ZUG: So wurde Claude Nicollier Astronaut: «Vorbereitung ist alles»

Der ehemalige Astronaut Claude Nicollier ist am Donnerstag an der Kantonsschule gewesen. Er verriet, wie er es geschafft hat, als Astronaut ausgewählt zu werden.

Charly Keiser
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Claude Nicollier (Mitte) lässt sich mit Schülern der Kantonsschule Zug ablichten. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. September 2017))

Claude Nicollier (Mitte) lässt sich mit Schülern der Kantonsschule Zug ablichten. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. September 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Mit Claude Nicollier steht am Donnerstagnachmittag nicht irgendein Wissenschafter im Schulzimmer P24 der Kantonsschule Zug. Vielmehr ist der in Vevey geborene Romand der einzige Schweizer, der je im Weltall war. Insgesamt vier Flüge mit den Space-Shuttles Atlantis, Endeavour, Columbia und Discovery brachten den Physiker und Astrophysiker zwischen 1992 und 1999 ins All. Nicollier war zuvor Kampfpilot der Schweizer Armee und Linienpilot der Swissair.

Am 7. August 1992 gratulierte der Schweizer Bundesrat Adolf Ogi dem Astronauten. Seine Worte «Freude herrscht, Monsieur Nicollier» sind seither geflügelt und werden bei Erfolgen von Schweizern immer und immer wieder rezitiert.

Übervoller Terminkalender

«Ich habe Claude Nicolliers Terminkalender gesehen», sagt ­Willi Vollenweider, Mitglied der Schulkommission der Kantonsschule Zug. «Er hat mindestens ein Jahr im Voraus praktisch jeden Tag vordisponiert. Unglaublich.» Noch unglaublicher sei deshalb, dass er sich die Zeit nehme, nach Zug zu kommen. «Die Jugendarbeit macht ihm offenbar grosse Freude. Und er ist ein völlig normaler Mensch geblieben», sagt Vollenweider.

Tatsächlich plaudert Nicollier am Donnerstag vor dem anberaumten Pressetermin locker mit den Schülern, mit denen er zuvor einen Workshop durchgeführt hat. Die jungen Leute löchern ihn mit Fragen: «Was wird bei den Raketen, die die Raum­fahr­zeuge ins All tragen, für Treibstoff verbrannt?», will einer wissen. «Wie fühlten Sie sich nach den Flügen nach der Rückkehr auf die Erde?», fragt ein anderer. «Es fühlte sich an wie die Landung auf einem anderen Planeten, obwohl man die Erde erst vor zwei Wochen verlassen hat», sagt Nicollier und fragt zurück: «Was wollen Sie denn studieren? Physik an der ETH?» Er wünscht den jungen Leuten Glück und Erfolg für die Zukunft, bevor das Foto zur Erinnerung an den grossen Tag geschossen wird.

Ob die Prozeduren beim Fliegen und mit einer Raumfähre ähnlich seien, heisst die erste Frage des kurzen Pressemeetings. «Ja», sagt Nicollier und erklärt die Wichtigkeit der Prozeduren. Diese seien von enormer Bedeutung, um die Sicherheit zu optimieren und bei Problemen in Ruhe und mit Gelassenheit das Richtige zu tun. Und wie fühlt es sich an, als eine Art Roger Federer, der einzige Schweizer zu sein, der jemals im All war? «Ich hatte Glück», weicht Nicollier bescheiden aus und verneint beim Nachhaken, «stolz» zu sein. Er verrät in der Folge, warum er sein Ziel, Astronaut zu werden, tatsächlich erreicht hat. «Ich habe die Interviews wie eine Uni-Prüfung betrachtet und mich enorm gut vorbereitet. Vorbereitung ist alles», betont er. «Sie erhöht die Chancen, das angestrebte Ziel zu erreichen. Und dies gilt für alle Ziele, die man erreichen möchte.»