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ZUG: Spendensammler verärgern Pendler

Derzeit ist der Bahnhof ein beliebtes Einsatzgebiet von Fundraisern. Nicht alle finden deren Verhalten in Ordnung. Die SBB verweisen auf einen 3-Meter-Radius – doch gibt es diesen wirklich?
Christopher Gilb
Einer der Fundraiser mit Tablet im Bahnhof Zug. An Charme mangelt es den jungen Leuten meist nicht. (Bild: Maria Schmid (Zug, 31. August 2017))

Einer der Fundraiser mit Tablet im Bahnhof Zug. An Charme mangelt es den jungen Leuten meist nicht. (Bild: Maria Schmid (Zug, 31. August 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Am Mittwoch ist es Amnesty International, am Donnerstag «Gesundheit für Afrika». Am Montag Pro Natura und am Dienstag Solidarmed. Während zweier Tage in der Woche – mehr ist an keinem Bahnhof erlaubt – ist der Bahnhof Zug derzeit Einsatzgebiet von sogenannten ­Fundraisern, die Spender für gemeinnützige Organisationen anwerben. Das Bild gleicht dem an vielen Bahnhöfen, doch nicht überall muss man – ob zum Gleis oder in den Supermarkt – so unausweichlich an ihnen vorbei wie am Bahnhof Zug.

Er müsse jeden Tag mehrfach durch den Bahnhof laufen, berichtet ein Zuger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Das heisst, er müsse regelmässig den Fundraisern sagen, dass er kein Interesse habe. Und es sei seiner Erfahrung nach nicht so, dass ein Nein diesen immer genügen würde, teils kämen Nachfragen im Sinne von: «Aber wollen sie nicht doch?» Er spende bereits an zwei Organisationen, und dies sage er dann auch. Andere gehen der Begegnung ganz aus dem Weg und suchen sich jeweils einen Spezialweg durch den Bahnhof. Wieder andere sehen es lockerer. Sie sei an die Fundraiser gewöhnt, so eine Frau mittleren Alters. Sie hätte die Erfahrung gemacht, dass viele ein Nein akzeptieren würden. Man dürfe eben nicht stehen bleiben, dann sinke die Gefahr, in Beschlag genommen zu werden. Ein junger Mann hat kein Problem mit den Fundraisern, nur Spenden würde er auf diesem Weg nicht, da habe er zu wenig Vertrauen bezüglich der Verwendung des Geldes. Immer wieder sind auch Passanten zu sehen, welche die Fundraiser an ihren Stand begleiten.

Der 3-Meter-Radius, der keiner ist

Dass die Spendensammler vor allem jetzt besonders auffallen, hat seinen Grund: «Der Bahnhof Zug ist im September ‹ausgebucht›», so SBB-Sprecher Daniele Palle­cchi. Die Nutzungsbestimmungen seitens der SBB seien klar definiert. Ein «Nein danke» oder eine ablehnende Geste der Passanten sei eine klare Botschaft, ein weiteres Nachhaken daher nicht zulässig. Zudem betrage deren Aktionsradius 3 Meter rund um die Standtheke. Zur Einhaltung der Vorschriften würden Stichkontrollen durch anwesendes Bahnhofpersonal durchgeführt. Die Zahl der Reklamationen an die SBB sei seit Jahren schweizweit konstant. Pro Jahr würden zirka zehn Stellungnahmen als Folge von Reklamationen von Fund-raising-Organi­sationen eingeholt. «Jede ein­gehende Reklamation wird abgeklärt. Es reicht die Angabe des Bahnhofs und des Datums», so Pallecchi. Ein Blick in den Bahnhof Zug an einem Montagnachmittag zeigt aber, dass der Aktionsradius nicht eingehalten wird. Die Fundraiser sind fast in der gesamten Halle aktiv. Auf den Radius angesprochen, zückt einer sein Tablet, findet aber im Vertrag nichts dazu. Er wüsste, dass es solche Bestimmungen gebe, in Zug jedoch nicht. Auf Nachfrage erklärt Daniele Pallecchi: «Tatsächlich muss eine solche Regelung jeweils von den Platzverhältnissen vor Ort abhängen. Aber grundsätzlich ist es so, dass die SBB in der Aktionsradius-Frage auf den gesunden Menschenverstand setzen.» Eine Antwort, die so interpretiert werden kann, dass die Fundraiser auch einmal ausserhalb des Radius sein können.

Bernhard Bircher-Suits ist für die Kommunikation bei der Spendenagentur Corris zuständig, die Infostandkampagnen im Auftrag etlicher namhafter Organisationen durchführt. Corris stelle im Herbst keine Häufung der Aufträge fest, sagt er. «Der Bahnhof Zug ist für Corris ein teurer Standplatz, und wir buchen ihn daher vergleichsweise selten – rund zweimal im Monat.» Zum vermeintlichen Fehlverhalten der Fundraiser befragt, schreibt Bircher, dass Corris, seine Kunden sowie die SBB grossen Wert auf einen sympathischen Auftritt legen. «Verstossen unsere Mitarbeitenden nachweisbar gegen unsere Verhaltensregeln oder SBB-Vorschriften, werden sie nachgeschult und bei gröberen Verstössen auch schriftlich verwarnt.» Nach dem 3-Mmeter-Radius gefragt, schreibt er: «Unsere Mitarbeitenden können die Standplatzbewilligungen – und die damit verbundenen Vorgaben des Vermieters – jederzeit elek­tronisch auf ihrem iPad abrufen.» Zur Qualitätssicherung gebe es zudem verdeckte Tests. Reklamationen habe Corris am Bahnhof Zug dieses Jahr keine erhalten.

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