Zug
Sein Humor spiegelt sich in den Objekten wider

Basteln, reparieren, wiederverwerten – nach der letzten Ausstellung wird Rolf Gerber seine kleine Galerie in der Unteraltstadt schliessen.

Monika Wegmann
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Rolf Gerbers originelle Objekte entstehen mit viel Kreativität, Einfallsreichtum und Gestaltungswille.

Rolf Gerbers originelle Objekte entstehen mit viel Kreativität, Einfallsreichtum und Gestaltungswille.

Bild: Mathias Blattmann (Zug, 6. Dezember 2021)

Etwas Wehmut über das baldige Ende seiner Galerie in Zug und zugleich Freude über künftig mehr Freiraum erfüllen Rolf Gerber derzeit. Inmitten der Ausstellung seiner originellen Werke und den alten Uhren erzählt der 68-Jährige über seine Faszination für Basteleien und Reparaturen. Schon als Kind sei er kreativ gewesen und habe Sachen ineinandergesteckt, die nicht zusammenpassten, aber so eine neue, originelle Funktion erhielten. «Mein Grundkonzept sind die unerschöpflichen Ideen, die ich in einem Büchlein notiere und oft mit Skizzen versehe. Danach suche ich die nötigen Teile in dem Material heraus, das ich über die Jahre gesammelt habe.»

Rolf Gerber hat Humor, der kommt in kleinen und grossen Arbeiten zutage. So bastelt er aus alten Stücken gerne fantasievolle Werke, die manchmal mehrdeutige Titel tragen, wie die weisse Faust, worunter zu lesen ist:

«Die Hand wird erst zur Faust, wenn man die Rechte mit den Füssen tritt.»

Witzig ist auch das «Grossmaul», ein grusiger Kopf, aus dessen Maul Seifenblasen herausströmen, wenn man auf einen Knopf drückt. Wie auf der Titelkarte zu lesen ist, haben ihn Putin, Erdogan und andere Populisten dazu animiert. Daneben hängt eine faszinierende Serie mit Insekten an der Wand. Bei genauer Betrachtung ist festzustellen, dass ihre Körper sich aus Brillenteilen zusammensetzen. Immer wieder muss man lächeln, wie bei «s’Bürschtli», dessen Körper aus einer Haarbürste besteht oder beim «Facebook», wo als Wortspiel ein Wachskopf auf einem alten Buch steckt. «Es entsteht immer nur ein Stück», sagt Gerber und ergänzt: «Ich mache das nicht wegen des Verkaufs, das ist Nebensache. Aber wenn mich ein Thema berührt oder interessiert, dann inspiriert es mich.»

Selber Fachwissen angeeignet

Nicht nur das Basteln liebt Rolf Gerber, sondern genauso das Reparieren wie auch das Wiederverwerten. Das ist der Grund, dass in der Ausstellung viele kleine und grössere Uhren zu sehen sind – manche mit witzigen Details. Dazu kann er humorvoll berichten, woher die einzelnen Teile aussen und innen stammen. Doch wie ist der ehemalige Lehrer zu den Uhren gekommen? Sein Schwiegervater sei Uhrmachermeister gewesen, sagt er. Nach dessen Tod vor rund 25 Jahren habe er sich spontan entschlossen, die Werkstatt und alle rund 200 Uhren zu übernehmen. «Anfangs hatte ich keine Ahnung von der Materie und habe einfach probiert.» Dank Tipps von Profis lernte er die Finessen kennen und sagt heute: «Jetzt kann ich fast alle flicken. Doch die Aufträge haben durch Mundpropaganda extrem zugenommen, sodass ich fast nicht mehr zum freien Gestalten komme.»

Rolf Gerber hört genau, wie seine Uhren «ticken» müssen, um perfekt zu funktionieren.

Rolf Gerber hört genau, wie seine Uhren «ticken» müssen, um perfekt zu funktionieren.

Bild: Mathias Blattmann (Zug, 6. Dezember 2021)

Gerne erinnert sich Rolf Gerber daran, wie er das erste Mal in der Galerie «Das Da» von Alois Rasser ausgestellt hat. «Das war vor 30 Jahren, danach immer wieder. Später wurde ich Kompagnon.» Seit 2020 sei er alleine für die Galerie zuständig, die nun Rolf Manufaktur heisst. «Ich habe ziemlich viel investiert in neues Mobiliar und die Elektronik. Leider hat mir die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn schon im März 2020 musste ich schliessen.» Eigentlich sollte die Galerie bis auf weiteres geöffnet bleiben, aber als es noch einen Wasserschaden im Untergeschoss gab und er erfuhr, dass der Stadtrat im Haus gewisse Änderungen plant, entschied er sich für die Schliessung. «Am 22. Januar findet die Finissage statt. Danach kommen die restlichen Sachen in meinen Bastelraum in Steinhausen. Vielleicht kann ich hier später noch ein Schaufenster gestalten. In den letzten 15 Jahren habe ich am Wochenende immer die Galerie gehütet. Jetzt haben wir einen Enkel, und so schätze ich nun einen gewissen Freiraum.»