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ZUG: Sie sind in ihrer Trauer vereint

Einmal im Monat organisiert der Verein Palliativ Zug im Alterszentrum Neustadt ein Trauercafé. Die Teilnehmer schätzen es, sich im grossen Kreis offen über den Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen auszutauschen.
Marco Morosoli
Das Alterszentrum Neustadt in Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 2. Oktober 2015))

Das Alterszentrum Neustadt in Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 2. Oktober 2015))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Ein Mann stirbt um 7 Uhr in der Frühe in einem Zuger Altersheim. Eine halbe Stunde später erreicht die traurige Botschaft seine Söhne und seine Töchter. Diese treffen sich kurze Zeit später in einem Café und besprechen, was alles vorgekehrt werden muss. Zuerst geht es zum Zivilstandsamt, um die in diesem Fall vorgeschriebenen Formalitäten zu erledigen. Gleichzeitig wird noch die Abdankung organisiert. In einer Stunde ist alles erledigt. Hinterher folgt der Besuch beim Erbschaftsamt, und die Trauernden werden ihrem Schicksal überlassen.

So oder ähnlich erleben es viele, die einen ihnen nahestehenden Menschen verloren haben. In der heutigen Zeit, in der schwarze Kleider nicht mehr wie einst mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht werden, ist das Verarbeiten des Verlustes des Ehepartners, von Brüdern, Schwestern, Freunden und Verwandten eine Privatangelegenheit. Nicht wenige fühlen sich in ihrer Trauer alleine gelassen. «Heute heisst es dann schnell: Das Leben geht weiter», sagt Evi Ketterer von Spitex Kanton Zug, die für ein Jahr die Ansprechpartnerin ist. Dieser Formulierung widerspricht sie mit Nachdruck und sagt: «So einfach ist das nicht.» Und sie spricht aus Erfahrung. In ihrer täglichen Arbeit kommt sie mit dem Tod in Berührung und hat dabei bemerkt: «Die alte Kultur des Sterbens gibt es nicht mehr.»

Das Angebot gibt es seit drei Jahren

Um dem Tabuthema Tod eine Plattform zu geben, hat der Verein Palliativ Zug deshalb vor drei Jahren das Zuger Trauercafé initiiert. Betreut wird es von fünf Trägerschaften des Kantons Zug, die je eine Mitarbeiterin stellen. Nebst der Spitex beteiligen sich die beiden Landeskirchen, die Krebsliga und der Verein Hospiz Zug. Das Trauercafé findet jeweils am ersten Freitag des Monats im Alterszentrum Neustadt statt. Das Angebot scheint einer Nachfrage zu entsprechen. Evi Ketterer: «Es kommen jeweils zwischen fünf und zehn Personen vorbei, die das Bedürfnis haben, sich mit anderen zu unterhalten, die ebenfalls einen lieben Menschen verloren haben.» Eine Frau, die ihren Mann verloren hat, findet das Trauercafé eine gute Institution. «Der Austausch mit anderen, die im gleichen Boot sitzen, tut gut», sagt sie. Sie habe schon andere Trauernde auf das Angebot hingewiesen, ihnen Mut gemacht, auch mal hereinzuschauen.

Die Teilnehmer äussern sich durchwegs positiv

Eine andere Frau schätzt es, dass «ich nicht lange erklären muss, da ja die anderen, die im Kreis sitzen, vom gleichen Schicksal berührt sind». Sie habe jedenfalls bei den bisherigen Treffen immer etwas für sich mitnehmen können. Dies bestätigt eine weitere Teilnehmerin: «Es geht mir aber nicht immer gleich gut.» Es würden, so erzählt Evi Ketterer, auch ab und an Tränen fliessen.

Die monatlichen Treffen moderiert jeweils eine Fachperson. Ebenfalls zugegen ist eine Beisitzerin, die in Notfällen eingreifen kann. Dabei betont Evi Ketterer, dass es sich beim Angebot von Palliativ Zug nicht um eine Therapiestunde handle.

Es gibt ein paar Grundregeln zu beachten

Die Leiterin des Abends gibt jeweils einen Gesprächsinput, der aber von den Teilnehmern nicht immer aufgenommen wird: «Es soll ja versucht werden, dass die Trauer das Thema ist und nicht die nächsten Ferien.» Evi Ketterer nimmt sich aber zurück und sagt: «Die Teilnehmer sind die Experten und nicht ich.» Jedem Teilnehmer wird beim ersten Besuch eine Karte überreicht, auf der Grundregeln eines Kreisgesprächs aufgelistet sind: So rede ein jeder über sich und gäbe keine Ratschläge, da solche immer auch Schläge seien. Die wichtigste: «Ich rede ausserhalb des Kreises nicht darüber, was im Kreis gesagt wurde.» Es würde bei diesen Treffen auch nicht moralisiert: «Bei der Bewältigung der Trauer gibt es nicht richtig oder falsch.» Und Ketterer sagt auch, dass Trauerarbeit eine «Achterbahnfahrt» sei, die heutzutage in der Anonymität geschehe.

Im Weiteren betont Evi Ketterer, dass es sich beim Trauer­café um eine überkonfessionelle Veranstaltung handle: «Deshalb wird sie im Alterszentrum Neustadt und nicht in einer kirchlichen Umgebung durchgeführt.» Jeder sei im Kreis der Trauernden willkommen. Auf die Frage, ob sie oft Rückmeldungen von Teilnehmern bekomme, sagt Evi Ketterer: «Das sind wohl die Besucher, die nur einmal vorbeikommen.» Einige der Teilnehmer, so erklärt die Fachfrau von Spitex Kanton Zug, kenne sie bereits: «Wir betreuen viele Sterbende und haben deren Angehörige deshalb oftmals schon getroffen.» Dabei, so Evi Ketterer, sei die Endphase des Lebens sehr authentisch: «Der Tod stellt ein Stoppschild dar, vor dem es kein Zurück mehr gibt. Menschen kommen in dieser Zeit ohne Masken daher. Es ist wohl der einzige Augenblick, in dem man nicht mehr schauspielern kann.»

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