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ZUG: So ästhetisch kann Sicherheit sein

Die Fluchttreppe am Regierungsgebäude erfüllt zwar einen rein praktischen Zweck. Aber dank ihrer formschönen Gestaltung tritt sie in den Dialog mit der historischen Bausubstanz und geht so glatt als Kunst am Bau durch.
Andreas Faessler
Elegant, formschön, massiv und filigran zugleich: Die 2004 installierte Fluchttreppe – mit patinierten Bronzestäben verkleidet – ergänzt das klassizistische Regierungsgebäude durch ihre Gegensätzlichkeit.

Elegant, formschön, massiv und filigran zugleich: Die 2004 installierte Fluchttreppe – mit patinierten Bronzestäben verkleidet – ergänzt das klassizistische Regierungsgebäude durch ihre Gegensätzlichkeit.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Im Jahre 2004 wurde der ar­chitekturhistorisch bedeutende Kantonsratssaal im Zuger Regierungsgebäude letztmals umfassend renoviert. Insbesondere standen dabei neben Anpassungen an die aktuellen Nutzungsansprüche mehrere sicherheitstechnische Erneuerungen im Saal und in anderen Teilen des Gebäudes im Fokus. Ausschlaggebend hierfür war nicht zuletzt das folgenschwere Zuger Attentat vom 27. September 2001.

Eine dieser sicherheits­steigernden Einrichtungen war die Installation einer externen Fluchttreppe. Dafür wurde das am nächsten zum See gelegene Fenster der Nordseite zu einem Notausgang umgebaut. Dabei hat man aus Rücksicht auf das Erscheinungsbild des klassizistischen Saales Wert darauf gelegt, dass dies von innen kaum wahrnehmbar ist. Ohnehin wäre das Installieren einer Fluchttreppe aus feuerpolizeilicher Sicht nicht erforderlich gewesen, weil sich im Kantonsratssaal generell nicht mehr als 100 Personen zum selben Zeitpunkt aufhalten. Das haben Abklärungen mit der Gebäudeversicherung ergeben. Dennoch aber hat man sich schliesslich für eine Fluchttreppe entschieden, da einige Ratsmitglieder nach dem Attentat bezüglich ihres Sicherheitsempfindens stark sensibilisiert waren.

Nun sind externe Fluchttreppen ja meist reine Zweckobjekte und tragen normalerweise selten zur Ästhetik der Architektur bei, weshalb sie vornehmlich an der Rückseite von Gebäuden angebracht sind. Ganz anders beim Zuger Regierungsgebäude. Auch wenn sie im Schatten eines stattlichen Baumes steht, ist die Nottreppe hier prominent als Solitär an der seeseitigen nördlichen Gebäudeecke platziert. Er ist über eine Passerelle erreichbar. Das mit der Ausführung beauftragte Architektur- und Planungsbüro Bauart hat für die Fluchttreppe eine durchbrochene Ummantelung aus senkrecht angeordneten Baubronze-Stäben gewählt. Dadurch wirkt das Treppenhaus so gefestigt und massiv wie luftig leicht und filigran zugleich.

Der Grundriss ist elliptisch, was für den am Boden stehenden Betrachter nicht auf Anhieb erkennbar ist. Die Mittelachse der Ellipse ist in etwa einem 30-Grad-Winkel von der Gebäudefassade abgedreht. Bereits mit dieser Abweichung von der rechtwinkligen Ordnung der klassizistischen Architektur wird ein Spannungsfeld geschaffen. Dieses besteht in einer anderen Linie in der Auseinandersetzung von Historisch und Modern sowie der Beschaffenheit des Baumaterials – dort gehauener Sandstein, hier patinierte Bronze. Damit zwischen diesen beiden gegensätzlichen Baukörpern wieder subtil eine Annäherung entsteht, hat man die Bronzeelemente unregelmässig patiniert, um die Oberflächenstruktur der Sandsteinfassade zu zitieren.

Unter diesen wohlüberlegten ästhetischen Aspekten lässt sich die formschön gestaltete Fluchttreppe durchaus als Kunst am Bau einordnen, die mit dem historischen, stadtbildbestimmenden Regierungsgebäude aus dem 19. Jahrhundert in einen epochenübergreifenden Dialog tritt.

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