ZUG: Steht die Maturareise vor dem Aus?

Unter Schülern hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Abschlussreise gestrichen wird. Die offiziellen Stellen winken ab – betonen aber, dass die Reise einen Zweck hat.

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Eine 6. Klasse der Kantonsschule Zug war bis vor kurzem auf ihrer Maturareise in Amsterdam. Zum Programm gehörte auch ein Veloausflug. (Bild: PD)

Eine 6. Klasse der Kantonsschule Zug war bis vor kurzem auf ihrer Maturareise in Amsterdam. Zum Programm gehörte auch ein Veloausflug. (Bild: PD)

Darauf freuen sich die meisten seit der 1. Klasse der Kantonsschule Zug (KSZ). Die Maturareise, jene grosse Reise irgendwohin in Europa, zusammen mit allen Klassenkameraden und -kameradinnen. Sechs Jahre lang warten die Schüler darauf, bis es dann so weit ist und sie eine Woche ins Ausland verschwinden zu können. Doch wie lange ist dies noch der Fall? Gerüchten zufolge, die in der Kantonsschule Zug hartnäckig unter den Schülern kursieren, soll die Abschlussreise der 6. Klassen abgeschafft werden.

Erste Anzeichen, die in diese Richtung deuten, gibt es bereits. Der Kanton hat nämlich die Subvention für die Maturareise für das nächste Jahr gestrichen. Diese betrug 60 Franken pro Schüler. Und Zug wäre nicht der einzige Kanton, der sich so was überlegt. Auch andere Kantone haben die Studienreise abgeschafft. So etwa St. Gallen. Dort wurde sie gestrichen, um Geld zu sparen.

Braucht einen Mehrwert

Stephan Schleiss, Vorsteher der Direktion für Bildung und Kultur, ist grundsätzlich nicht dafür, die Maturareise im Kanton Zug zu streichen. Er hat seine eigene Maturareise in guter Erinnerung behalten. «Es war ein schöner Abschluss für meine Schulzeit.» Doch für ihn ist das Konzept der Reise wichtig. «Die Maturareise ist ein sinnvolles Gefäss, um sich sozial und kulturell zu betätigen, aber es muss auch einen Mehrwert bieten», sagt Schleiss. Bei Nachfrage, ob bei einer möglichen Streichung der Maturareise die Kosten eine Rolle spielten, antwortet der Bildungsdirektor: «Man muss es gesamthaft sehen. Es ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern es sind auch andere Aspekte wichtig.»

Bei genauerer Nachfrage bei der Schule wird klar, dass Lehrer und Schulleiter eigentlich einen positiven Bezug zur Maturareise haben. «Es ist ein Angebot der Schule, bei welchem wir natürlich auch darauf Wert legen, dass es eine Studienreise ist, um neue kulturelle und historische Dinge in einer europäischen Stadt zu erleben», sagt Rolf Peterhans, Direktor des Gymnasiums Oberstufe der KSZ. «Uns ist klar, dass es auch ein bereicherndes und soziales Ereignis sein sollte. Deshalb versuchen wir, diesen Brauch aufrechtzuerhalten», sagt Peterhans.

Die Maturareise findet immer in der Woche vor den Herbstferien statt und ist je nach Reise fünf bis sechs Tage lang. Weil es zur Schulzeit gehört, werden die Klassen von Lehrern begleitet, und ein Programm muss geplant sein. Der Direktor weiss aber auch von anderen Fällen: «Viele andere Kantonsschulen bieten keine begleiteten Maturareisen mehr an. Die Schüler planen selber eine Reise im privaten Rahmen.» Wichtig sei, dass die sozialen Kontakte in der Klasse bewusst gepflegt werden, ohne dass es ein konsumorientierter Anlass werde. So sieht es das Reglement der Kantonsschule Zug vor.

Wichtiger Austausch

Wie Peterhans war auch Urs Leisinger, Co-Präsident der Lehrerorganisation der KSZ, schon auf einigen Studienreisen als Begleitperson anwesend. Er habe diese Erfahrung dabei als nachwirkend und bereichernd gefunden. «Es war für mich wichtig und witzig, Schülerinnen und Schüler mal von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen», sagt Leisinger. «Solche Erlebnisse sind für mich als Lehrperson sehr wichtig, da im Schulalltag nicht genug Zeit dafür bleibt.» Doch nicht immer sei die Maturareise gut verlaufen.

«Es gab auch schon Zeiten, wo ich für deren Abschaffung war. Ich hatte kurz hintereinander erlebt, wie Schüler sich anderen Personen gegenüber sehr rücksichtslos aufführten, Mobiliar zerstörten und sich zudem so riskant verhielten, dass ich dafür einfach nicht die Verantwortung übernehmen konnte», sagt Leisinger. Trotzdem hat er in den letzten Jahren viele gute Maturareisen erlebt, auf welchen die Schülerinnen und Schüler auf die Inputs der Lehrer eingingen und die Lehrer dann auch offen waren für die Ideen der Schüler. «Faszinierend ist für mich auch die immense Energie und Lebenslust, die freigesetzt wird – im Unterricht bricht die ja selten so ungehemmt durch.»

Eine Schülerin aus der Kantonsschule, die gerade von ihrer Maturareise zurückgekommen ist, sagt zu dem Thema: «Es war die letzte Chance, als Klasse etwas zu unternehmen. Man geht vier Jahre lang zusammen in eine Klasse, und man wird sich dann auf einmal nicht mehr sehen. Der Klassenzusammenhalt wächst in dieser Woche dadurch stark. Deshalb sollte die Maturareise nicht abgeschafft werden! Es ist eine Tradition.»

Aline Zengaffinen