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ZUG: Postagenturen ächzen unter der Paketlast

Ab nächstem Jahr wird die Postagentur in Hünenberg See von der Gemeinde finanziell unterstützt. Der Betreiber wollte diese wegen des zu grossen Aufwands schliessen. Auch andere Agenturbetreiber reden von Mehraufwand. Die Post sieht keinen Handlungsbedarf.
Christopher Gilb
Wer in Inwil künftig ein Paket aufgeben will, muss dies ab Sommer im Volg machen. (Symbolbild Neue LZ)

Wer in Inwil künftig ein Paket aufgeben will, muss dies ab Sommer im Volg machen. (Symbolbild Neue LZ)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Es habe sie schon überrascht, als sie davon gehört habe, dass die Postagentur im Creabeck in Hünenberg See von der Gemeinde subventioniert werde, sagt Anna Staub. Sie ist Inhaberin der Bäckerei Staub, welche die Agentur in Neuheim betreibt. «Das wäre hier schwierig.» Wie sie wisse, gebe es für einen solchen Fall ­einen anderen Interessenten im Dorf.

In Hünenberg See gab es diesen nicht. Die Creabeck AG hatte mitgeteilt, dass der Betrieb der dortigen Postagentur für sie zu aufwendig werde. Die Bäckerei hat an sieben Tagen die Woche geöffnet, und gerade am Sonntag werde man von Kunden mit Zalando-Paketen überrannt. Die Post habe aber weder eine Reduktion der Öffnungszeiten noch einer höheren Vergütung zugestimmt. Nachdem die Gemeinde keine Alternative fand, entschied sie, die Agentur bis maximal 2020 jährlich mit 12000 Franken zu unterstützen. Zwar nahm die Gemeindeversammlung dies an. Es kam aber quer durch die politische Landschaft dagegen grundsätzliche Kritik auf. Im Kern hiess es, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sei, den Service public querzufinanzieren. Wirklich rentabel sei der Betrieb ihrer Agentur nicht», sagt die Bäckerin Anna Staub. «Es schaut etwas dabei raus, aber wenig.» Auch bei ihr haben die Paketsendungen stark zugenommen. «Die Kunden kommen rein, geben das Zalando-Paket ab und gehen wieder raus», so Staub. Kaufen würden solche Kunden meist nichts. Und trotzdem sei jedes Mal der Aufwand da, eine Quittung auszustellen. Sie erwähnt auch den Personalaufwand. «Ohne Agentur könnten wir unter der Woche auch mal zu zweit arbeiten, mit der Agentur braucht’s mehr.» Die Bäckerei Staub hat zwar nicht wie der Creabeck am Sonntag geöffnet, ist aber an den restlichen Tagen bereits ab 6.30 Uhr geöffnet.

Volg-Gruppe will Gespräch mit Post suchen

Die Landi Zugerland betreibt die Volg-Läden in Allenwinden und Hagendorn, in denen sich Postagenturen befinden. «Die Postagentur in Allenwinden gibt es jetzt bereits seit zehn Jahren, und wir analysieren regelmässig den Aufwand dort», sagt Hans Bellmont, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Zugerland. «Der Aufwand hat sich über die Jahre deutlich erhöht.» Auch hier vor allem wegen der Paketsendungen durch den Online-Handel. Auch die beiden Volg-Läden haben attraktive Öffnungszeiten. Sie haben von 7 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. «Dies ist natürlich für die Post ein Vorteil», sagt Bellmont. Bringe aber eben das Problem mit sich, dass dann immer das nötige Personal da sein müsste. Es gebe Absichten, sich bezüglich der Konditionen mit der Post zu unterhalten, so Bellmont. Dies übernehme aber die Volg-Gruppe als Ganze. Grundsätzlich sei die Postagentur in den Volg-Läden aber etwas Gutes. «Nicht jeder, der diese benutzt, wird auch ein Volg-Kunde, aber es trägt dazu bei, dass der Volg im Dorf ein vielfältiges Angebot abdecken kann.» Eine Unterstützung der Gemeinde sieht er eher kritisch. «Das muss die Post übernehmen, und zwar mit einer Entschädigung, die dem Aufwand gerecht wird.»

Pakete müssen ans andre Ende des Ladens

Insgesamt sechs Postagenturen gibt es derzeit im Kanton Zug. Aus den Plänen der Post lässt sich schliessen, dass es noch mehr werden könnten. Auch der Spar in Walchwil betreibt eine Postagentur. Gerade in den letzten zwei Wochen habe durchs Weihnachtsgeschäft der Aufwand mit den Paketen deutlich zugenommen, sagt Marktleiterin Sema Aksin. «Und da sich das Lager am anderen Ende des Marktes befindet, ist dies immer mit Aufwand verbunden.» Man habe eben nur gewisse Mitarbeiterkapazitäten dafür zur Verfügung. Und wenn es dann noch um die Bearbeitung von Reklamationen von Sendungen oder die Erstreckung der Abholfrist gehe, werde es eng. Viele Postagenturen im Kanton haben also ähnliche Probleme wie jene in Hünenberg See. Aus Sicht des Zuger Volkswirtschaftsdirektors Matthias Michel dürfte die dor­tige Lösung aber nur eine Übergangslösung sein. «Ich hoffe, dass dies ein Einzelfall bleiben wird, es muss gelingen, dass vertraglich zwischen Post und Agentur eine marktwirtschaftliche Lösung gefunden wird ohne Subvention durch Steuern.» Der Regierungsrat führe regelmässig Gespräche mit der Post zur ak­tuellen und geplanten Poststellensituation. Michel verweist auf ein kantons­rätliches Postulat, in dem der Regierungsrat beauftragt wird, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass die Zuger Bevölkerung auch in Zukunft über ein flächendeckendes, leistungsfähiges Poststellennetz verfügt. «Dies haben wir der Post umgehend bekanntgemacht und eine Besprechung verlangt. Wir greifen aber den Gemeinden nicht vor: Diese kennen die lokalen Bedürfnisse und verhandeln gegebenenfalls direkt mit der Post.»

Post gegen kürzere Öffnungszeiten

Die Post schreibt auf Nachfrage, dass ihr ein vergleichbarer Fall wie in Hünenberg See nicht bekannt sei. «Die Entschädigungen an Filialen mit Partner setzen sich aus einem fixen und einem umsatzorientierten Betrag zusammen», so Post-Sprecher Markus Flückiger. «Diese Entschädigungen tragen deren Aufwand Rechnung.» Die Post sei zudem immer bereit, die Partner mit Verbesserungen in logistischer Sicht zu unterstützen. Dies habe man auch dem Creabeck in Form einer Übergabebox in Aussicht gestellt. «Nach der Vertragskündigung der Bäckerei haben wir nach Alternativen gesucht, sei es bezüglich Agenturpartner, sei es bezüglich Hausservice. Aufgrund der Tatsache, dass die Kündigung zurückgezogen wurde, wurde die Suche nicht weitergeführt.» Davon, dass die Gemeinde Hünenberg den Postagenturnehmer in Hünenberg See finanziell unterstützt, habe die Post vorgängig keine Kenntnis gehabt, und sie sei auch nicht involviert. Und wieso war keine Reduktion der Öffnungszeiten möglich? «Grundsätzlich gilt für alle Partner, die Postfilialen beherbergen, dass diese dieselben Öffnungszeiten haben wie die entsprechenden Geschäfte», so Flückiger. Dies sei kundenfreundlich, weil sich so Diskussionen vermeiden liessen, etwa warum trotz offener Geschäfte keine Sendungen aufgegeben werden könne.

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