ZUG: Sie will eine vierte Säule für die Schweiz

Susanna Fassbind lanciert Genossenschaften, die Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften vergüten. Dank des Modells sparen Gemeinden Hunderttausende Franken.

Silvan Meier
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Susanna Fassbind will Kiss-Genossenschaften auch im Kanton Zug initiieren. (Bild: Alexandra Wey)

Susanna Fassbind will Kiss-Genossenschaften auch im Kanton Zug initiieren. (Bild: Alexandra Wey)

Einkaufen gehen, die Fenster putzen, das Bett machen, einen Hosenknopf annähen oder den Toaster reparieren: Solche kleine, alltägliche Aufgaben werden für viele ältere Menschen zur unüberwindbaren Hürde. Enge Angehörige, die einspringen könnten, wohnen zu weit weg, der Kontakt zu den Nachbarn in immer anonymer werdenden Quartieren fehlt. Oft bleibt den Senioren nur eine Alternative: der Weg ins Altersheim. Dabei wäre ein Umzug ins Heim rein aus pflegerischen Gründen gar nicht nötig. Für Susanna Fassbind ein unhaltbarer Zustand: «Die Hälfte der Heimbewohner gehört dort gar nicht hin.» Die energische 70-jährige Zugerin hat deshalb zusammen mit Ruedi Winkler und Jörg Watter vor drei Jahren den Verein «KISS – Zeit bleibt wertvoll» ins Leben gerufen. Dessen Ziel: Eine Nachbarschaftshilfe zu etablieren, die mit Zeitgutschriften vergütet wird. Freiwillige unterstützen nicht mehr ganz selbstständige, verunfallte, kranke oder behinderte Mitmenschen jeden Alters bei der Bewältigung des Alltags, erhalten dafür aber kein Geld. Dafür können sie die aufgewendete Zeit wie Geld auf einem Konto sparen und später selber in Anspruch nehmen – mit dem Vorteil, dass Zeit nie an Wert verliert.

In der Stadt Luzern und in Obwalden existieren bereits Genossenschaften. Nun will Fassbind auch im Kanton Zug das innovative Modell initiieren. Zwei Gemeinden zeigen Interesse.