ZUG: Sommaruga: «Niemand löst die Probleme alleine»

Wir profitierten von der Zuwanderung – in gewissen Bereichen sorge sie aber auch für Probleme, sagt Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Monika Wegmann
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Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Gespräch mit SP-Parteipräsidentin Barbara Gysel. (Bild Stefan Kaiser)

Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Gespräch mit SP-Parteipräsidentin Barbara Gysel. (Bild Stefan Kaiser)

Der hohe Besuch aus Bern und das aktuelle Thema «Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung für die Schweiz» lockten gestern Abend zahlreiche Zuhörer in den Casinosaal in Zug. Der Anlass mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga fand im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der SP Kanton Zug statt. Deren Präsidentin Barbara Gysel wies zu Beginn auf die Situation im Kanton Zug hin, der eine der höchsten Zuwanderungsraten der Schweiz aufweise: «Die Zuwanderung ist hier Normalfall und keine Ausnahme.»

«Heimkehr» nach Zug

Die Bundesrätin, welche laut Gysel im Liebfrauenhof zur Welt gekommen ist, stieg charmant ins Referat ein und sagte, mit diesem Besuch sei sie fast ein bisschen nach Hause gekommen. Die Zuger Sicht bezüglich der Zuwanderung interessiere sie sehr. Das Thema Wachstum und seine Grenzen werde auch hier aktiv diskutiert. Allerdings habe die Zuwanderung in den einzelnen Regionen eine andere Bedeutung. Im Zentrum stehe aber die Frage: «Ist sie für die Schweiz ein Risiko oder eine Chance?» Hier gebe es zwei Seiten: Für die eine entstehe dadurch mehr Kriminalität und Zersiedelung, für die andere sei alles positiv. Sommaruga warnte aber vor Schwarz- und Schönmalerei, was sie mit Fakten unterlegte.

Trotz Zuwanderung gehe es unserem Land wirtschaftlich gut. «Viele Branchen können ohne sie kaum mehr existieren.» Sie sei auch nicht schuld, dass Züge und Strassen verstopft seien: «Die Schweizer Bevölkerung pendelt immer mehr – und nimmt zu, was zu einem Druck im Wohnungsmarkt führt.» Zug habe sich bei der Raumplanung vorbildlich gezeigt. Man müsse der Landschaft auch in Zukunft Sorge tragen.

Die Bundesrätin zeigte diverse Facetten auf, wo und wie sich die Zuwanderung bemerkbar macht, es gebe keine einheitlichen Schlüsse. «Die Bevölkerung wächst, da kann die Zuwanderung den Druck verstärken.» In gewissen Bereichen gebe es Probleme, verhehlte sie nicht: «Die Zuwanderung soll auch nicht zu Lohndruck führen.» Hier seien die Arbeitgeber in der Pflicht. Andererseits sei es wichtig, dass der Arbeitnehmer unsere Sprache beherrsche.

Zusammenleben braucht Regeln

Simonetta Sommaruga warnte wegen der kommenden Abstimmung zur Masseneinwanderungs-Initiative. Die Wirtschaft sei dagegen, weil mit der erneuten Einführung der Kontingente viel Bürokratie verbunden sei, zudem gefährde ein Systemwechsel die bilateralen Verträge I. In der Diskussion meldeten sich auch zugewanderte Personen. Einer kritisierte die geplante Änderung der Einbürgerungsbestimmungen, ein anderer die lange Dauer der Aufenthalts- und Einbürgerungsverfahren. Ein weiterer äusserte sein Unbehagen gegenüber der starken Zuwanderung. Ein Somalier zeigte sich dagegen dankbar dafür, dass er hier eine Lehre beginnen könne. Sommaruga ergänzte, dass die Themen Asyl und Zuwanderung oft vermischt würden. Der Bundesrat wolle die Verfahren beschleunigen. Die Einbürgerung soll die letzte Stufe der Integration sein. «Aber es braucht Regeln für das Zusammenleben.»

Mit beschwingter Musik wurde der Anlass umrahmt, an dem es für den hohen Gast neben Blumen weitere Geschenke gab: Stadtpräsident Dolfi Müller überraschte mit einem Zuger Farbkasten. Landammann Beat Villiger überreichte Süsses und dankte Simonetta Sommaruga dafür, dass sie die Zuger Anliegen immer wieder aufnehme.