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ZUG: Stoffläden werden immer rarer

Mit der Schliessung eines Stoffgeschäfts an der Baarerstrasse schrumpft deren Zahl in der Stadt. Trotzdem blicken die Betreiber anderer solcher Läden optimistisch in die Zukunft.
Mit der Schliessung verschwindet einer der wenigen Stoffläden in der Stadt Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 2. März 2018))

Mit der Schliessung verschwindet einer der wenigen Stoffläden in der Stadt Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 2. März 2018))

«Totalausverkauf» prangt in grossen Buchstaben am Schaufenster des Stoffladens an der Baarerstrasse. Das Geschäft schliesst. Über die Gründe will die Betreiberin des betroffenen Ladens keine Auskunft geben. Mit der Schliessung verliert das in Zug sonst schon kleine Spektrum solcher Geschäfte einen weiteren Laden. Ist das Angebot also schlicht nicht mehr gefragt?

Davon kann nicht die Rede sein. Wie eine Umfrage zeigt, scheint es den verbleibenden Läden gut zu gehen. Toni Imboden, Inhaber des Bernina-Nähcenters an der Gubelstrasse, macht sogar einen Trend aus. «Eine gute Nähmaschine ist teuer. Darum können sich viele junge Leute keine kaufen. Sie greifen auf die Maschinen der Eltern zurück», so Imboden. Er sehe dennoch eine steigende Tendenz zum Selbstgemachten, gerade bei den Jungen: «Sie gehören vermehrt zu unseren Kunden. Viele kaufen Mercerieartikel ein, um alte Dinge, vor allem Kleider, aufzupeppen.» Unter Mercerie versteht man zusätzliche Nähutensilien wie unter anderem Knöpfe, Bänder, Nadeln und Fäden.

Männer vermehrt als Kunden

Bezogen auf den Stoffverkauf seien die Zahlen eher rückläufig. Wie Imboden erklärt, kaufen Kunden des öftern Stoffe im nahen Ausland zu tieferen Preisen ein. Auch auf Reisen werden vermehrt exotische und spezielle Stoffe aus dem Ausland eingekauft. Trotz des Rückgangs sieht er im Stoffverkauf für die Zukunft aber Chancen. «Der Schwerpunkt wird zukünftig nicht auf der Quantität sein, sondern auf Qualitätsstoffen», ist Imboden. sicher. Die Vielfalt des Sortiments sei nicht entscheidend, man biete lieber Qualitätsstoffe in allen Farben an.

Thomas Huwiler, Unternehmensleiter der Alja Nouveau AG, die in Zug an der Gotthardstrasse ein Stoffgeschäft betreibt, spürt den Trend zur jungen Kundschaft ebenfalls. Junge Leute würden vermehrt auf die Angebote des Geschäfts zurückgreifen. So seien beispielsweise Nähkurse für Teenager sehr schnell ausgebucht. Zur Kundschaft zählen zudem vermehrt auch Männer. «Frauen machen zwar den Grossteil der Kundschaft aus, tendenziell aber finden immer mehr Männer Gefallen am Nähen und Sticken und somit den Weg ins Stoffgeschäft», sagt Huwiler und ergänzt: «Das vermehrte nachhaltige Denken sowie die ökonomische Denkweise sind Gründe für den Boom zum Selbstgemachten.» Ebenfalls besitze man mit eigens designten Kleidern ein Unikat. Dieser Gedanke sei ein weiterer Grund, weshalb zur Eigeninitiative gegriffen werde. «Die Chance der Stoffläden liegt im Wunsch der Kunden nach Individualität», so Huwiler.

Die Umsatzzahlen aus dem Online- und Versandhandel in der Schweiz sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Jahr 2017 kauften Herr und Frau Schweizer für 8,6 Milliarden Franken online ein, Tendenz steigend. Dies stellt der Verband des schweizerischen Versandhandels in einer Statistik fest. Dennoch liege der Fokus im Stoffhandel nicht auf dem Onlineverkauf, da sind sich Thomas Huwiler und Toni Imboden einig. «Der Service im Laden und die Beratung bezogen auf die Stoffe werden bei den Kunden sehr geschätzt», sagt Toni Imboden und ergänzt: «Viele Internetkunden sind Preiskäufer, das billigste Angebot gewinnt und die Qualität ist der Verlierer.» Er seinerseits legt den Fokus lieber auf das Kundengespräch als den Onlinehandel. Auf den persönlichen Service setze auch Thomas Huwiler. «Wer eine Jacke selber machen will, findet in einem Laden zusätzlich benötigtes Material wie beispielsweise Knöpfe und Fäden und kann alles aufeinander abstimmen.»

Sabrina Tanner

redaktion@zugerzeitung.ch

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