ZUG: Rund 15 Prozent weniger Firmen

Das Unternehmensklima in der Schweiz hat sich verschlechtert. Das zeitigt auch Konsequenzen für den Kanton Zug – nicht nur in Sachen Firmenansiedlungen. Fachleute warnen.

Wolfgang Holz
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Immer weniger Firmen siedeln sich im Kanton Zug an. (Symbolbild Neue ZZ)

Immer weniger Firmen siedeln sich im Kanton Zug an. (Symbolbild Neue ZZ)

Ecopop, Masseneinwanderung, Minder – zahlreich sind die Initiativen, über die das Schweizer Stimmvolk abgestimmt hat und noch abstimmen wird. Alle haben Auswirkungen auf das Unternehmensklima hierzulande. Das hat bereits die Greater Zurich Area AG (GZA), die Standortmarketingorganisation des Metropolitanraums Zürich, zu dem auch Zug zählt, vor kurzem festgestellt. Demzufolge haben sich im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch 26 anstatt 37 Firmen hier neu angesiedelt – ein Aderlass von satten 30 Prozent.

Rückgang in Zug geringer, aber ...

Doch wie stark leidet nun der Kanton Zug konkret unter dieser Entwicklung? Bernhard Neidhart, Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, kann Zahlen präsentieren. «Die Projekte und Ansiedlungen, welche über den Tisch der Kontaktstelle Wirtschaft gehen, liegen im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 10 bis 15 Prozent tiefer», sagt er. Dies ist zwar deutlich geringer als im Metropolitanraum Zürich. Trotzdem wirkt diese Zahl bedenklich. «Vorerst ist bei Ansiedlungen immer das internationale, konjunkturelle Umfeld entscheidend», weiss Neidhart. Dies sei zurzeit nicht sehr boomend. Darüber hinaus habe sich der internationale Standortwettbewerb stark verschärft. In diesem Punkt sei Zug eben Teil der Schweiz und folglich von deren Attraktivität abhängig.

Unsicherheit wegen Abstimmungen

Der Zuger Wirtschaftsexperte spricht aber auch Klartext: «Einige Volksabstimmungen in der jüngsten Vergangenheit und einige anstehende Abstimmungen sorgen für Unsicherheit bei ausländischen Firmen, weil wesentliche Standortvorteile auf dem Spiel stehen. Und Investoren möchten eben gerne wissen, wie in drei bis fünf Jahren die Spielregeln sind.» Will heissen: Wie steht es etwa mit dem Marktzutritt zur EU. Mit der Verfügbarkeit von Fachkräften. Mit der Unternehmenssteuerreform III. «Darüber hinaus ist das Image der Schweiz im Ausland betreffend Wirtschaftsfreundlichkeit des Stimmvolks leicht angekratzt», ist sich Neidhart sicher.

Wobei in Zug die Dinge noch lange nicht zum Schlechten stehen. Denn, wie zu ersehen ist in den neusten Auswertungen von «Bisnode», einer privaten Unternehmung, welche die Handelsregisterdaten quartalsweise aufgrund eigener Erhebungen erstellt, kann Zug ein Plus von 4 Prozent verbuchen. Dieses Plus bezieht sich auf die Zahl der Neueintragungen von Unternehmungen ins Handelsregister im Zeitraum von Januar bis September des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sprich: 2013 konnten in Zug 1475 neu eingetragene Firmen registriert werden, 2014 sind es bis jetzt 1531.

«Informationsbedarf gewachsen»

Luzern verzeichnet in dieser Statistik allerdings ein Plus von 12 Prozent, Obwalden dagegen ein Minus von 24 Prozent. Eine Firmenansiedlung wird dabei erst als solche gezählt, wenn sie im kantonalen Handelsregister auch eingetragen ist. Dabei wird unterschieden, ob es sich um eine Neugründung, Verlegung oder um einen Ausbau in neue Gebiete handelt.

Klar ist, so Lukas Sieber, Kommunikationsverantwortlicher der Greater Zurich Area AG, dass ausländische Firmen aufgrund der innenpolitischen Entwicklung der Schweiz verunsichert seien und «der Informationsbedarf sehr stark angewachsen ist». Insgesamt lasse sich sagen, dass Firmenansiedlungen ausländischer Unternehmen in der Schweiz inzwischen eine ziemlich komplexe Angelegenheit sei, die mehrere Wochen, Monate, ja Jahre dauern könne.

Zuwachsraten gedämpft

Was bedeutet dieser Aderlass an neu angesiedelten Firmen aber nun konkret für die Zuger Wirtschaft? «Da Zug jener Kanton mit dem kleinsten Anteil Binnenwirtschaft ist, beeinflussen die oben genannten Fakten die hiesige Wirtschaft», so Neidhart. Die momentane Situation beim Steueraufkommen habe der Regierungsrat im Rahmen des anstehenden Entlastungsprogramms schon öffentlich kommentiert. «Wir erwarten zwar keinen Arbeitsplatzabbau, aber die Zuwachsraten sind gedämpft», so Neidhart.

«Mehr Rechtssicherheit nötig»

Wobei nicht nur weniger Firmen nach Zug gekommen sind – nicht selten kehren Unternehmen dem Kanton inzwischen auch den Rücken. Und zwar aus politischen Gründen. «Es gibt schon Firmen, welche durchblicken liessen, dass sie beispielsweise wegen der Minderinitiative weggezogen sind», sagt Neidhart. Was also ist zu tun, um diesen Negativ-Trend wieder rückgängig zu machen? «Es ist wichtig, dass möglichst bald wieder vermehrt Rechtssicherheit vorhanden ist – insbesondere bei der Unternehmenssteuerreform III und in Sachen Personenfreizügigkeit mit der EU», fordert der Zuger Wirtschaftsexperte. «Nicht zuletzt ist es im herausfordernden internationalen Umfeld wichtig, dass die Schweiz die Stärken des eigenen Wirtschaftsstandorts wieder stärkt und sich so den Wohlstand erhalten kann.»