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Interview

Rahel Hug: «Es gibt eigentlich kein Thema, das nicht interessant ist»

Rahel Hug ist vor viereinhalb Jahren bei der «Zuger Zeitung» eingestellt worden. Nach nur zwei Jahren hat sie die Leitung des Ressorts Gemeinden übernommen. Die 28-jährige Luzernerin ist ein Papierfan und bezeichnet sich als analogen Menschen.
Roger Rüegger
Rahel Hug (28) ist stellvertretende Chefredaktorin der «Zuger Zeitung». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 29. Dezember 2017))

Rahel Hug (28) ist stellvertretende Chefredaktorin der «Zuger Zeitung». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 29. Dezember 2017))

Rahel Hug, Sie sind in Luzern geboren, besuchten die Schule in der Stadt und waren auch viele Jahre engagierte Pfaderin. Bis vor wenigen Monaten wohnten Sie auch am Vierwaldstättersee. Beruflich sind Sie jedoch bei der «Zuger Zeitung» zu Hause. Weshalb?

Durch Zufall. Es war zum richtigen Zeitpunkt eine Stelle frei. In die Redaktion der «Zuger Zeitung» rutschte ich praktisch rein.

Wie rutscht man in eine Redaktion? Und wieso tut dies eine Luzernerin in Zug?

In der Redaktion der «Luzerner Zeitung» im Maihof absolvierte ich ein zweimonatiges Praktikum und war einige Zeit als freie Mitarbeiterin tätig. Später bewarb ich mich blind, also ohne dass eine Stelle ausgeschrieben war. Offenbar wurde mein Dossier nach Zug weitergeleitet, denn eines Tages lud mich der damalige Chefredaktor der «Zuger Zeitung» zu einem Gespräch ein.

Welches nach Ihrem Gusto verlief, wie es scheint.

Ja, ich wurde von einem starken Team aufgenommen. Das Ressort Gemeinden war für mich ideal.

Das war vor viereinhalb Jahren. Die Arbeit in Zug scheint Spass zu machen.

Riesig. Ich fühlte mich in der Zuger Redaktion sofort daheim.

Sie wurden schnell Ressortleiterin. Wie kam’s?

Nach meinen ersten zwei Jahren hörte der damalige Ressortleiter auf. Und ich wurde angefragt.

Haben Sie sofort zugesagt?

Ich überlegte es mir gut. Als Ressortleiterin übernimmt man Verantwortung und hat viel administrative Arbeiten zu erledigen. Zudem wollte ich, dass meine Work-Life-Balance stimmt.

Sie wirken ausgeglichen.

Ja, ich arbeite in einem 90-Prozent-Pensum. Das ist perfekt.

In der Zuger Redaktion fühlen Sie sich daheim. Dennoch wohnten Sie bis vor kurzem in Luzern.

Mit Luzern bin ich stark verbunden. Der Grossteil meiner Freunde und meine Familie leben in der Stadt. Leute, die ich aus der Kanti und aus der Pfadi kenne, kann ich jetzt nicht mehr ganz so spontan auf einen Kaffee treffen.

Ist Ihnen der Umzug aufs Land schwergefallen?

Ich bin ein Stadtmensch und konnte mir lange nicht vorstellen, nach Walchwil zu ziehen. Ich schätzte es zudem, nicht in der Region zu wohnen, in der ich arbeite. Es gab aber eine Gelegenheit, die mein Freund, der aus Walchwil stammt, und ich beim Schopf packen mussten.

Was hat Walchwil, was Luzern nicht hat?

Es ist sehr ruhig. Man stelle sich vor, am Abend im Bett zu liegen und kein Auto zu hören. Das kannte ich aus Luzern nicht. Zudem gefällt mir das Ländliche. Man kennt viele Leute im Dorf und kommt auch in der Beiz beim Kafi schnell ins Gespräch. Für mich hat beides seinen Reiz.

So erfahren Sie, was die Leute bewegt. Auch wenn Sie lieber nicht in der Region arbeiten, in der Sie wohnen.

Auch hier gibt es zwei Seiten. Wenn ich mit meinem Freund in die Beiz gehe, bin ich nicht auf Storys aus. Die Gemeinde Walchwil betreue ich auch bewusst nicht. Natürlich haben wir Journalisten immer ein offenes Ohr, das gehört zu unserem Beruf.

Haben Sie Lieblingsthemen?

Generell finde ich es spannend, wie es in den Gemeinden zu- und hergeht. Gemeindeversammlungen haben für mich einen besonderen Reiz. Man ist nahe bei den Themen und den Leuten, es werden zum Teil wichtige Entscheide gefällt. Aber wir tragen bei der Berichterstattung auch grosse Verantwortung. Das liebe ich an dieser Arbeit: Wir berichten – und dies unter Zeitdruck. Für mich eine schöne Herausforderung.

Ihr Interesse an Politik ist offensichtlich. Ihnen haftet aber der Ruf an, eine Schwäche für seichte Unterhaltung wie «Bachelor» und Heidi Klums «Germany’s next Topmodel» zu haben. Ein Gerücht?

Diese Frage musste ja kommen. Ja, es stimmt. Zumindest haben wir in der WG in Luzern oft solche Sendungen geschaut. Die sind für einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher das perfekte Format, ohne dass man viel studieren muss. Bei unserer kopflastigen Arbeit tut das manchmal gut.

Sie haben den Zuger Bachelor interviewt. Ich nehme an, er schenkte Ihnen keine Rose?

Die Frage nach einem Intervie­wer stellte sich in der Redaktion nie. Allen war klar, dass Rahel den Bachelor treffen wird. Und nein, er schenkte mir keine Rose. Das ist gut so.

Kam der Mann so rüber wie am TV?

Er wirkte absolut authentisch und sympathisch. Ich hatte den Eindruck, dass er etwas nervös war, weil er an diesem Tag einen Interviewmarathon hinlegen musste. Ich bekam genau 20 Minuten für mein Interview. Hier würde ich noch gerne erwähnen, dass ich die neuen Staffeln nur noch sporadisch schaue. Und dass ich auch andere Fernsehsendungen mag, zum Beispiel Dokumentationen.

Wie sehr sind Sie noch mit Luzerner Themen vertraut?

Die Politik und das kulturelle Geschehen interessieren mich nach wie vor. Durch mein Engagement in Zug fehlt mir heute jedoch manchmal der Hintergrund.

Wie lesen Sie Zeitung?

Die «Zuger Zeitung» immer in Papierform. Auch eine Sonntags- oder Wochenzeitung oder ein Magazin muss ich in den Fingern spüren, das finde ich wichtig. Ich bezeichne mich gerne als analogen Menschen, aber natürlich verschliesse ich mich der neuen Technik nicht. Die Arbeit mit den Onlinemedien ist wichtig, und ein Smartphone besitze ich ebenfalls. Aber ich bin ein Papierfan.

Warum sind Sie Journalistin?

Weil das schon früh mein Traumberuf war, nach Tierärztin. Ich studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften. Heute würde ich einen direkteren Weg wählen. Ich war mir auch sicher, dass ich im Printbereich arbeiten will. Ich absolvierte ein Praktikum bei Radio Kanal K. Aber Radio war weniger mein Ding.

Wieso nicht?

Das Schreiben liegt mir einfach mehr. Ich lese gerne und ich erzähle gerne auf Papier, was ich erlebte. Es gibt eigentlich kein Thema, das nicht interessant ist. Und das Beste an unserem Job ist, dass wir uns die ganze Zeit neues Wissen aneignen.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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luzernerzeitung.ch/autoren

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