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ZUG: «Seckelschwänki» mit bester Aussicht

Das am schönsten gelegene WC im Kanton lockt zu einem Besuch in die Zuger Altstadt. Für Chamer hat es seinen ganz eigenen Reiz.
Raphael Biermayr
Die Fliesen in der Toilette des Hauses «Fischerstube» und der Blick auf den Chamer Kirchturm bedeuten für den Autor Heimeligkeit. (Bild Stefan Kaiser)

Die Fliesen in der Toilette des Hauses «Fischerstube» und der Blick auf den Chamer Kirchturm bedeuten für den Autor Heimeligkeit. (Bild Stefan Kaiser)

Raphael Biermayr

Der Gang zu ihm ist mal schnell, mal tapsig. Aber er ist immer von Vorfreude getrieben, denn das Ziel verspricht Erlösung: Die Rede ist vom WC. Das in diesem Artikel behandelte Exemplar ist nicht irgendein Abort, es ist mindestens so legendär wie das Gemäuer, das es umgibt. Das mit «Fischerstube» angeschriebene Haus in der Zuger Unteraltstadt ist älteren Zeitgenossen als «Seckelschwänki» bekannt. Damit sind wir wieder beim Klo. Ein solches ist naturgemäss ein Sehnsuchtsort. Doch das in besagtem Haus gilt als das am schönsten gelegene im Kanton Zug – und das zu Recht: Der Blick auf den See ist unverbaubar. Und vor allem kann das Sonnenuntergangspanorama in Ruhe genossen werden, hoch über den Köpfen der unwissenden Streuner vom Seeuferweg.

Es fliessen auch die Erinnerungen

Ruhe ist auf dem stillen Örtchen bekanntlich das A und O. Das Klo in der «Fischerstube» bietet in der Erfüllung dieser Voraussetzung einen bemerkenswerten Kontrast zum Hort der meisten hiesigen WC-Gänger: Im unteren Teil des Hauses findet sich nämlich eine Bar, die seit einigen Jahren «Blues Brothers» heisst und wegen ihrer Lage sowie dem aufmerksam-einfühlsamen Barkeeper Patrick einen Besuch wert ist.

Vor 15 Jahren war die Situation eine andere. Damals waren die Argumente für einen Aufenthalt einerseits die mathematischen Schwächen der besten Kundin, die zugleich die Barkeeperin war, andererseits die einzige bekannte Karaokeanlage. Schon damals galt aber, was heute gilt: Nachdem die schwere Holztür ins Schloss gefallen ist, bleiben nicht nur die Rauchschwaden zurück, sondern auch das übliche Meer an Wortfetzen und gelachter Oberflächlichkeit. Man ist jetzt ganz bei sich selbst, beim Emporsteigen zur Toilette nur beobachtet vom goldenen Drachen, der an der Decke hängt und vom China-Restaurant zeugt, das sich ebenfalls im ersten Stock befindet.

Als Chamer verbinde ich mit diesem WC noch weiterreichende Glücksgefühle. Der Blick vom Pissoir in die Welt hinaus bleibt nämlich automatisch an dem Kirchturm überhaupt hängen. Jener ragt im Ennetsee heraus, beleuchtet je nach Tageszeit von der Sonne oder Scheinwerfern. Würde vom Turm aus ein Lichtstrahl auf den See fallen, er wäre ein echter Leuchtturm.

Orientierung in der Leere

Diese Rolle erfüllt er für mich im übertragenen Sinne längst. Denn über die zeitweise Leere der Fernbeziehung mit Cham hilft er als verinnerlichter Orientierungspunkt hinweg. Das gilt selbst bei Nebel, der die «Fischerstube» oft umschleicht und einem die Fernsicht raubt.

Das stört indes kaum: Während eines längeren Bar-Aufenthalts sieht man sowieso nur noch mit dem Herzen gut.

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