Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZUG: «So schlimm war es noch nie»

Die Wasserknappheit im Ägerital verschärft sich. Nur noch 40 Prozent der Quellen liefern noch Wasser. ­Darum wird jetzt auch der Ägerisee angezapft.
Hier in Unterägeri legt momentan kein Schiff mehr an: Die Bodenfreiheit ist nur noch gering, die grossen Steine sind gefährlich. (Bild Maria Schmid)

Hier in Unterägeri legt momentan kein Schiff mehr an: Die Bodenfreiheit ist nur noch gering, die grossen Steine sind gefährlich. (Bild Maria Schmid)

wolfgang holz

Es hört sich nicht nur dramatisch an. Die Wasserknappheit im Ägerital ist tatsächlich dramatisch. Unterägeris Brunnenmeister Markus Hugener von der Korporation spricht Klartext. «Nur noch 40 Prozent der Quellen im Ägerital sprudeln derzeit noch – der Rest ist versiegt.» Dabei strömen sage und schreibe 52 Quellstränge aus den Hügeln rund um den Ägerisee. Doch die wochenlange Trockenheit über den Sommer hinweg und im Herbst fordert nun ihren Tribut. «Die kurzen Regenfälle im Oktober und im September haben lediglich der Vegetation genützt», so Hugener. Es bräuchte jetzt wochenlange Regenfälle, um die Quellen wieder normal zum Sprudeln zu bringen. «So schlimm ist es noch nie mit der Trockenheit im Ägerital gewesen. Hätten wir nicht den See vor der Haustür, wären wir jetzt am Minimum wie viele andere Gemeinden in der Schweiz, die ausschliesslich vom Grundwasser leben müssen», sagt der Brunnenmeister.

Zwei riesige Wasserreservoirs

Doch es gibt noch den Ägerisee und den Zugersee im Kanton als riesige Wasserreservoirs, die man anzapfen kann. Was den Ägerisee betrifft, werden dort laut Hugener momentan im Seewasserwerk Oberägeri täglich Hunderttausende Liter Seewasser zur Trinkwasserversorgung aufbereitet. «Wir beziehen von dort im Augenblick zwischen 100 bis 160 Kubikmetern Wasser zwischen drei und sieben Uhr.» Dazu kommen noch die Hunderttausenden Liter von Seewasser, die Oberägeri derzeit aus dem Ägerisee pumpt, damit man im Dorf nicht dürstet. Um wie viele Liter Wasser es sich dabei aktuell handelt, war aus Oberägeri gestern nicht zu erfahren. Theoretisch kann Unterägeri pro Tag bis zu 800 Kubikmeter Wasser aus dem gemeinsamen Seewasserwerk Oberägeri beziehen, Oberägeri 2400 Kubikmeter. «Das Wasser aus dem See wird 40 Meter unterm Wasserspiegel geholt – es hat praktisch schon Trinkwasserqualität», versichert der Unterägerer Brunnenmeister. Trotzdem wird es mit Kohle- und Sandfiltern gereinigt, bevor es aus den Hähnen fliesst.

Aus der Sicht der Wasserwerke Zug (WWZ), die im Kanton Zug die Gebiete Zug, Cham und Hünenberg sowie Walterswil/Sihlbrugg mit Wasser versorgen, sieht die Situation angesichts der dauern­den Trockenheit noch nicht so dramatisch aus. «Das Trinkwasser, das die WWZ in ihrem Netz verteilt, besteht je rund zur Hälfte aus Grund- und Quellwasser», erklärt Robert Watts, Leiter Kommunikation und Marketing, bei der WWZ Energie AG. Die verschiedenen Standorte – zehn Quelleinzugsgebiete sowie drei Grundwasserpumpwerke, die das WWZ-Netz speisen, – würden unterschiedlich auf die aktuelle Trockenheit reagieren. «Sie tragen in dieser Breite aber sehr zur Versorgungssicherheit bei.»

Schiffe können nicht mehr anlegen

Auch die Schifffahrt auf den beiden Zuger Seen ist von der Trockenheit betroffen. Zwar verkehren im Herbst keine Kursschiffe mehr, doch noch immer werden Sonderfahrten angeboten.

Während auf dem Zugersee aufgrund des tiefen Wasserspiegels die Schiffe keine grösseren Probleme haben, ist die Ägeriseeschifffahrt stärker von der Trockenheit tangiert. Grund: der rund einen Meter tiefere Pegel im Vergleich zum normalen Wasserstand. Wie prekär die Situation im Ägerisee ist, verdeutlichen Messungen. «Da haben wir festgestellt, dass die Bodenfreiheit der Schiffe im Hafen Oberägeri bei den aktuellen Pegelständen gerade noch 15 Zentimeter beträgt», sagt Kathrin Howald, Mediensprecherin der Ägerisee Schiffahrt AG.

Die Anlegestelle in Unterägeri wird von den Schiffskapitänen aus Vorsicht gleich ganz gemieden. Howald: «Dort liegt die Bodenfreiheit bei gerade mal noch 10 Zentimetern. Unter diesen Umständen könnten voll beladene Schiffe auf Grund laufen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.