ZUG: Pro Senectute verzichtet auf Beistandschaften

Das neue Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz stellt hohe Anforderungen an die Führung von Beistandschaften. Die Pro Senectute des Kantons Zug sieht sich nicht mehr in der Lage, diese zu erfüllen. Sie will deshalb die Führung dieser gesetzlichen Mandate schrittweise bis Ende Jahr abgeben.

Merken
Drucken
Teilen

Neben Sozialkompetenz, einem gesunden Menschenverstand und administrativen Fähigkeiten seien heute für die Führung gesetzlicher Beistandschaften Spezialwissen im Sozialversicherungsbereich sowie in der Finanz- und Vermögensverwaltung gefragt, schreibt die Pro Senectute Zug in einer Mitteilung vom Montag.

«Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig rentabel arbeiten zu können, müssten wir ein Kompetenzzentrum mit mindestens 200 Beistandschaften führen», sagte Gabriele Plüss, Geschäftsleiterin der Pro Senectute Zug gegenüber der sda. Da dies jedoch nicht möglich sei, wolle die Organisation künftig auf dieses Tätigkeitsfeld verzichten.

Mit dem neuen Gesetz sei vieles unbefriedigend geworden, sagte Plüss weiter. «Man hat immer weniger Zeit für die Klienten selber.» Das Gesetz auferlegt der Pro Senectute etwa ein sehr enges Korsett an Stunden, welche für die Betroffenen aufgewendet werden dürfen.

Weniger Beistandschaften durch mehr Unterstützung

Die Pro Senectute Zug sieht ihren Schwerpunkt in Zukunft deshalb in der Sozialberatung und in der Prävention. «Wir wollen die älteren Menschen mit unseren Dienstleistungen so gut betreuen, dass sie gar keine Beistandschaften mehr benötigen», sagte Plüss.

So sollen etwa in den Bereichen Beratung, Rentenverwaltung oder auch bei der administrativen Hilfe die Angebote noch verbessert und ausgebaut werden. Damit will die Organisation «vielen älteren Menschen ihr Selbstbestimmungsrecht lassen und die teuren gesetzlichen Beistandschaften vermeiden», wie sie schreibt.

Übernehmen sollen die Beistandschaften im Kanton Zug die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB). Sie müssen gemäss Plüss die Fälle entweder selber betreuen oder private Mandatsträger suchen. «Dies braucht viel Zeit», sagte die Geschäftsleiterin. Die Pro Senectute Zug betreute im vergangenen Jahr 80 Beistandschaften. (sda)