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ZUG: Stadt Zug startet Pilotprojekt mit digitaler Identität

Die Stadt Zug bietet als weltweit erste Gemeinde allen Einwohnern die Möglichkeit, eine digitale Identität zu erhalten. Damit soll eine Konsultativabstimmung über «e-Voting» möglich werden.
Angefangen hat es mit der Kryptowährung Bitcoin. Nun soll nicht nur das Geld digitalisiert werden, sondern auch die Identität der Stadtzuger. (Bild: Stefan Kaiser (1.7.2016, Zug))

Angefangen hat es mit der Kryptowährung Bitcoin. Nun soll nicht nur das Geld digitalisiert werden, sondern auch die Identität der Stadtzuger. (Bild: Stefan Kaiser (1.7.2016, Zug))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Die Stadt Zug ist daran, ihren Ruf als Vorreiterin in Sachen Digitalisierung zu festigen. Seit rund einem Jahr akzeptiert sie die Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel für Dienstleistungen der Einwohnerkontrolle bis zu einem Gegenwert von 200 Franken. Gestern gab die Stadt nun bekannt, dass sie ab kommendem September allen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit bieten will, eine digitale Identität zu bekommen.

Diese soll auf einer App basieren, die persönliche Daten mit Hilfe von Blockchaintechnologie sichert und mit einer Kryptoadresse verknüpft. Vereinfacht: Die App auf dem Smartphone funktioniert wie ein selbst erstelltes digitales Schliessfach, in dem Daten der eigenen Identität abgespeichert sind. Zu Beginn müssen dort – wie auf der Einwohnerkontrolle – Name, Geburtsdatum, Heimatort und ein Identitätsnachweis, etwa die Nummer der Identitätskarte, angegeben werden. Dann muss die Person innerhalb einer Frist persönlich mit ihrer physischen Identitätskarte oder dem Pass sowie dem Smartphone bei der Einwohnerkontrolle vorbeigehen, um ihre digitale Identität beglaubigen zu lassen. Das Ganze funktioniert via Einscannen eines QR-Codes.

Was einigermassen umständlich tönt, soll in der Realität innert weniger Minuten erledigt sein. Dass der zwingende Gang auf die Behörde eine Schwelle darstelle, sei den Verantwortlichen bewusst, sagte Stadtpräsident Dolfi Müller gestern anlässlich der Präsentation im Zuger Stadthaus. Doch er hoffe, dass diese Schwelle nicht entscheidend sei, sondern das Signal.

Von einem solchen sprach auch Mathias Bucher vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern: Dank der Mitwirkung der Stadt Zug könne nun weltweit zum ersten Mal eine digitale Identität mit einer realen Person von einer Autorität, einer öffentlichen Stelle, beglaubigt werden. An der Entwicklung des Projekts beteiligt waren neben dem IFZ die Firmen Consensys-uPort aus Zug und ti&m aus Zürich.

E-Voting, Gebühren zahlen, Parkplätze mieten

Das IFZ und die beiden Firmen sind Mitte Juni an die Stadt herangetreten, dann sei alles sehr schnell gegangen. Das Projekt hat die Stadt laut Müller bisher keinen Franken gekostet. Denn für die Entwickler sei es wichtig gewesen, eine offizielle Behörde für das Projekt zu gewinnen, um Vertrauen in die Technologie zu schaffen. Rouven Heck von Consensys-uPort bestätigte diese Aussage: «Was gibt es Vertrauenswürdigeres als eine Schweizer Behörde?», fragte er rhetorisch.

Bucher betonte, der Vorteil der digitalen Identität sei, dass kein Passwort mehr gesetzt werden müsse und dass die persönlichen Daten bei der jeweiligen Person in der App unter Verschluss seien. Ein Schlüssel zu den Daten ist auf einer Blockchain hinterlegt. Blockchains sind, vereinfacht gesagt, dezentralisierte Datenbanken, auf denen alles mögliche verwaltet werden kann, auch etwa virtuelles Geld. Der Unterschied zum gegenwärtigen System ist, dass es keine zentrale Datenbank mehr gibt, die Daten also dezentral auf Servern verteilt sind. Befürworter dieser Systeme sehen einen grossen Vorteil darin, dass eine Blockchain nicht im Nachhinein manipulierbar ist. Dies, weil jeder Block des Systems verschlüsselt versiegelt und an den vorangegangenen Block – ebenfalls verschlüsselt – gekettet wird.

Das Thema Datensicherheit dürfte bei der Lancierung der digitalen Identität im Herbst für Gesprächsstoff sorgen. Hat die Stadt keine Bedenken diesbezüglich? «Doch, das war eine der ersten Fragen, die wir gestellt haben», so Dolfi Müller. Doch man habe bereits gute Erfahrungen gemacht mit der Einführung der Blockchainwährung Bitcoin und habe auch dieses neue Projekt intern seriös abgeklärt.

Auch die Stadt hat nicht uneingeschränkt Zugriff auf die persönlichen Daten. Müller: «Wir wollen diese digitale ID eben nicht zentralisiert bei der Stadt.» Die Stadt hat also nur Zugriff auf Daten, die sie beglaubigt hat.

Die App als «Schliessfach» mit den Daten stellt nur einen Teil der beglaubigten digitalen Identität dar. Die andere Seite ist ein neues Onlineportal der Stadt Zug. Dort soll man sich ebenfalls durch das Einscannen eines QR-Codes einloggen können. Auf dem Portal will die Stadt dann Dienstleistungen wie E-Voting (Abstimmungen), Gebühreninkasso oder Vermietungslösungen im öffentlichen Raum, etwa Langzeitparkplätze, anbieten. Die ersten Anwendungen will die Stadt Anfang 2018 aufschalten. «Jetzt sind wir in einer Pionierphase. Richtig spannend wird es aber erst, wenn wir Dienstleistungen anbieten», so Müller. «Die digitale ID ist quasi mal der Fahrausweis, jetzt braucht es noch das Auto.» Er betonte aber: Die digitale Identität sei eine Wahlmöglichkeit, «es wird niemand gezwungen».

Ob eine Mehrheit der Zuger E-Voting befürwortet, wird jedenfalls eine Konsultativabstimmung zeigen, die im Frühling 2018 stattfinden soll.

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