ZUG: Schon wieder bauen Biker illegale Pisten

Es ist verboten, quer durch den Wald zu fahren. Doch einige unverbesserliche Downhiller kümmert dies wenig – wohl auch, weil es nur selten Strafen gibt.

Luc Müller
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Illegal: Erneut haben Biker an den Hängen des Zuger- und Walchwilerbergs Pisten gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Illegal: Erneut haben Biker an den Hängen des Zuger- und Walchwilerbergs Pisten gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Aufruf an Biker. Bitte waldgerecht verhalten!» Ein Plakat mit dieser Aufforderung prangt seit letzter Woche im Gebiet Seewald bei der Lothenbach-Halde. Einmal mehr sorgen illegal erstelle Bauten auf einem Waldweg für rote Köpfe. Die kleinen Schanzen oder Erdhügel mitten auf dem Weg haben Mountainbiker erstellt – sie fahren mit Tempo über diese Konstruktionen, um den Spassfaktor zu erhöhen. «Jetzt beim schönen Wetter haben die Bauten wieder zugenommen», berichtet Andreas Birrer, Revierförster der Korporation Zug. Er ist für das Gebiet Seewald zuständig.

«Nur ein paar wenige»

Eigentlich ist die Sachlage ganz eindeutig: Gemäss kantonalem Waldgesetz macht sich jemand strafbar, wenn er solche Mountainbike-Installationen im Wald erstellt. Trotzdem tauchen schon seit Jahren solche unnatürliche Hindernisse im Wald an den Hängen des Zuger- und Walchwilerbergs auf. «Wir appellieren an Ihr Verständnis und verlangen, dass Sie sämtliche auf dem Wanderweg erstellten Bike-Installationen bis am 30. Mai rückbauen. Sonst verletzen Sie das Waldgesetz und machen sich strafbar», ist auf dem Plakat weiter zu lesen. Aufgehängt wurde es vom Amt für Wald und Wild in Zusammenarbeit mit der Korporation und der IG Mountainbike des Kantons Zug. Ein seit Jahren währendes Problem ist auch, dass Mountainbiker abseits der befestigten Wald- oder Wanderwege kreuz und quer durch das Unterholz rauschen, was das Waldgesetz ebenfalls ausdrücklich verbietet. «Wir sind absolut gegen solche illegale Bauten und auch gegen das Fahren abseits durch den Wald», betont Christoph Jans, Präsident der IG Mountainbike, in der rund 450 Biker aus dem ganzen Kanton vereint sind. «Es handelt sich nur um ein paar wenige Biker, die sich nicht an das Gesetz halten. Leider gibt es in Gruppen immer ein paar Ausreisser.» Auf Facebook habe man gerade wieder einen Aufruf gestartet, den illegalen Steckenbau und das Abseitsfahren im Wald nicht zu tolerieren.

«Biker geniessen Sonderrechte»

«Die Regierung setzt geltendes Recht nicht konsequent durch. Sie fasst die Biker mit Samthandschuhen an. Unter den Beamten gibt es selber viele, die sich gerne auf den Velosattel schwingen», ärgert sich der Walchwiler Franz Hürlimann, der bis Februar 2014 im Kantonsrat sass. Schon öfter machte der passionierte Jäger auf die Problematik mit den Bikern im Wald aufmerksam. «Wenn sie quer durch den Wald fahren, schadet das der Vegetation. Zudem haben jetzt die Rehe und auch die Bodenbrüter Nachwuchs. Die brauchen Ruhe.»

Im November 2013 hatte der Kantonsrat ein Postulat von Franz Hürlimann überwiesen. Es forderte, dass das geltende Recht durchgesetzt wird und Bussen verteilt werden. Dies erlaubt das Übertretungsstrafgesetz: Wer abseits der festen Waldwege fährt, kann mit 100 Franken sofort gebüsst werden. «Ich will einfach, dass das Gesetz für alle Verkehrsteilnehmer angewandt wird. Bei den Autofahrern gibt es für unkorrektes Fahren kein Pardon. Die Biker aber geniessen im Kanton Zug irgendwie Sonderrechte.»

Im vergangenen Sommer kündigte die Direktion des Innern an, dass Biker im Wald gezielt kontrolliert werden (siehe Box). «Wir dürfen die Biker aber nicht anhalten», erklärt Martin Winkler, Kantonsförster und Co-Leiter vom Amt für Wald und Wild. Franz Hürlimann kritisiert auch, dass die von den Bikern illegal erstellten Bauten vom Kanton nicht rigoros zurückgebaut werden. So seien solche in Unterägeri im Gebiet Strizlerwald sowie entlang des Wanderwegs beim Schlüsselbach, die er im Oktober 2013 entdeckte, teilweise immer noch vorhanden. «Wir haben die Orte zurückgebaut, aber kurz darauf war einiges wieder da», präzisiert Roman Merz, Förster der Korporation Unterägeri.

Neuer Trail soll Problem entschärfen

Für Abhilfe sorgen soll der geplante rund 2,1 Kilometer lange Trail, der neben der Bergbahn vom Zugerberg zur Schönegg führt. Das Baugesuch lag im März öffentlich auf (wir berichteten), nach Angaben von Jans sind keine Einsprachen eingegangen. Wenn alles nach Plan läuft, soll die speziell für Mountainbiker konzipierte Strecke im Herbst geöffnet werden. Bauherrin ist die IG Mountainbike. «Erfahrungen aus anderen Gebieten wie dem Berner Gurten oder dem Uetliberg in Zürich, wo es spezielle Bike-Trails gibt, haben gezeigt, dass illegale Streckenbauten und Fahren abseits der festen Wege nach Eröffnung der Trails fast verschwunden sind», weiss Christoph Jans. Auf diesen Effekt hofft man nun auch am Zugerberg.

Im Kanton Zug wird das Befahren von Forst- und Wanderwegen mit dem Bike toleriert, wie Kantonsförster Winkler sagt. Sobald der Zugerberg-Trail eröffnet ist, sollen aber für Biker ungeeignete Wege trotz der zu erwartenden Entlastung im Seewald gesperrt werden.

Auch für den Nachwuchs

«Der Trail ist sehr professionell und attraktiv», sagt Christoph Jans. Die Strecke überwindet eine Höhendifferenz von 350 Metern und weist ein durchschnittliches Gefälle von 16 Prozent auf. Die Biker können mit der Zugerbergbahn direkt zum Trail hochfahren. Es handle sich nicht um eine Downhill-Strecke, sondern um einen Trail, der sich für alle Biker eigne und dank unterschiedlicher Sprünge und technischer Schwierigkeiten allen Könnerstufen und dem Nachwuchs Spass bereiten werde, sagt Jans.

Luc Müller

Illegal: Erneut haben Biker an den Hängen des Zuger- und Walchwilerbergs Pisten gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Illegal: Erneut haben Biker an den Hängen des Zuger- und Walchwilerbergs Pisten gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)