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ZUG: Schattenbericht: «Glencore übernimmt keine Verantwortung»

Am Vorabend der Generalversammlung von Glencore wurde im Doku Zug ein kritischer Bericht zu den Aktivitäten des Rohstoffkonzerns in Südamerika vorgestellt. Auch die Konzernanwältin war dabei.
Christopher Gilb
Die Referenten Limbert Sanchez Choque (links) und Jaime Borda Pari. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Die Referenten Limbert Sanchez Choque (links) und Jaime Borda Pari. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Rund 25 Personen finden in dem kleinen Raum im Doku Zug Platz. Es blieben keine Plätze frei, schliesslich ging es am Dienstagabend um einen Konzern, der polarisiert. Vorgestellt wurde ein Schattenbericht zu Glencore, sozusagen ein Gegenstück zum unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsbericht. Dieser behandelt die Aktivitäten des Rohstoffkonzerns in Südamerika.

Zwei Mitglieder des NGO-Netzwerkes Red Sombra, das den Bericht verantwortet, Limbert Sanchez Choque von einer NGO in Bolivien und Jaime Borda Pari von einer NGO in Peru, legten ihre «Erkenntnisse» über die Aktivitäten von Glencore in ihrer Heimat dar. Es ging unter anderem um Wassermangel: «Wasser bedeutet für die Bevölkerung Leben und Wachstum», so Limbert Choque. Momentan hätten aber viele Gemeinden Trinkwassermangel, da viele Quellen durch den Bergbau verschwunden seien. Darunter würden auch die Landwirtschaft und die Tiere leiden. Glencore übernehme keine Verantwortung und veröffentliche in Bolivien auch keinen Nachhaltigkeitsbericht. Und zur Wasserverschmutzung: «Im Umfeld der Kupfermine Tintaya in Espinar, Peru, gibt es eine gravierende Schwermetallbelastung des Wassers», so Jaime Borda Pari. Was sich auf die Gesundheit der Bewohner auswirke.

Auch Geldgeber werden konfrontiert

Dies würden auch Studien der peruanischen Gesundheitsbehörde belegen. Glencore weise die Verantwortung für die Schwermetallverseuchung von sich und erwähne das Thema im eigenen Nachhaltigkeitsbericht nicht. In den letzten Tagen traten die beiden schon in Deutschland auf und trafen sich nach eigenem Bekunden mit der Deutschen Bank, einem der Geldgeber von Glencore. Ähnliche Treffen kündigten sie auch mit Schweizer Grossbanken an. «Wir wollen mehr Transparenz im Nachhaltigkeitsbericht von Glencore erreichen, dass das Unternehmen nötige Umweltstudien veranlasst, und dass die Strategie der offenen Türen, von der Glencore spricht, nicht nur in der Schweiz, sondern auch in unseren Heimatländern möglich ist», so die Referenten.

Einer der Zuhörer wollte wissen, wieso Glencore, wie es in den Medien stand, im Voraus nicht für den Schattenbericht kontaktiert worden sei. Das Unternehmen habe ihren Bericht vorgelegt und sie nun eben einen Gegenbericht. Beides sei jetzt die Diskussionsgrundlage, so die Referenten.

Dass es Glencore mindestens in der Schweiz ernst meint, bestätigte Konzernanwältin Marie Roth, die anwesend war. «Die Vertreter der NGO können an der GV teilnehmen. Und wir werden uns mit Ihnen treffen.» Das Unternehmen habe den über 100 Seiten langen Bericht erst vor einer Woche erhalten und könne deshalb noch nicht zu Details Stellung nehmen. Man unterhalte jedoch in den jeweiligen Ländern Kontakte zur Bevölkerung, und die Türen würden offenstehen.

Zuspruch aus dem Publikum

Die Inputs aus dem Publikum zielten vor allem auf die Frage ab: «Was tun?» Alt Regierungsrat Hanspeter Uster warb deshalb für die Konzernverantwortungsinitiative. Da die Justiz in den Abbauländern unzuverlässig sei, sei es am besten, Glencore in der Schweiz vor Gericht zu bringen, was die Initiative ermögliche.

Andere fragten, ob nicht auch der Konsument eine gewisse Verantwortung trage, schliesslich wolle dieser ständig ein neues Handy. Wieder andere kritisierten, dass es falsch sei, sich mit Glencore abzumühen. Denn Glencore würde machen, was Konzerne eben tun würden: den rechtlichen Rahmen maximal auszunutzen, um maximal profitabel zu sein, auch wenn dies Folgen habe. Mehrmals wurde aus dem Publikum aber auch Dank an die Aktivisten für ihren unermüdlichen Einsatz geäussert.

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