ZUG: Referendumsaufforderung gibt weiterhin Rätsel auf

Die Suche nach dem Urheber der mysteriösen Referendumsaufforderung mit dem Titel «Aussetzung Beförderungen 2018» geht weiter. Während die eine Spur vorerst im Sand verläuft, führt eine andere in ein Kellergeschoss in Zürich.

Livio Brandenberg und Christopher Gilb
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Symbolbild einer betrügerischen Email. (Bild: Keystone)

Symbolbild einer betrügerischen Email. (Bild: Keystone)

Livio Brandenberg und Christopher Gilb

redaktion@zugerzeitung.ch

Tag zwei nach dem Eintreffen des mysteriösen E-Mails, in dem anonym dazu aufgerufen wird, gegen das Sparpaket 2018 des Kantons Zug das Referendum zu ergreifen, und von dem keine der politischen Parteien im Kanton Zug etwas gewusst haben will (Ausgabe vom 5. Oktober): Unsere Zeitung erhält ein ebenfalls anonymes Mail. Darin wird eine Verbindung zwischen der Homepage des Referendums, die auf eine Adresse in Panama registriert wurde, und der E-Mail-Adresse einer Person hergestellt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Person gleichen Namens vor einigen Jahren ihren Dienst bei der Zuger Polizei begonnen habe. Und wer sich auf der Website des Referendums unter dem Menüpunkt «Die Wahrheit» die sogenannten Missstände in der Zuger Verwaltung anschaut, stellt schnell fest, dass einige der Fallbeispiele die Zuger Polizei betreffen.

Könnte dies also die Spur sein? Ein unzufriedener Kantonsmitarbeiter, der sich so Luft verschafft, weil er hätte befördert werden sollen und dies aufgrund der Sparmassnahmen nicht wird? Die besagte Person sagt deutlich Nein: «Nachdem ich den Zeitungsartikel gesehen habe, war mir klar, dass wohl in Kürze eine Anfrage bei mir landet», schreibt die Person hinter der besagten E-Mail-Adresse auf Anfrage. Bei ihm handle es sich aber eben nicht um den Inhaber der Seite, sondern um einen IT-Dienstleister, der Hostings anbiete. Was er auch belegen kann.

Ein Augenschein an der Triemlistrasse

Bei einem Hosting handelt es sich um einen digitalen Speicherplatz, und diesen habe der Inhaber der Seite von ihm erworben respektive gemietet, sagt der Mann. Er distanziere sich jedoch klar von der Referendumsaktion und habe nichts damit zu tun. Deshalb wolle er auch keine weiteren Angaben zu seiner Person machen.

Eine andere – nicht-virtuelle – Spur führt nach Zürich ins ­Triemli-Quartier. Denn die Unterschriftenbögen, die dem anonymen Mail angehängt waren und auch auf der Website runtergeladen werden können, sollen an den Empfänger «RK Beförderungen, c/o A. Vantaggiato» an der Triemlistrasse 149 gesendet werden. Am Wohnhaus an dieser Adresse, wenige hundert Meter vom Stadtspital Triemli entfernt, sind neun Briefkästen mit ebenso vielen Klingeln zu finden. Einer der Kästen ist mit dem Namensschild «A. Vantaggiato» beklebt. Ein mehrmahliges Klingeln bleibt unbeantwortet. Doch eine Nachbarin gibt Auskunft: Diese Wohnung sei erst seit etwa drei Monaten bewohnt. Es handle sich um ein Studio im Kellergeschoss. Der dortige Gemeinschaftsraum sei erst kürzlich zu dieser Studiowohnung umgebaut worden. Der Mieter sei ein rund 30-jähriger Mann, den man ab und zu sehe, wenn er das Haus verlasse oder heimkomme, wohl von der Arbeit. Mehr weiss aber auch die Nachbarin nicht über den Bewohner. Auch nicht den vollständigen Namen. Das Klingeln an der Türe im Kellergeschoss, ebenfalls mit «A. Vantaggiato» angeschrieben, bringt nicht mehr Klarheit. Niemand öffnet.

Auch wenn die bisherigen Anhaltspunkte zur Identität des Urhebers spärlich sind, lässt sich Folgendes festhalten: Mit der Aktion zielt der Verantwortliche vor allem auf die Massnahme, sämtliche Beförderungen im Jahr 2018 auszusetzen. Auf der Website ist von einem «Ausquetschen» der Kantonsangestellten die Rede. Die Regierung kommentiert die Details nicht weiter. Laut Finanzdirektor Heinz Tännler haben sich aber auch die Personalverbände, die sich mit dem Aussetzen der Beförderungen einverstanden erklärt haben, vom anonymen Vorgehen distanziert.