Dieser Zuger Drummer tritt bald in Afrika auf

Diesen Herbst reist der Schlagzeuger Dionys Jäger nach Afrika für eine Tour mit Musikern aus Zug und Kenia.

Fabian Gubser
Merken
Drucken
Teilen
Dionys Jägers Sommerresidenz: Ein Bus, der vom Zuger Künstler Michel Kiwic umgebaut wurde. (Bild: Stefan Kaiser (Meierskappel, 18. Juli 2019))

Dionys Jägers Sommerresidenz: Ein Bus, der vom Zuger Künstler Michel Kiwic umgebaut wurde. (Bild: Stefan Kaiser (Meierskappel, 18. Juli 2019))

Ein Hotelzimmer in Nairobi, Frühling 2017. Dionys Jäger hat gerade einen langen Tag hinter sich, er engagiert sich für ein Hilfsprojekt vor Ort. Wie jeden Tag hört er aus dem Park Musik. Gute Musik. Jäger, der Schlagzeug studierte, ist angetan von dem Sound. Er folgt ihm, als wäre er ein guter Duft.

Im Park angelangt, kommt er mit dem einheimischen Musiker ins Gespräch. Ambasa Mandela heisst er, dessen Stimme und Gitarrenklänge alle Hindernisse bis zum Zimmer von Jäger überwunden hatten. Die beiden Musiker verstehen sich auf Anhieb. Diesen Herbst, zwei Jahre später, werden Jäger und weitere Musiker aus Zug nach Kenia fliegen, um mit Mandelas Band auf Tournee zu gehen. Die Vorfreude ist riesig.

Reise nach Kenia änderte seine Lebensart

Zurzeit wohnt Jäger in seinem umgebauten Bus auf einem Campingplatz in Meierskappel. Vor dem Bus döst ein tauber Hund – laut Jäger sehr praktisch für Schlagzeuger – Bienen summen friedlich, ein Kräuterbeet wächst vor sich hin.

Sein erster Besuch in Kenia habe ihn verändert, und zwar nicht nur musikalisch, so der 27-Jährige. Er habe gesehen, dass es zum ­Leben nicht viel brauche. «Also habe ich angefangen zu minimieren», sagt er und zeigt auf seinen Bus, in dem sicherlich viel weniger Gegenstände Platz haben als in einer Standardwohnung. Ausserdem hat er zusammen mit seiner Schwester, die damals als Fotografin Bilder fürs Hilfsprojekt gemacht hat, in der Schweiz einen Verein gegründet, der Schulen und Kinderheime in Kenia unterstützt.

Musik ist Programm im Leben von Jäger. Aufgewachsen ist er, der sich eine kleine Trommel auf die Ferse stechen liess, in Rotkreuz und Meierskappel. Lehre als Lastwagenmechaniker, Schlagzeugstudium, Dirigent der Jugendmusik Rotkreuz und Teil von Zuger Bands wie «Weibello and the Gang». Wieso fühlt er sich von der afrikanischen Musik so angezogen, die er als eine Mischung aus Afro-Pop und Reggae umschreibt? «Das chund vil meh grad use, es isch ned so überleit.» Gewisse Songs würden lediglich aus zwei Akkorden bestehen, was bei uns unvorstellbar wäre. Durch die Spontanität der vibrierenden Stimme würden die Songs trotzdem eine enorme Wirkung entfalten, so Jäger.

Um die Tournee diesen Herbst in Kenia vorzubereiten, reiste der Musiker erst kürzlich dorthin. Vor allem in Geduld habe er sich geübt; einmal habe er ganze zwei Tage auf Mandela gewartet. Ein andermal hätten sie den ganzen Tag nichts gegessen, Jäger «drehte fast am Rad», aber für die Kenianer sei das nichts Besonderes gewesen. Die prägendste Erfahrung stellte die Einladung zu den Eltern eines anderen befreundeten Musikers dar. «Es war wie im Film, mitten im Slum, irgendwo brannte Güsel. Zwei Mal vier Meter mass das Reihenblechhaus, es gab zwei kleine Sofas und einen Tisch. Zwei Erwachsene hatten hier fünf Kinder grossgezogen.» «Nicht schlecht, oder?», meinte Jägers kenianischer Freund in vollem Ernst.

Um genau solche Erfahrungen einzufangen, werden zwei weitere Zuger die binationale Band auf ihrer Tour für einen «ehrlichen» Dokumentarfilm begleiten. Jäger möchte auch die Gespräche zwischen den Schweizer und den Kenianern teilen, in denen intensiv über Klischees diskutiert wurde.

Das Musikprojekt erhält Gelder vom Kanton Zug, die Finanzierung ist jedoch nicht vollständig gesichert, einige Anträge bei Stiftungen sind noch hängig. Die Flüge buchte Jäger aber bereits vor einigen Tagen, man gehe im September auf jeden Fall los. Für Dionys Jäger, der zwei Holzanhänger um den Hals in der Form von Afrika trägt, wird es bestimmt nicht die letzte Reise in sein Lieblingsland sein.