ZUG: Shorty erneut in Risch zu Gast

Die Fachwelt staunt über die Waldrapp-Dame Shorty – sie überwintert lieber in der Schweiz als im warmen Italien.

Luc Müller
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Sie ist wieder in Zug: Waldtrapp Shorty. (Bild: PD)

Sie ist wieder in Zug: Waldtrapp Shorty. (Bild: PD)

Sie ist wieder da: die Vogeldame Shorty, die mit einer Bronzestatue am Zugersee verewigt ist. Aktuell überwintert sie wieder in der Region Risch am Zugersee. Wie vor zwei Jahren. Rückblick: Im Herbst 2012 verlor der damals im Frühling geschlüpfte Waldrapp den Kontakt zu seinem Leitvogel, der ihn ins Winterquartier in der Toskana führen sollte. Shorty landete so alleine in der Schweiz und überwinterte 2013 am Zugersee in Risch. Das löste eine grosse Rückholaktion für den Waldrapp aus. Denn der Vogel mit dem länglich gebogenen Schnabel gehört zu einem Wiederansiedlungsprogramm für diese seltene Tierart. Weltweit existieren nur noch rund 30 Waldrappe, die ein Zugverhalten aufweisen.

Shorty hat einen eigenen Kopf

Seit 2002 engagiert sich ein Team von Biologen für den Schutz der Waldrappe. Projektmanager ist der Österreicher Johannes Fritz, der die Waldrapp-Dame Shorty genau beobachtet. Trotz grossem Aufwand – sogar ein professioneller Vogelfänger mit Netzkanone lag auf der Lauer – gelang es den Forschern vor zwei Jahren nicht, Shorty einzufangen. Nach Ende des Winters flog die Dame wieder selber zurück in ihr Brutgebiet im deutschen Burghausen. «Wir wollten sie damals zurückholen, damit sie nicht erfriert und weil sie zu einer sehr seltenen Spezies gehört. Was die Vogeldame macht, ist auch für die Fachwelt ganz aussergewöhnlich. Dass sie 2013 den harten Winter überlebt hat, war nicht zu erwarten. Sie hat einen ganz eigenen Kopf, ist sehr zäh und innovativ», schwärmt Fritz. Denn Waldrappe verfügen über keine Fettschicht oder ein dickes Federkleid, das sie vor der Kälte schützen würde. «Die Schweiz eignet sich deshalb eigentlich gar nicht zum Überwintern», betont Johannes Fritz.

Fehlprägung bleibt

Die Jungvögel werden mit dem ersten Flug ins Winterquartier in die Toskana geprägt. «Dabei sollen sie lernen, welche Route sie nehmen sollen, um in der Wärme Italiens zu überwintern. Nun gab es bei Shorty aber sozusagen eine Fehlprägung. Sie sieht nun nicht Italien, sondern die Schweiz als Winterquartier an.» Man habe zunächst gedacht, Shorty sei flexibler und könne ihre Wahl noch verändern. Deshalb wurde der Vogel im Herbst 2013 von den Waldrapp-Forschern per Auto in die Toskana gefahren – und im Frühling von dort wieder nach Burghausen chauffiert. Doch Shorty pfeift auf Italien als Winterquartier. Als die Forscher sie im vergangenen September wieder alleine losfliegen liessen, liess sie sich ganz bewusst in der Schweiz, zunächst in der Region St. Gallen, nieder. «Viele Hobbyornithologen haben mir Meldung gemacht. Shorty war auch sonst in Europa wieder Thema», sagt Fritz. Der Vogel ist beringt und verfügt über einen GPS-Sender, weshalb das Waldrapp-Team genau weiss, wo sich Shorty aufhält. «Wenn sie auch diesen Winter überlebt, wird die Schweiz nun ständiges Winterquartier für den Vogel. Deshalb fangen wir ihn nicht ein», erklärt Johannes Fritz.

Jungvögel dürfen nicht folgen

Im April dürfte Shorty wieder nach Burghausen fliegen. «Shorty ist dann geschlechtsreif und wird Nachwuchs haben. Danach müssen wir die Vogeldame im Auge behalten.» Denn wenn Shorty im Herbst zum Winterquartier fliegt, müsse man aufpassen, dass sie keine Jungvögel leite. «Sonst bleiben diese später auch in der Schweiz», so Fritz. Seit Januar pendelt Shorty zwischen Sempach, Dietwil AG und Risch. «Sie merkt, wenn die Temperaturen sinken. Dann hält sie sich in Risch auf, weil die Temperaturen am Zugersee angenehmer sind.»