ZUG: Prinz Charly I. proklamiert die «Sonderusgab»

Als Journalist führt Charly Keiser eine spitze Feder. Als Letzibuzäli-Monarch steht er nun selbst im Rampenlicht.

Martin Mühlebach
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Der Gruss vom Thron: Prinz Charly I. und seine holden Prinzessinnen Emanuela Schädler und Ehefrau Ursula (links). (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Der Gruss vom Thron: Prinz Charly I. und seine holden Prinzessinnen Emanuela Schädler und Ehefrau Ursula (links). (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Am Samstagabend liess Stadtrat André Wicki, der als Prinz André I. der Letzibuzäli-Fasnacht letztes Jahr den Stempel aufgedrückt hat, seine Regentschaft nochmals Revue passieren. Er pickte mehrere Highlights heraus und betonte immer wieder: «Ich kann doch jetzt nicht einfach zurücktreten.» Sein verzweifelter Versuch, im hohen Amt zu bleiben, nützte nichts. Zunftmeister Richard «Richi» Rüegg machte Prinz André I. unmissverständlich klar, dass er nun endgültig ins Glied der Alt-Prinzen zurückzutreten habe.

Charly Keiser Zepter übergeben

Kurz darauf wurde dem allseits bekannten Zuger Journalisten Charly Keiser die Prinzenplakette umgehängt und das Zepter übergeben, ehe ihn Zunftmeister Richard Rüegg mit dem Schwert zum Prinzen Charly I. schlug. Flankiert von seinen holden Prinzessinnen, seiner Ehefrau Ursula und Emanuela Schädler, sass er bolzengerade auf dem Letzibuzälithron, als er die zahlreichen Huldigungen entgegennahm. Als er zum x-ten Mal mit einer Packung Stocki beschenkt wurde, merkte Charly I., welch gravierende Auswirkungen das geschriebene Wort haben kann.

Im Fasiführer 2013 der Letzibuzäli-Zunft bezeichnet er «Härdöpfelstock mit Seeli» als sein Lieblingsessen. «Ich hätte selbst gemachter Härdöpfelstock schreiben müssen», sagte Prinz Charly I. hinterher. Im selben Atemzug meinte er: «Ich lerne nun halt die Kehrseite der Medaille kennen. Normalerweise schreibe ich über andere, nun wird über mich geschrieben.» Aber damit könne er gut leben, schob er nach.

«Zum Prinzen degradiert»

In seiner Thronrede betonte Charly I.: «Mein Motto lautet kurz und bündig: Sonderusgab.» Es solle eine einmalige und einzigartige Fasnacht geben, zumal die Letzibuzäli-Zunft ihr 30-Jahr-Jubiläum begehe. Zudem sei er erst der dritte Zuger Indianer – oder Korporationsbürger, wie man sie offiziell nenne, dem die Ehre widerfahre, auf dem Letzi­buzäli-Thron sitzen zu dürfen. Mit einem breiten Lachen fügte er hinzu: «Und schliesslich ist es das erste Mal, dass sich ein Keiser zum Prinzen degradieren lässt.» Dass sich der echte Kaiser mit einem a und nicht mit einem e schreibt, tut nichts zur Sache. Es ist kaum anzunehmen, dass Charly I. die unterlassene journalistische Sorgfaltspflicht diesbezüglich ähnlich drastische Folgen beschert, wie die Unterlassung der genauen Bezeichnung seines Lieblingsessens.

«Genug geblufft»

Um sein Motto «Sonderusgab» zu untermauern, recherchierte Charly I., welch bedeutende Ereignisse zuvor an einem 12. Februar, an dem er zum Letzibuzäli-Prinzen geschlagen wurde, stattgefunden haben. Obschon es sich zum Teil um weltbewegende Ereignisse handelte, fragte Charly I. kühn: «Was ist das schon, gegen eine Inthronisation der Letzibuzäli?» Es stimme doch, dass das Fasnachtsmotto, die Plakette und die Prinzessinnen und auch der Prinz in diesem Jahr besonders seien. «Genug geblufft», sagt er und gelobt, «Ich will annähernd so gut regieren, wie es André I. im vergangenen Amtsjahr getan hat.»