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ZUG: Sie heisst «Hongkong»

Eine stattliche Villa hat von ihrem heimgekehrten Erbauer, einem wohlhabenden Uhrmacher, ihren exotischen Namen bekommen.
Aus viel Grün ragt die stattliche Villa Hongkong hervor. Rechts das Turmdach des Chalets Alpina. (Bild Maria Schmid)

Aus viel Grün ragt die stattliche Villa Hongkong hervor. Rechts das Turmdach des Chalets Alpina. (Bild Maria Schmid)

Man nimmt sie kaum wahr, die Reihe an bemerkenswerten Villenbauten am Oberwiler Kirchweg. Versteckt hinter viel Grün an einer Strasse mit Fahrverbot – sind sie Zeugen des Zuger Grossbürgertums in der Zeit um die Jahrhundertwende. Errichtet in der Zeitspanne von 1898 bis 1906, zitieren sie ganz unterschiedliche Architekturtypen, was wohl vom Geschmack des jeweiligen Bauherrn zeugt. Die Villa Sonnhalde beispielsweise, das erste Gebäude am Weg, entspricht am ehesten dem damals gängigen Stil des Historismus, gründerzeitliche Zierelemente auffassend. Auffallender hingegen ist das dritte Gebäude, das Chalet Alpina, welches – die Bezeichnung verräts – im rustikalen Schweizer Heimatstil mit viel Holz gehalten ist. Der markanteste Teil ist sein turmartiger Gebäudeaufsatz.

Wir schauen uns jetzt aber das zweite Gebäude in der Reihe etwas genauer an. Auch hier überragt ein Gebäudeteil die anderen, wenn auch marginal. Das aufgesetzte Helmdach jedoch markiert diesen Risalit deutlich als Turm. Während die Bezeichnungen der Nachbargebäude Sonnhalde und Alpina – recht herkömmlich scheinen, ist unser Gebäude mit dem Namen Villa Hongkong doch etwas aussergewöhnlich. Der Architekt Gustav Adolf Müller erbaute den Wohnsitz für den Zuger Uhrmacher Julius Keiser (1847–1930), Sohn des Franz Josef Keiser (1816–1896), ebenfalls Uhrmacher. Keiser Junior wirkte fast ein Vierteljahrhundert in Hongkong, wo er sein Handwerk ausübte. In Erinnerung an diese Zeit gab er dem Haus diesen für hiesige Gewohnheiten exotischen Namen.

Nun hat die Villa jedoch weder geschwungene Dachsparren, wie sie etwa chinesische Pagoden aufweisen, noch flankieren Wächterlöwen den Eingang. Das Erscheinungsbild des Gebäudes orientiert sich an einem heute nicht mehr existenten herrschaftlichen Haus im St. Galler Nobel-Wohnquartier Rosenberg. Seit 1990 steht die Zuger Villa unter Denkmalschutz. Eine umfassende Renovation brachte den Glanz alter Zeiten zu Tage. Die Räume des Hauses zeigen sich repräsentativ für den offensichtlichen Wohlstand des Bauherrn. Edle Parkett- und Plattenböden, kostbare Holzvertäfelungen, feine Stuckie­rungen, farbenfrohe Zierranken und qualitätvolle Fenstermalereien zeugen von Keisers gehobenem Wohnstandard.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

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