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ZUG: Seine Erfindung soll Staus verhindern

Künftig sollen sich Leitplanken automatisch verschieben lassen, sodass bei hohem Verkehrsaufkommen innert Minuten neue Fahrbahnen entstehen. Für diese Idee ist Tüftler Hermann Wenger mit dem Zuger Neuunternehmerpreises ausgezeichnet worden.
Christopher Gilb
Hermann Wenger entwickelt mit seiner Firma Dynaroads fahrbare Leitplanken. (Bild: Stefan Kaiser (Oberrüti, 11. April 2017))

Hermann Wenger entwickelt mit seiner Firma Dynaroads fahrbare Leitplanken. (Bild: Stefan Kaiser (Oberrüti, 11. April 2017))

Der Kanton Zug sagt dem Stau den Kampf an. Um das Verkehrsaufkommen in den Spitzenzeiten zu reduzieren, will er auf verkehrslenkende oder verkehrssteuernde Massnahmen setzen. Nützlich könnte ihm dabei die ­Erfindung des Zuger Start-ups Dynaroads sein. Der Tüftler Hermann Wenger hat lange bei der Baarer Gysi AG, die Fahrzeugrückhaltesysteme und Leitplanken herstellt, gearbeitet. Vor einigen Jahren machte er sich selbstständig. «Dank dem neuen Weitblick begann ich gewisse Schwächen bei bestehenden Verkehrsrückhaltesystemen zu sehen und mir über Lösungen Gedanken zu machen.»

Das Produkt, das er mit Hilfe von Ingenieuren entwickelt hat, ist ein dynamisches Fahrzeugrückhaltesystem. Um sich dessen Funktionsweise besser vorstellen zu können, zeigt er einen kleinen Präsentationsfilm: Eine massive Leitplanke steht wie gewohnt auf der Strasse. Dann kommt Bewegung ins Bild. Auf Knopfdruck fährt die Leitplanke Räder aus. Sie lässt sich wie ein ferngesteuertes Auto an einen neuen Standort lenken. «Die Steuerung könnte von der Verkehrsleitzentrale übernommen werden.» Was Wenger entwickelt hat, ist das Steuersystem mit den Rädern. Dieses soll dereinst in speziell dafür ausgehöhlten Leitplanken installiert werden. «Eine Steuereinheit reicht für mehrere miteinander verbundene Leitplanken aus. Die Steuereinheiten selbst sind dann ebenfalls miteinander verknüpft.»

Die Strasse dem Verkehrsaufkommen anpassen

Und so könnten bei hohem Verkehrsaufkommen oder Unfällen ganze Strassenspuren verschoben werden. «Bei den Einfahrten der Autobahn in viele Städte besteht das gleiche Problem: Morgens rollen viele Autos rein und abends wieder raus. Deshalb wäre es doch praktisch, wenn je nach Tageszeit in die eine oder andere Richtung mehr Spuren zur Verfügung stehen würden.»

Grosses Einsatzpotenzial sieht Wenger auch auf Baustellen. Inspiriert hat ihn dazu die Baustelle des Teilstücks der A1 zwischen Härkingen und Wiggertal: «Wenn die Durchfahrt durch die Baustelle verschoben wird, müssen die ganzen Leitplanken abgebaut und dann von einem Kran an den neuen Standort transportiert werden. Mit meiner Entwicklung kann die Absperrung sich selber verschieben – und dies innerhalb von zehn Minuten.»

Das Publikum bei der Verleihung des Zuger Neuunternehmerpreises hat er jedenfalls mit seiner Idee überzeugt. Acht Unternehmen, die neu im Kanton Zug sind, konnten letzte Woche in der Zuger Chollerhalle ihr Konzept vorstellen, das Publikum wählte gemeinsam mit der Jury Hermann Wenger zum Sieger. «Ich habe gemerkt, dass der Funken meiner Idee aufs Publikum übersprang.» 5000 Franken bringt ihm der Sieg ein, vor allem aber auch Anerkennung und Kontakte. Diese seien momentan das A und O. «Ich reise derzeit durch ganz Europa von einer Messe zur anderen. Es heisst zwischenzeitlich schon: Ach, der Schweizer ist wieder da.»

Bereits gibt es allerdings ein Konkurrenzprodukt zu Wengers Steuerung. Dieses wird unter anderem schon bei der bekannten Golden Gate Bridge in San Francisco eingesetzt. Ein spezielles Fahrzeug hängt sich an den Leitplanken ein und verschiebt diese. Dieses System habe einige Nachteile, so Wenger. «Damit die Leitplanken fortlaufend verschoben werden können, müssen sie leicht biegbar sein. Meine Steuerung kann aber in ein starres Konzept integriert werden, das viel Druck aushält.» Aufprallende Fahrzeuge können so besser abgefangen werden. «Zudem können die Leitplanken mit meiner Steuerung autonom gelenkt werden, was der Effizienz dient.»

Es läuft derzeit nicht schlecht für Hermann Wenger und seine selbstfahrenden Leitplanken. Vor allem auf Erfolge in Deutschland hofft er – weil es auf den dortigen Autobahnen viele Baustellen gibt. «Ich arbeite in Deutschland mit einer Firma für Leitplanken zusammen. Da sind die Chancen intakt, dass das System in naher Zukunft bei einer Baustelle ausprobiert wird. Für die Schweiz hingegen soll es anders laufen, hier hätte ich die nötigen Kontakte, um das System selbst kombiniert mit der Leitplanke anzubieten.»

Er setzt alles auf eine Karte

Hermann Wenger arbeitet mit Hochdruck daran, dass sein System bald aus dem Prototyp-Stadium herauswächst und in grösserer Masse produziert werden kann. Denn er hat, wie er verrät, finanziell alles auf eine Karte gesetzt. Doch wenn man seine zupackende und positive Art erlebt, fällt es einem sowieso schwer, an dieser Entscheidung zu zweifeln. «Ich weiss, dass es klappen muss, aber schlaflose Nächte habe ich deswegen keine.» Vielmehr elektrisiere ihn das Projekt. «Ich bin tagtäglich im Start-up-Rausch, es ist eine grossartige Erfahrung», sagt der 53-Jährige mit leuchtenden Augen.

Wer die Website von Wengers Firma Dynaroads ( www.dynaroads.com ) aufruft, erkennt unschwer, dass dem Zuger die Ideen noch längst nicht ausgehen. Im Netz präsentiert der umtriebige Tüftler nebst seinem Steckenpferd nämlich noch einige weitere von ihm entwickelte Produkte aus dem Bereich Verkehrssteuerung.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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