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ZUG: So gut sprechen Zuger Englisch

Neulich landete die Schweiz in einem inter­nationalen Ranking zu den Englischkenntnissen weit hinten. Doch für Zug darf dieses Ergebnis bezweifelt werden. Really.
Nicht zuletzt auch dank Englisch in den Primarschulen kommen Zuger Schüler schon früh in Kontakt mit der wichtigsten Sprache der Welt. (Bild Werner Schelbert)

Nicht zuletzt auch dank Englisch in den Primarschulen kommen Zuger Schüler schon früh in Kontakt mit der wichtigsten Sprache der Welt. (Bild Werner Schelbert)

wolfgang holz

«Yes, I speak riverly English! Can I you show our appetiteful eatcard?» Nein, mit so einem furchtbaren Kauderwelsch reicht sicher keine einzige Serviertochter im Kanton Zug ihrem Gast im Restaurant die Menükarte. Dafür ist Zug inzwischen einfach zu international. Und dafür können Zuger längst genügend Englisch – und zwar besser als der Schweizer Durchschnitt. Bekanntlich schnitt ja die Schweiz im kürzlich veröffentlichten English Proficiency Index nur mässig ab – hinter Deutschland und sogar hinter Rumänien und Ungarn.

«Nicht perfekt, aber ...»

Ein beachtliches Englisch-Niveau attestiert den Zugern zum Beispiel Natalie Albrecht. Die 44-Jährige, die früher sieben Jahre im englischsprachigen Kenia gelebt hat, managt seit Jahren das Internetportal «Zug Post» – in dem unter anderem Artikel der «Neuen Zuger Zeitung» auf Englisch tagesaktuell übersetzt werden. «Ich arbeite auch im Relocation-Service für Expats in Zug, und oft verlangen die Vermieter bei Wohnungsbesichtigungen, dass ich während des Rundgangs mit von der Partie bin.» Der Grund für diesen Wunsch sei meist, dass die Vermieter befürchten, zu wenig Englisch zu können. «Ich muss immer schmunzeln bei solchen Wohnungsbesichtigungen, wie gut die Zuger dann doch Englisch sprechen können – zwar nicht perfekt, aber ohne weiteres fliessend.» Das sei eben ein Beispiel für Schweizer Bescheidenheit. Wobei Albrecht sicher ist, dass die guten Englischkenntnisse vieler Zuger vor allem auch darauf zurückzuführen sind, «dass es sich eben in Zug lohnt, gut Englisch zu können».

Viele lernen freiwillig mehr Englisch

Eine Aussage, die wohl Matthias Steb­ler, Prorektor des Kaufmännischen Bildungszentrums Zug (KBZ), sofort unterschreiben würde. Denn in der Ausbildung der KV-Schüler habe Englisch längst ein «sehr grosses Gewicht». Er ist sich auch sicher – gerade wegen des überdimensionalen Anteils an internationalen Firmen in Zug –, dass hier besser Englisch gesprochen wird als in anderen Gegenden der Schweiz. Berufsmaturanden mit KV-Ausbildung würden im Fach Englisch ungefähr das B2-Level erreichen – gleichbedeutend mit dem Standard eines «First Certificate in English». Dies ist bekanntlich eine Fremdsprachenqualifikation auf höherem Mittelstufenniveau und belegt, dass man geschriebenes und gesprochenes Alltagsenglisch für Berufs- und Studienzwecke anwenden kann. Andere KV-Schüler, die nach dem zweiten Jahr schliessen, so Stebler, würden das ebenfalls gute B1-Level beherrschen.

Internationale Firmen mit Lehrlingen

«Das KBZ hat sich längst an die Bedürfnisse der Wirtschaft im Kanton Zug angepasst», sagt der Prorektor. Und versichert, dass viele KV-Auszubildende in ihrer Freizeit sogar noch freiwillig in Abendkursen nach höheren Englisch-Weihen streben würden – um eben noch kompatibler für internationale Firmen zu sein. «KV ohne Englisch ist heutzutage nicht mehr vorstellbar», lautet das Verdikt Steblers. Wobei das KBZ mit seinem derzeit bilingualen Pilotprojekt, in dem 16 Personen in einer gemischten Klasse fast rund um die Uhr Englisch sprechen und hören, eine weitere Lücke schliesst. Dank diesem Angebot können internationale Firmen in Zug nun auch mehr Lehrlinge ausbilden – darunter finden sich übrigens auch Kinder aus Expat-Familien.

Eine Firma in Zug, in der viel Englisch gesprochen wird, ist die Johnson&Johnson AG. Mit über 6000 Mitarbeitern ist der Hersteller von Konsumgütern, Arzneimitteln und pharmazeutischen Produkten in der Schweiz heute grösster amerikanischer Arbeitgeber und an verschiedenen Standorten ansässig. «Als weltweite Firma wird bei uns natürlich Englisch gesprochen», sagt Marika Farkas, verantwortlich für interne und externe Kommunikation. Auch in Zug sei die offizielle Firmensprache Englisch. Stelleninserate würden oftmals in Englisch, aber auch häufig in der lokalen Sprache publiziert. So mancher Schweizer werde durchaus für Führungsjobs in der internationalen Firma rekrutiert, etwa im Finanzbereich oder bei Human Resources. «Dort, wo eben auch viel Englisch gebraucht wird», so Farkas. Sie hegt keine Zweifel an den angegebenen Sprachkenntnissen von Bewerbern. «Der Schweizer blufft nämlich ungern.» Andererseits werde bei Johnson&Johnson in der Schweiz gerade in der Produktion oftmals die lokale Sprache gesprochen. Farkas: «Oder wenn einer etwa Aussendienstmitarbeiter im Aargau ist.» Für Englisch-Weiterbildungen der Mitarbeiter komme die Firma auf.

Auch Köche können Englisch

Doch auch im produzierenden Gewerbe wird immer mehr Gewicht gelegt auf gute Englischkenntnisse. Dies bestätigen Prorektor Alexandre Kobel und Peter Hess vom Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ). Gemäss den eidgenössischen Bildungsplänen haben die Berufe Informatiker, Elektroniker, Automatiker, Konstrukteur und Polymechaniker einen Englischunterricht an den Berufsfachschulen. Hess: «Viele dieser Lernenden erreichen den Level B1 und können sich recht gut in Englisch ausdrücken.» Bei den Köchen sei ein Englischkurs im Fachunterricht integriert. Und Kobel versichert, dass Berufsmatura-Absolventen in der Lage sein sollten, für internationale Firmen zu arbeiten. «Es gibt da natürlich Unterschiede wie überall. Man hört von vielen Abgängern, dass sie im Anschluss an die Lehre ein Zwischenjahr einlegen, in dem sie unter anderem auch Sprachaufenthalte im englischsprachigen Raum planen.»

So weit, so gut. Dass Einheimische aber so gut Englisch sprechen können, weil man ja überall so viel Englisch hört (siehe «Nachgefragt»), könnte ein Trugschluss sein. Stebler: «Denn man weiss ja nicht, wer da gerade Englisch spricht: Holländer, Skandinavier, Deutsche ...»

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