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ZUG: Skulpturen lösen Assoziationen aus

Mit der ersten Einzelausstellung des österreichischen Bildhauers Michael Kienzer in der Schweiz wird heute das frisch sanierte Kunsthaus neu eröffnet.
Monika Wegmann
Der österreichische Bildhauer Michael Kienzer verwendet für viele Skulpturen industrielle Materialien. (Bild: Maria Schmid (Zug, 31. August 2017))

Der österreichische Bildhauer Michael Kienzer verwendet für viele Skulpturen industrielle Materialien. (Bild: Maria Schmid (Zug, 31. August 2017))

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Ganz unbekannt ist Michael Kienzer den Zugern nicht. Denn sein «Parasit», eine aus ineinander verknoteten Stahlschnüren bestehende Skulptur, belebt seit einigen Jahren den Hofgarten des Zuger Kunsthauses. Jetzt wird dem österreichischen Bildhauer (55) im Innern viel Platz zur Verfügung gestellt, er bespielt als erster Künstler die sanierten und neu helleren Räumlichkeiten.

«Der Zeitplan war sehr ambitioniert», sagte Direktor ­Matthias Haldemann an der gestrigen Medienorientierung. Nun sei die Ende Mai begonnene Sanierung des Kunsthauses weitgehend abgeschlossen, bis auf die Hofmauer aussen. Kurz zählt er auf, was alles dringend ersetzt werden musste. Vor allem die komplett neue Lichtanlage bringe eine sichtbare Verbesserung. «Die Sanierung ist kein Luxus, sondern dient einzig der Werterhaltung des historischen Gebäudes», betont Haldemann.

Linien spielen eine wichtige Rolle

Zusammen geht es auf einen Rundgang durch die Ausstellung «Lärm und Linien». Dabei orientiert Michael Kienzer über seine Auseinandersetzung mit Formen, Materialien und Räumen. Vor allem Linien spielen bei der Gestaltung der Skulpturen eine Rolle. Der Lärm der Bauzeit sei verschwunden, dem Begriff im Titel ordnet er eine metaphysische Bedeutung zu – eine Abkehr des Monumentalen. Ein Arbeiter hatte bei der Einrichtung gemunkelt, dass es hier aussehe wie auf einer Baustelle. Als Michael Kienzer das erwähnt, schmunzeln alle. Denn die meisten der neuen und älteren Skulpturen bestehen aus blechernen Platten, voluminösen Schrauben, Rohren, Magneten, Rollen, Folien sowie anderen industriellen Materialien. Selbst bei den raum­füllenden Arbeiten sind die einzelnen Teile nur zusammen geschraubt oder mit Magneten verbunden, meist zerlegbar – schwer und fragil ­zugleich. Die geometrischen Formen erscheinen häufig frag­mentarisch – nicht ungewollt. Kienzer: «Im Gegensatz zum Monumentalen sind meine Skulpturen als momentaner physischer Zustand mobil, der sich wie die Gesellschaft heute verändern kann.»

Im Dialog mit dem Werk Wotrubas

Man kann den Österreicher aber nicht auf einen Stil reduzieren. Seine Werke und Objekte sind stets im Wandel, in Wechsel­wirkung zu Umgebung und Zeit. ­Obwohl der Künstler nichts schweisst oder in Stein meisselt, beschäftigt den Bildhauer immer wieder die Frage, wie er auf den jeweiligen Raum reagieren müsse, um ihn zu verändern. Diese Überlegungen hätten beim Kunsthaus mit den verschieden grossen Räumen und Deckenkonstruktionen eine Rolle gespielt, worauf Kienzer speziell reagiert hat: «Das war spannend.» Der Bildhauer beschäftigte sich jedoch nicht nur mit der Architektur, sondern auch mit einem wichtigen Vertreter der Kunsthaus-Sammlung, dem Wiener Bildhauer Fritz Wotruba. Er habe ihn zwar nicht persönlich gekannt, sondern bei dessen Schüler Josef Pillhofer in Graz studiert. Kienzer war es wichtig zu betonen, dass er sich von dieser einflussreichen Persönlichkeit gelöst habe und einen eigenständigen Weg gehe. Dies wird insbesondere bei seiner wuchtigen, plastischen Rauminstallation deutlich, mit der er in Dialog tritt zu Wotrubas «Grosse Skulptur», die mit einem Kran von der Wiese hinter dem Haus in den Saal rechts gehievt worden ist. Die grauen, wuchtigen Träger, die den Saal beherrschen, münden in einen Stehenden, der die menschliche Figur auf das Minimalste reduziert. Im Untergeschoss dominiert die «Polygene Skulptur» den Raum, die bei einigen Anwesenden Assoziationen einer Spinne hervorruft.

Für Überraschung sorgen linkerhand die verspielten, farbigen «Flyer». Die angemalten Blechplatten stehen gruppenweise im Raum, an Treppe und Fenster mit Magneten angedockt. Und immer wieder blitzt auch der Humor in den Werken durch.

Mit zwei Kunstpreisen ­ausgezeichnet

Michael Kienzer lebt und arbeitet in Wien. Der 1962 in Steyr geborene Künstler stellt seit 1984 im In- und Ausland aus. 2011 wurde er mit dem Österreichischen Kunstpreis für bildende Kunst und 2015 mit dem Kunstpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Der Bildhauer nimmt in seinem Land eine zentrale Position ein im Bereich zeitgenössischer Skulptur.

Die Ausstellung wird von Matthias Haldemann kuratiert. Wie er informiert, wird sie mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen durchgeführt. Dort stellt Kienzer gleichzeitig aus, weshalb eine gemeinsame Publikation geplant ist.

Hinweis

Die Ausstellung «Michael Kienzer – Lärm und Linien» läuft bis 5. November im Kunsthaus Zug. Weitere Infos: www.kunsthauszug.ch

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