ZUG: Stefan II. ruft eine schlanke Fasnacht aus

Der neue Prinz der Letzibuzäli verordnet den Fasnächtlern eine Diät. Sein Vorgänger will sich allerdings nicht so ganz daran halten.

Susanne Holz
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Sie sind in Zug in fasnächtlicher Mission unterwegs: Letzibuzäli-Prinz Stefan II. Meier mit seinen Ehrendamen Carmen Meier (rechts) und Gaby Rogenmoser. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

Sie sind in Zug in fasnächtlicher Mission unterwegs: Letzibuzäli-Prinz Stefan II. Meier mit seinen Ehrendamen Carmen Meier (rechts) und Gaby Rogenmoser. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

Das war ein lustiger Abend für die Zuger Zunft der Letzibuzäli, man könnte auch sagen: Die Überraschungen blieben am Samstag im Pfarreiheim St. Johannes nicht aus. Sprach sich doch der soeben auf den Thron gehobene Prinz Stefan II. Meier – bekannt als Supergastronom und langjähriger Chef des Zuger «Rathauskellers» – für eine Verschlankung der Fasnacht aus und regte mit seinem Motto «Weniger ist mehr» die Narren dazu an, den Gürtel enger zu schnallen. Das, nachdem der neue Prinz und seine zwei charmanten Prinzessinnen Carmen Meier und Gaby Rogenmoser erst mal mit Verspätung den Weg zur Inthronisation gefunden hatten.

Diese Verspätung allerdings gab dem abtretenden Prinz Charly I. Keiser die Möglichkeit, nochmals so richtig aufzutrumpfen. Als hätte der letztjährige Prinz den Braten schon gerochen und die Diätpläne seines Nachfolgers furchtsam vorausgesehen, schob er jedweder Askese den Riegel vor, bat fünf hübsche Damen aus dem Publikum zu sich und seinen zwei Prinzessinnen Ursula und Emanuela auf die Bühne und ernannte die fünf Schönen zu seinem «Prinzessinnen-Komplettierungskomitee» – per Dekret und in allerletzter Minute. «Jetzt bin ich gerüstet», bemerkte Charly I. erleichtert. Denn kurz darauf tauchte sie dann doch noch auf: die neue närrische Adelsmacht im Zuger Herti. Und machte der haltlosen «Sonderusgab» der vergangenen Regentschaft ein Ende.

Fast Food für Stefan II.

Tongenau angekündigt vom Tambouren-Wirbelwind betraten sie in edlem Blau-Weiss die Bühne: Prinz Stefan II., Prinzessin Carmen und Prinzessin Gaby. Die Zunft der Letzibuzäli, gutmütig wie sie ist, nahm die Verspäteten herzlich auf und den Gesinnungswandel unerschrocken hin, auch wenn Zeremonienmeister Beni Portmann leicht ausser Atem meinte: «Wir haben keine einfachen Prinzen, sie fordern uns immer mehr und immer mehr und immer mehr ...» Und Zunftmeister Richard ­Rüegg bekundete: «Mir fällt ein Stein vom Herz – der Prinz ist da.» Der neue Prinz, so war zu erfahren, «ist aufgewachsen in Rütihof im Aargau – jetzt hämer die halt au gärn». 57 Jahre alt sei er und deshalb auch noch so fidel. Und: Der im Sternzeichen Stier geborene Feinschmecker möge lieber Wein als Bier. Nichtsdestotrotz schenkten die Letzibuzäli ihrem neuen Oberhaupt einen Gutschein für drei Mal «Happy Meal» bei der sternelosen Konkurrenz.

«Weniger ist mehr»

Kurz und knapp war dann die Rede des neuen Prinzen, ganz mottogetreu. Stefan II. bedankte sich dafür, sein Amt ausüben zu dürfen und wünschte allen eine schöne Fasnacht. «Zufriedenheit und Wertschätzung sind wichtig, ob jemand mehr oder weniger besitzt oder gibt, spielt keine Rolle, nur von Herzen muss es kommen.»

Das war das Stichwort für die zahlreichen Gratulanten: Die Fasnachtsgesellschaft Baar hiess den Zuger Prinzen bei sich willkommen, an den Terminplan müsse er sich allerdings halten. Die Fasnachtsgesellschaft Steinhausen überreichte ohne viel Trara einen Bordeaux. Auch vom Grossen, Allmächtigen und Unüberwindlichen Rat der Stadt Zug gabs eine gute Flasche Wein. Die Vertreter der Zuger Chesslete schenkten eine warme Mütze und hofften: «Nach Metzger, ‹Bären›-Beizer und ‹Oswald›-Suppenkocher – jetzt gibts beim Umzug sicher einen Mehrgänger statt nur Würstli!» Blieben noch die Wylägerer mit ihrem spontanen Humor: «Häsch du es Süppli uf em Härd gha, denn alli andere sind pünktlich da ...?», fragten sie keck und meinten: «Weniger ist mehr, hoffentlich kommt im ‹Rathauskeller› jetzt nicht nur noch die Hälfte auf die Teller.»