ZUG: Postplatz: Hat das Parlament richtig gehandelt?

Der Grosse Gemeinderat hat den Kredit für den Umbau und die Sanierung des unteren Postplatzes versenkt. Eine Chance oder schlicht und einfach Salamitaktik?

Charly Keiser
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Der Postplatz in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Februar 2017))

Der Postplatz in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Februar 2017))

PRO

Das Zuger Stadtparlament hat mit seinem Nein mit 18 zu 16 Stimmen zum Bau- und Planungskredit von 1,3 Millionen Franken für die Sanierung des unteren Postplatzes klug gehandelt. Denn damit ist der Weg frei für ein besseres Projekt, das der Postplatz dringend nötig und auch verdient hat.

Die Panikmache der Befürworter vor einer Blockadepolitik und Nulllösung war wohl eher kontraproduktiv. Vielmehr hat es der Stadtrat einmal mehr verpasst, die Parteien und Betroffenen ins Boot zu holen.

Natürlich geht es vielen Gemeinderäten darum, die Parkplätze zu erhalten. Doch diese Option steht gar nicht mehr zur Verfügung. Denn mit der Eröffnung des neuen Parkhauses neben der alten Hauptpost werden und müssen alle oberirdischen Parkplätze auf dem Postplatz aufgehoben werden.

Ideen gibt es sicher viele. Und ganz bestimmt auch solche, die einen attraktiven Platz möglich machen. Das zurückgewiesene Vorhaben war ideenlos, blutleer und «sauteuer». Kein Wunder hat es die Hürde im Parlament nicht geschafft.

Warum zum Beispiel nicht das Gefälle des Platzes ausnützen, um einen schönen Kioskbau plus überdachte Taxi- und Behinderten-Parkplätze zu erstellen? Im Gegenzug könnten anderswo weitere oberirdische Parkplätze aufgehoben werden. Warum nicht die zwei grauslichen Platanen fällen und mit heimischen Bäumen und Pflanzen eine grüne Oase schaffen?

Das Nein des Parlaments wird hoffentlich zum Glücksfall für den Platz und uns Zuger.

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

CONTRA

Es war von Anfang an klar, dass es der Bau- und Planungskredit für den unteren Postplatz im Stadtparlament schwer haben würde. Dabei ging es für einmal in erster Linie nicht ums Geld. Vielmehr wurden die Interessen der Gewerbetreibenden rund um den Postplatz in den Ratssaal getragen. Denn sie fürchten mit dem Verschwinden der oberirdischen Parkplätze um ihre Existenz. Das äusserten mehrere Seiten bereits gegenüber unserer Zeitung, und auch die Petition gegen die Aufhebung der Parkplätze ist Ausdruck dieser Besorgnis.

Doch dieser Einwand kommt viel zu spät. Denn die Aufhebung der Parkplätze ist seit der Volksabstimmung im Jahr 2008 beschlossene Sache. Daran ändert nun auch das Nein des Parlaments zum Kredit nichts mehr. Hoffentlich zumindest. Ich persönlich bin nämlich überzeugt, dass das Nein aus dem bürgerlichen Lager allein der Aufhebung der Parkplätze geschuldet ist und ein attraktiveres Projekt für den Platz erst an zweiter Stelle kommt. Denn konkrete Gestaltungswünsche wurden in der Debatte kaum genannt.

Dass Politiker die Interessen ihrer Wähler vertreten, ist richtig. Einen Kredit zu versenken, um so in einer anderen – wohl verstanden vom Volk beschlossenen – Sache Druck aufzubauen, ist hingegen pure Salamitaktik.

Das Nein des Parlaments hat zu einer «Nulllösung» geführt, wie es Stadtpräsident Dolfi Müller bezeichnet. Es bleibt zu hoffen, dass der Stadtrat das Vorgehen nicht belohnt und in Sachen Parkplätzen nicht noch einknickt.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch