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ZUG: Reformation: Das Festjahr ist lanciert

Die Landeskirchen standen am Samstag in Zug unter dem Motto «Gemeinsam zur Mitte, 500 Jahre Reformation, 600 Jahre Niklaus von Flüe». Der Anlass sorgte für ein gewaltiges Echo.
Haymo Empl
Das Tagesprogramm endete mit einem grossen ökumenischen Festgottesdienst in der Kirche St. Michael. Geleitet wurde er von Gottfried Locher (links), höchster Schweizer Reformierter, und Bischof Felix Gmür von Basel. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. April 2017))

Das Tagesprogramm endete mit einem grossen ökumenischen Festgottesdienst in der Kirche St. Michael. Geleitet wurde er von Gottfried Locher (links), höchster Schweizer Reformierter, und Bischof Felix Gmür von Basel. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. April 2017))

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch

Bereits am frühen Vormittag zeichnete sich ab, dass bereits der Vortrag von Josef Lang in der reformierten Kirche Zug über Niklaus von Flüe – besser bekannt als Bruder Klaus – ein Publikumsmagnet sein wird.

Und so war es denn auch. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, der Vortrag wurde daher simultan mittels Live-Videoübertragung ins gegenüberliegende Kirchengemeindehaus übertragen. Und auch dort: der Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Was machte besagten Vortrag zu einem solchen Erfolg? Einerseits sicherlich Josef Lang selbst, seine Person und seine Vorträge sind weit über die Stadt- und Religionsgrenzen bekannt. Andererseits aber auch das Thema des Vortrags, Bruder Klaus: Einsiedler, Asket und Mystiker. Sein Wirken – vor allem in den Jahren 1467 bis 1487 – fasziniert noch heute.

Der Landespatron – eine Lichtfigur

Niklaus von Flüe verliess 1467 nach einer Vision seine Frau und seine zehn Kinder, um sich ganz dem Leben als Einsiedler zu widmen. Nach seinem Entschluss, ein Leben in Demut und ohne Nahrung zu verbringen, wurde dem «Waldbruder» von der Landsgemeinde eine Zelle mit Kapelle im Ranft errichtet. Soviel ist bekannt. Alles andere stützt sich auf äusserst dürftige Quellen, und nur wenige sind authentisch: zwei Briefe an die Städte Konstanz und Bern, eine Quittung für ein Geschenk von Herzog Sigismund von Österreich, zwei Gründungsurkunden der Kaplaneistiftung im Ranft sowie das Bruder-Klausen-Gebet.

Die meisten anderen Berichte wurden erst nach seinem Tod niedergeschrieben. Josef Lang stützte sich in seinem Vortrag denn auch auf die bekannten Quellen, welche wiederum auf dem Kirchenbuch von Sachseln basieren. Diese Einträge im Kirchenbuch wurden aber seinerzeit unmittelbar nach dem Tod von Bruder Klaus angelegt und enthalten die ältesten Aussagen der Bürgerinnen und Bürger, Priester und Besucher im Ranft über Bruder Klaus – zudem Wunderberichte in der Zeit zwischen 1487 bis 1494. Bei den Überlieferungen im Kirchenbuch handelt es sich um absichtsvolle Überlieferungen, und daher muss auch dieses Werk kritisch gelesen werden. Entsprechend hat sich Josef Lang in seinem Vortrag diesbezüglich zurückgehalten und weniger den «Mystiker Bruder Klaus» thematisiert, dafür aber den Politiker Niklaus von Flüe in den Vordergrund gestellt – was an einem Reformationstag durchaus Sinn machte.

Spannender Aspekt: Bisher wurde Bruder Klaus von den Katholiken als «ihr Heiliger» betrachtet, im Vortrag warf Lang interessante Aspekte und Fragen auf – denn «war nicht Grundkern der reformatorischen Kritik derjenige an einer mit Unwichtigem, Unwesentlichem, Vergänglichem überladenen Kirche?», so Lang im Vortrag. Bruder Klaus hat sich damals genau von jenem «Ballast» befreit und sich aufs Wesentliche im Glauben konzentriert. Insofern war Bruder Klaus – Niklaus von Flüe – also ein Vordenker und passte als Licht- und Identifikationsfigur bestens zum Anlass.

Das sieht Maria Oppermann, Leiterin Kommunikation der Reformierten Kirche Kanton Zug und Mitglied des OK «Gemeinsam zur Mitte», ähnlich. Oppermann: «Zug ist ein ehemals rein katholischer Kanton. Heute leben hier Katholische und Reformierte miteinander. Wir wollen sichtbar machen, dass das Einende stärker ist als das Trennende. Mit dieser Feier betonen wir das Gemeinsame, das uns verbindet – unseren gemeinsamen Auftrag, das Evangelium zu leben.» Das bedeute auch gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen und ihren Einsatz für den religiösen Frieden in der Schweiz. «Dazu braucht es mutige Schritte aufeinander zu.»

Es spielt also letztendlich gar nicht eine so wesentliche Rolle, wie Bruder Klaus gelebt hat (dass er gelebt hat, ist unumstritten) und welche Absichten er bewusst oder unbewusst verfolgt hatte.

«Nimm alles von mir ...»

