ZUG: Spital lebt nochmals kurz auf

Die Band Troimer dreht ihren Videoclip im alten Kantonsspital. Und belebt die leeren Zimmer mit einer letzten Krankengeschichte.

Falco Meyer
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Im alten Kantonsspital ist der Videoclip zum Song «Wo ist die Sonne?» entstanden. Vor der Kamera stand der Schauspieler Walter Menzi als rätselhafter und selbst rätselnder Patient. (Bild Stefan Kaiser)

Im alten Kantonsspital ist der Videoclip zum Song «Wo ist die Sonne?» entstanden. Vor der Kamera stand der Schauspieler Walter Menzi als rätselhafter und selbst rätselnder Patient. (Bild Stefan Kaiser)

Ein Kran steht im Krankenzimmer, ein Wagen für die Kamerafahrt statt für den Tropf, ein Dreharm für den Schwenk statt für die OP. Scheinwerfer leuchten das Gesicht von Walter Menzi aus und machen es zu Kunst: Im alten Kantonsspital wird gerade gedreht. Die Zuger Rockband Troimer hat ein Team aus jungen Filmprofis rund um den Zuger Tom Gibbons zusammengestellt und mit einem Profischauspieler in die verlassenen Krankenzimmer geschickt: Der Song heisst «Wo bleibt die Sonne?», es ist einer ab dem neuen Album, das im Herbst herauskommen soll. Die Sonne steht draussen hoch, es ist Montag und Frühlingswetter, aber hier, hinter hundert dunklen Ecken, ist die Frage berechtigt.

Der Zeitplan ist schon strapaziert

Gibbons und Co. jagen dem Kantonsspital jedes Stückchen Schönheit ab, tauchen ehemalige Gebrauchsräume durch die Ästhetik der Kameralinse, beleben die verlorenen Krankenzimmer mit einer letzten Krankengeschichte. Am Set gehts hoch zu und her, der Zeitplan ist schon strapaziert, nur noch ein paar Szenen. «Die ganze Ausstattung haben wir angeschleppt», sagt Adriana Bravo lachend, die Sängerin und Organisatorin am Filmset, «auf die bin ich stolz.» Lesebrille, Pyjama, Kruzifix an der Wand. «Im Drehbuch geht es um einen Patienten, von dem man nicht so recht weiss, warum er da ist und worauf er wartet.» Und das verkörpert der Schauspieler Menzi perfekt, starrt mit eisblauen Augen in die Kamera, die Tektonik auf seinem zerfurchten Gesicht verschwindet erst wieder, wenn der Regisseur «Schnitt» schreit. Dann lächelt der 68-Jährige: «Das ist zwar das erste Mal, dass ich bei einem Musikvideo mitspiele, aber eigentlich kommt es auf dasselbe heraus. Spielen ist spielen.» Und mit so jungen Leuten zu arbeiten? «Aufs Alter kommts nicht an, nur auf die Professionalität. Und da sind die Leute hier wirklich top.»

Es ist ein Videoclip ohne Band, der hier entsteht, bloss mit Schauspieler und Filmcrew. Trotzdem sitzt der Bassist Roger Hürlimann im geheizten Teil des Kantonsspitals beim Verpflegungstisch und dreht sich eine Zigarette für draussen.

Nicht mehr nur draufhauen

Wie wird das neue Troimer-Album? «Wir wollen subtiler werden», sagt Hürlimann, «und dynamischer. Nicht mehr nur Vollgas draufhauen, das funktioniert zwar live, aber auf einem Album braucht es mehr Tiefe. Der Song für den Videoclip etwa ist recht ruhig und steigert sich erst am Ende.» Für das Album hat sich die Band ausgiebig Zeit genommen: «Wir haben mit unserem Produzenten Björn Bredehoeft eine Vorproduktion gemacht, gründlich an den Arrangements gefeilt, nochmals alles auseinandergenommen und viel stärker den Sound des Albums produziert.» Geht nicht irgendwann die Energie aus, wenn man so lange in ein Album investiert? «Nein», sagt Hürlimann und lacht, «ich finde, wir können da noch viel mehr investieren.»