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Ostschweizer Schweine wühlen in Zug

Der Kanton Zug versucht, dem eingeschleppten Erdmandelgras auf natürliche Art und Weise beizukommen.
Marco Morosoli
Wollschweine und Turopolien sollen Erdmandelgras bekämpfen. Darauf hoffen Stefan Schuler (Betreuer der Schweine, von links), Gregor Wyss (Landeigentümer) und Guido Leutenegger (Eigentümer der Wildschweine). Bild: PD

Wollschweine und Turopolien sollen Erdmandelgras bekämpfen. Darauf hoffen Stefan Schuler (Betreuer der Schweine, von links), Gregor Wyss (Landeigentümer) und Guido Leutenegger (Eigentümer der Wildschweine). Bild: PD

Wildschweine suchen im Boden Nahrung und wühlen ganze Wiesen richtiggehend um. Diese Art der Futtersuche könnte jetzt bei der Bekämpfung einer gebietsfremden Pflanze hilfreich sein. Beim Schädling handelt es sich um das Erdmandelgras. Dessen Existenz muss seit dem 1. September 2019 kantonalen Pflanzenschutzdienst unverzüglich gemeldet werden. Die Gefahr der weiteren Verbreitung des Sauergrases liegt in Wurzelknöllchen, den sogenannten Erdmandeln. Diese sollen nun Wollschweine wie auch Schweine der Rasse Turopolie aufspüren, verspeisen und im Endeffekt unschädlich machen. Es handelt sich dabei um Jungtiere.

Robert Bisig, der Leiter des Landwirtschaftsamts des Kantons Zug, sagt zur angedachten Versuchsanordnung: «Wir wissen, dass Wildschweine in Gehegehaltung die Erdmandeln verbeissen, wodurch sie nicht mehr keimen. Wollschweine wie auch die Turopolien sind den Wildschweinen ähnlicher als den Hausschweinen, weshalb wir uns von den genannten Schweinen das gleiche Resultat erhoffen.»

Der Kanton Zug hat über den Tellerrand geschaut

Die Idee, Schweine zur Bekämpfung von Erdmandelgras einzusetzen hat Bisig, wie er einräumt, von einigen ihm bekannten Versuchen in anderen Kantonen wie auch im Fürstentum Liechtenstein.

Raymund Gmünder, er ist Prorektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums in der Schluecht in Cham, erwähnt zudem, dass die Literatur über die Bekämpfung von Erdmandelgras eher dürftig sei. Ihm bekannt sei eine in englisch verfasste Arbeit.

Es werden Kotuntersuchungen durchgeführt

Der Feldversuch im Gebiet Bibersee führt nun dazu, dass diese Wissenslücke etwas ausgefüllt wird, denn beim Test mit den beiden Schweinerassen im Kanton Zug ist auch Agroscope, das Kompetenzzentrum der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung, mitbeteiligt. Mitarbeiter dieser Institution, so erklärt Roger Bisig vom Landwirtschaftsamt, «werden auch Kotuntersuchungen machen». Dies, um einwandfrei feststellen zu können, ob die vierbeinigen Helfer wider die Verbreitung des Erdmandelgrases ganze Arbeit leisten.

Wie das Landwirtschaftsamt in einer Mitteilung schreibt, verordnet der Kanton den Wollschweinen wie auch den Turopalien keine reine Erdmandeldiät. Die Schweine erhalten Wasser sowie zusätzliches Futter. Zum Inventar bei der Feldarbeit gehört auch ein Unterstand. Zudem kümmert sich jemand um die Schweine, welche während des Versuches keinen Stall sehen werden.

Wollschweine werden im Kanton Zug kaum gehalten

Die Chamer Wollschweine wie auch die Turopolien gehören einem Züchter aus Kreuzlingen (Kanton Thurgau). «Für eine erfolgreiche Bekämpfung ist eine gewisse Herdengrösse notwendig. Eine solche Gruppe Wollschweine gibt es im Kanton Zug nicht», erklärt Roger Bisig vom Landwirtschaftsamt die Wahl. Raymund Gmünder von der Schluecht in Cham streicht noch ein anderes Element der getroffenen Herdenwahl heraus: «Der Eigentümer der Schweine bringt nicht nur die Herde mit in die Zentralschweiz, sondern auch noch Material für die Umfriedung des Feldes und den Unterstand für die Vierbeiner.» Gmünder betont zudem: «Die Vierbeiner kommen mit der Kälte im Winter gut zurecht.» Schweine würden auch strikt zwischen Fress-, Liege- und Versäuberungsbereich unterscheiden. Diesbezüglich seien sie sehr konsequent.

Der Versuch auf einem mit Erdmandelgras verheerten Feld in der Gemeinde Cham soll bis im April 2020 dauern. Bis dann heisst es warten, bis alle Fakten zusammengetragen sind. Hoffnung macht Raymund Gmünder, dass andernorts die tierischen Helfer im Kampf gegen das Erdmandelgras einen gewissen Prozentsatz verspiesen und unschädlich gemacht haben. Das scheint aber nicht ganz im gewünschten Rahmen geschehen zu sein.

Die Kosten liegen in einem überschaubaren Rahmen

Die Kosten für den Versuch bis April 2020 sollen laut Roger Bisig «im vierstelligen Bereich liegen». Den wissenschaftlichen Forschungsaufwand bestreitet Agroscope aus eigenen Mitteln. Der Kanton übernimmt die Kosten für die Leihe der Schweine aus der Ostschweiz.

Der Eigentümer des Feldes, der Landwirt Gregor Wyss, begrüsst die Wühlarbeit der Vierbeiner aus dem Osten. Das Erdmandelgras verursache bei ihm viel Arbeit. Die Einbringung des Erdmandelgrases in sein Feld sei wohl bei der Humusverschiebung für den Strassenneubau im Bereich Bibersee erfolgt. Oftmals reicht eine nicht sachgerechte Handhabung einer Baumaschine aus, um neue Erdmandelgrasherde entstehen zu lassen. Wie bei anderen artfremden Pflanzen und Tieren ist es letztendlich der Mensch, der für deren Verbreitung sorgt.

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