runter vom Gas. Aufrecht sitzen. Ein Lächeln aufsetzen. Aber: Das ist ja gar nicht die Zuger Polizei – die fährt doch Volkswagen, oder nicht?

Leistet sich der Kanton Zug trotz knapper Kassen nun plötzlich neue Mercedes-Streifenwagen?, geht einem durch den Kopf. Das Rätsel löst sich jedoch schnell auf. Als der Polizei-Mercedes an der Ampel die andere Spur nimmt und früher Grün erhält, sieht man am Heck des Kombis den Aufdruck «Testcar» vorbeihuschen.

70 Autos pro Jahr werden geprüft

Überraschend und beeindruckend ist es trotzdem, dass die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) in ihren Garagen an der General-Guisan-Strasse in Zug nicht nur ihre rund 100 Busse für den Linienverkehr warten und reparieren und dort auch die 90 Polizeifahrzeuge für die Zuger Polizei dienstgerecht aufrüsten. Nein, die ZVB bieten auch für zahlreiche auswärtige Polizeikorps in der ganzen Schweiz seit gut 15 Jahren den Service für Fahrzeugum- und -ausbauten an. Der erspähte «Polizei-Mercedes» der C-Klasse gehört nämlich den ZVB und dient als Fahrzeug zu Zwecken der Demonstration.

Übrigens: Auch Feuerwehren und Rettungsdienste aus der ganzen Schweiz werden zum selben Zweck in den ZVB-Garagen vorstellig. Rund 70 Fahrzeuge pro Jahr werden auf diese Weise einsatzbereit ausgestattet beziehungsweise geprüft. «Die Fahrzeuge, die wir hier um- oder ausbauen, haben maximal ein Gewicht von bis zu 5 Tonnen», sagt Reto Filli, Bereichs- und Serviceleiter von Mercedes bei den Zugerland Verkehrsbetrieben. Die Werkstätten der Verkehrsbetriebe operieren nämlich seit über 50 Jahren auch als offizielle Servicevertretung für Mercedes-Nutzfahrzeuge.

Grösste Kunden sind Polizeikorps

Mechaniker Florim Aliji montiert gerade die Elektronik in das Einsatzleiterfahrzeug der Feuerwehr Ebikon. «Die Arbeit macht Spass, weil sie sehr anspruchsvoll und bei jedem Fahrzeug anders ist», sagt er. Auch Notarztwagen werden bei den Zugerland Verkehrsbetrieben bestückt.

Doch zurück zu den Polizeiautos. «Die Polizeikorps machen sicher den grössten Anteil der Kunden aus», sagt Reto Filli. Will heissen: Die ZVB erhalten jeweils das «nackte» Auto angeliefert, und in Zug werden diese dann in die jeweils gewünschten Einsatzfahrzeuge verwandelt. «Das Ausrüstungspaket für Polizeiautos reicht dabei etwa von 18 000 bis gut 40 000 Franken», erklärt der Bereichsleiter. Ein lukratives Geschäft für die ZVB also, versorgen diese doch inzwischen insgesamt 40 Prozent auswärtige Kunden in ihren Hallen.

Nur ein halbes Dutzend Anbieter

Reto Filli sagt: «Die Autohersteller machen diesen Job nicht immer selbst.» Nur sechs oder sieben solche Anbieter gebe es in der Schweiz. In Zug hat neulich beispielsweise die Kantonspolizei Jura ihre Fahrzeuge ausstatten lassen.

Auch die Polizeien aus dem Aargau, aus Zürich und Nidwalden zählen zu den Stammkunden der ZVB. Wobei unter den verschiedenen Polizeikorps so richtig der Kantönligeist herrscht.

Denn jede Polizei hat ihre eigenen Vorstellungen – und natürlich auch ihre eigenen Budgets – von der Art und Weise, wie die Einsatzfahrzeuge beklebt und beschriftet werden. Die Unterschiede zeigen sich etwa, wie die Botschaften «Polizei» oder «Stop» aufleuchten und welche Sirenen ertönen sollen. Und natürlich, welches Blaulicht vom Dach blinkt.

Licht wie im Krimi

«Wir von den ZVB verwenden amerikanische Blaulichtbalken, weil das die besten sind», sagt Reto Filli und schaltet zur Kostprobe mal den «Justice Super LED» auf dem Mercedes-Testcar ein, der wie eine Lichtorgel den optischen «Overkill» liefert. Es gibt auch noch den Blaulichtbalken «Liberty Super LED». Man könne natürlich auch «nur die 0815-‹Kojak-Leuchte› einbauen», sagt der ZVB-Mitarbeiter und meint damit jene mobile Leuchte, die sich die Polizei jeweils im Krimi aufs Dach schnallt, wenns schnell gehen muss – wie in den Strassen von Manhattan eben.

Dass in der Schweiz bei den Polizeikorps amerikanisches und nicht etwa deutsches Blaulicht blinkt, hat laut Reto Filli auch einen ganz praktischen Grund. «Die amerikanischen Blaulichtbalken sind flacher, und man bleibt damit nicht so leicht an Tiefgarageneinfahrten hängen», sagt er.

Wolfgang Holz

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