ZUG: So lebten die Römer im Kanton Zug

Wassermühlen, ein römisches Heiligtum, Tonstatuen, Eisenschmieden: Aussergewöhnliche Funde im Kanton Zug zeigen das Leben der alten Römer.

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Die Hauptautorinnen Caty Schucany (links) und Ines Winet (rechts) mit Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. Im Hintergrund, die im Bau befindliche Rekonstruktion der Mühle von Cham-Hagendorn. (Bild: PD)

Die Hauptautorinnen Caty Schucany (links) und Ines Winet (rechts) mit Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. Im Hintergrund, die im Bau befindliche Rekonstruktion der Mühle von Cham-Hagendorn. (Bild: PD)

In den 1940-er Jahren haben Forscher die am besten erhaltene römische Wassermühle von Europa in Cham-Hagendorn entdeckt. Vor rund zehn Jahren konnten Archäologen mit Rettungsgrabungen nachweisen, dass diese Wassermühle im Zentrum eines grösseren Areals mit unterschiedlichen Nutzungen gestanden hatte: An einem Nebenarm der Lorze befanden sich auch zwei Schmieden und ein Heiligtum. Die römische Bautätigkeit war intensiv und erstreckte sich insgesamt über rund 100 Jahre (170 bis 270 n. Chr.). Sie wurde wiederholt durch Überschwemmungen unterbrochen.

Wissenschaftliche Auswertungen

Das neue wissenschaftliche Werk nimmt eine umfangreiche Auswertung vor und führt zu neuen Erkenntnissen über die archäologischen Funde und die Deutung des weiteren Siedlungsraumes: Insgesamt acht Lebensbilder vermitteln einen Eindruck von den verschiedenen Nutzungsphasen und beleuchten auch rituelle, bauliche oder technische Details.

Kostbare Funde

Auf die grosse Bedeutung des Fundplatzes geben nicht nur die Gebäude und das Heiligtum Hinweise, sondern vor allem auch weitere archäologische Funde: Gefunden wurden mindestens 23 Terrakotta-Figuren, ein silberner Fingerring mit Merkurinschrift, ein silberner Halbmond-Anhänger, eine Glasperle mit eingebetteter Goldfolie sowie eine Glasfla-sche mit sehr spezieller Verzierung.

Das erwähnte Statuetten-Ensemble setzt sich aus elf Figuren der Liebesgöttin Venus, zehn Muttergottheiten (Matres) und zwei Kindgestalten zusammen. Es handelt sich um Weihegaben, die den Dank für einen erfüllten Kinderwunsch oder eine gut verlaufene Geburt ausdrücken.

Das neue wissenschaftliche Werk verbindet die Altbestände aus der Ausgrabung von Michael Speck aus den 1940-er Jahren mit den neuen Befunden aus der modernen archäologischen Untersuchung. Es wurde gemeinsam von der Direktion für Bildung und Kultur und der Direktion des Innern unterstützt und gefördert.

Hinweis: Das Buch ist zu beziehen bei: Archäologie Schweiz, Postfach 116, CH-4003 Basel. Telefon +41 61 261 30 78, Fax +41 61 261 30 76, E-Mail admin@archaeologie-schweiz.ch. Der Band ist auch im Museumsshop des Kantonalen Museums für Urgeschichte(n) Zug, Hofstrasse 15, 6300 Zug oder im Buchhandel erhältlich.