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ZUG: Schule gerät weiter unter Druck

Über Aufwand und Ertrag des integrativen Unterrichts wird gestritten. Jetzt wollen Freisinnige mehr Details über die Vorteile, Schwierigkeiten und Kosten wissen.
Freddy Trütsch
Der integrative Unterricht ist im Kanton Zug zum Politikum geworden. (Symbolbild Neue ZZ)

Der integrative Unterricht ist im Kanton Zug zum Politikum geworden. (Symbolbild Neue ZZ)

Freddy Trütsch

Bereits zum zweiten Mal innert zwei Jahren werden die Sonderpädagogik und insbesondere die integrative Förderung im Kantonsrat zum Thema. Im Februar 2013 fragten die zwei SVP-Kantonsräte Jürg Messmer und Philip C. Brunner (beide Zug) bei der Bildungsdirektion nach und verlangten Antworten über die pädagogischen Angebote sowie die Vor- und Nachteile der schulischen Förderung.

Und jetzt legen die freisinnigen Parlamentarier Andreas Hostettler (Baar), Monika Weber (Steinhausen), Karen Umbach (Zug), Peter Letter (Oberägeri) sowie Beat Unternährer (Hünenberg) mit einer weiteren Interpellation nach. «Wie beurteilt der Regierungsrat in der Gesamtbetrachtung die Vorteile und Schwierigkeiten der integrativen Schulform? Sieht er Handlungs- oder Korrekturbedarf? Wie beurteilt er angesichts wiederholter Entlastungsforderungen seitens der Lehrerschaft das Kosten- und Nutzenverhältnis?» Die Schule integriere Schüler mit leichtem bis mittelgradigem sonderpädagogischem Förderbedarf und sei mit einer grossen Anzahl an verhaltensauffälligen Schülern konfrontiert. Dazu kämen Lernende mit Migrationshintergrund, instabilen Familienverhältnissen oder Betreuungsdefiziten. «Ist die Integration auch bei verhaltensauffälligen Schülern in die Regelklasse ein zielführendes Mittel?» Und weiter wollen sie wissen, ob die Aufhebung von Werkschulklassen und die Integration in die Realklassen eine nachweislich gute Lösung sei.

Das schreibt das Schulgesetz vor

Die besondere Förderung von Schülerinnen und Schülern an den gemeindlichen Schulen ist im Schulgesetz geregelt, wobei zwei Stufen vorgesehen sind. Die Gemeinden sorgen dafür, dass – im Rahmen der besonderen Förderung – teilweise schulbereite, lernbehinderte oder verhaltensauffällige Kinder sowie Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen, mit einer besonderen Begabung oder Hochbegabung besonders gefördert werden. Diese besondere Förderung ist gemäss den massgebenden rechtlichen Grundlagen in erster Linie innerhalb der Regelklasse, das heisst integrativ sowie klassen- und stufenübergreifend anzubieten. Bei der besonderen Förderung lernbehinderter oder verhaltensauffälliger Kinder innerhalb der Regelklasse unterstützt ein schulischer Heilpädagoge den Unterricht. Bezahlt wird dies hauptsächlich von den Gemeinden, wobei der Kanton das Angebot mittels Normpauschale mitfinanziert.

Es ist zu erwarten, dass sich die Bildungsdirektion wie schon vor einem Jahr weiterhin für die integrative Förderung starkmacht. Sie bestritt damals, dass die schulischen Leistungen gesunken seien. Und sie tat dies, obwohl verschiedene Studien und Fachleute das Gegenteil nachweisen. Auch die Schulpräsidentenkonferenz – sie will sich zum aktuellen Vorstoss noch nicht äussern – verwies darauf, die Integration an den Schulen im Kanton sei «auf gutem Weg». Andererseits hält auch ein Bildungs­experte an seiner Meinung fest und wiederholt: «Integrierte Förderung bringt Lehrpersonen an die Grenze; viele sind überfordert und schaffen das, was ihnen die schöne Welt der Theorie und die papierenen, wohlklingenden Konzepte versprechen, nicht.»

Gewerbe hat klare Meinung

Der Lehrerverein sagt zum aktuellen Vorstoss (noch) nichts. Klar ist, dass er stets die dafür notwendigen Rahmenbedingungen verlangt hat. Kein Geheimnis ist ferner, dass die Lehrer immer darauf hingewiesen haben, «dass die integrative Schulung nicht kostenneutral zu haben ist». Die zeitlichen Ressourcen würden aber nach wie vor fehlen. Und der Mehrheit von SVP und FDP sei alles recht, um Kosten zu sparen, war aus Lehrerkreisen zu erfahren.

Die Auswirkungen der integrativen Förderung bekommen in erster Linie die Lehrmeister deutlich zu spüren. Nicht erstaunlich, dass Yvonne Kraft, Bildungsverantwortliche des Gewerbeverbandes des Kantons Zug und Mitglied des Bildungsrates, betont: «Integrative Schulung ist nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich. Bei dieser Mittelwertspädagogik sind die Stärkeren unterfordert, und zugleich leiden die Schwächeren unter massiver Überforderung.» Wenn der Kanton den Weg zur totalen Integration weitergehen wolle, müsse der Unterricht umgebaut werden. Und dies heisse: «Jedes Kind muss dort abgeholt werden, wo es steht, und Aufgaben erhalten, die es bewältigen kann.» Dies bedeute aber, dass der Kanton mehr Geld sprechen müsse. Zum Thema Finanzen stellen die Interpellanten fest, man habe mit jährlichen Mehrkosten von rund 2,9 Millionen Franken gerechnet und fragen jetzt: «Wie sehen nun nach mehreren Jahren Umsetzung und Erfahrung die effektiven Kosten aus?»

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