Nach dem Vortrag von Josef Lang ging es mit spannenden Veranstaltungen rund ums Thema Reformation weiter: Podiumsdiskussionen, Referate, Filme, Konzerte, Gebete und als Höhepunkt ein grosser ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Michael mit Gottfried ­Locher und Bischof Felix Gmür (siehe auch «Nachgefragt» unten).

Josef Lang schloss seinen Vortrag nach etwas mehr als einer Stunde: «Mit Bruder Klaus lässt sich der Protestantismus gewiss besser verstehen. Denn Bruder Klaus sagte: «Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!» Gemäss Lang sind diese zwei Zeilen die kürzeste und bündigste Charakterisierung des Einsiedlers Bruder Klaus – aber auch für die Reformation.

Hinweis

Alles zum Jubiläumsjahr unter: www.ref-500.ch

Nachgefragt

Mit dem Bischof von Basel, Felix Gmür, und Gottfried Locher, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, beehrten gestern zwei Kirchenoberhäupter die Pfarrkirche St. Michael in Zug und zelebrierten einen ökumenischen Gottesdienst. Rolf Berweger, Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche Kanton Zug, verrät, wie er die gestrigen Feierlichkeiten einordnet und was er sich für die Christen wünscht.

Rolf Berweger, wie erfreut oder gar stolz sind Sie, dass der Start zum Jubiläumsjahr «500 Jahre Reformation» im katholischen Kanton Zug erfolgt ist?

Ich freue mich sehr, dass dieser Anlass gerade in Zug stattfindet, der Grenzregion zwischen den ehemals katholischen und reformierten Kantonen. Zum Reformationsjubiläum hat bereits eine Reihe von Events stattgefunden, der Zuger Tag ist aber der wichtigste ökumenische Anlass.

Wie beurteilen Sie den nationalen Gedenk- und Feiertag in Zug? Ist Zug doch schon früh als katholischer Kanton sehr liberal mit den reformierten Mitbürgern umgegangen.

Vor 150 Jahren konnten die Reformierten in Baar die erste reformierte Kirche im Kanton Zug bauen. Die reformierte Kirche in der Stadt Zug wurde vor 111 Jahren gebaut, damals ganz ausserhalb des Zentrums am Stadtrand. Inzwischen ist die Stadt um uns herum gewachsen, und wir sind in der Mitte. Die Stadt Zug verbindet heute Konfessionen und Menschen aus aller Welt. Mit dem ökumenischen Event setzen wir ein Zeichen der Offenheit. Und wir bringen zum Ausdruck, dass wir Christinnen und Christen einen Auftrag in der Gesellschaft haben: Wir bezeugen Jesus Christus.

Wie lebt es sich für einen Reformierten im «katholischen» Kanton Zug?

Tipptopp. Unsere katholischen Kollegen und wir begegnen uns auf Augenhöhe und mit viel Respekt.

Kardinal Koch hat mir auf ein Zusammengehen der katholischen und reformierten Kirche vor drei Jahren geantwortet: «Es ist der Auftrag von Jesus, der uns im hohepriesterlichen Gebet bittet, dass die Jünger eins sein sollen. Wir haben gar keine Alternative, als die Einheit zu suchen.» Wie sehen Sie das?

Jede Kirche hat eigene Traditionen. Wir freuen uns über diese Schätze. Wenn wir aber in der Gesellschaft Gehör finden und glaubwürdig sein wollen, müssen wir mit einer Stimme reden. Den Auftrag gab Jesus selbst seinen Jüngern, «dass sie alle eins seien (...) und so die Welt glaubt» (Johannes 17,20–21). Der Tag steht unter dem Motto «Gemeinsam zur Mitte»: Wir versuchen, das Gemeinsame zu stärken und als Potenzial zu nutzen, um uns den Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu stellen.

Was bedeutet Ihnen Niklaus von Flüe, wie ordnen Sie ihn ein?

Niklaus von Flüe war ein Mensch, der seinen Glauben authentisch gelebt und vorgelebt hat. Ich bewundere ihn als Friedensstifter und Vermittler. Einige sagen, er sei in Wirklichkeit der erste Reformator gewesen. Sein Wirken erinnert uns daran, dass wir uns als Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter versöhnend und friedensstiftend in die Gesellschaft einbringen sollen.

Was wünschen Sie reformierten und katholischen Christen?

Uns gemeinsam wünsche ich, dass dieses Zeichen, das wir mit diesem Gedenk- und Feiertag setzen, sich in unserem weiteren Weg widerspiegelt, dass wir offen aufeinander zugehen und gemeinsam um Lösungen und Gemeinschaft ringen. Im Matthäusevangelium sagt Jesus: «Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man’s salzen?» Ich wünsche uns, dass wir dieses Bild als Herausforderung annehmen für die katholische Kirche und die reformierte Kirche. Ich wünsche uns, dass sie der Gesellschaft Geschmack geben.

Was wünschen Sie Ihrer Kirche für ihr grosses Jubiläum?

Dass Menschen in unserer Kirche eine spirituelle Heimat finden. Und zweitens durch das Jubiläum eine Rückbesinnung auf die Werte der Reformation stattfindet. Darum lautet das Jubiläumsmotto: Quer denken, frei handeln, neu glauben. Ich wünsche mir, dass uns dies Herausforderung und Anspruch über das Jubiläum hinaus bleibt.

(kk)

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