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ZUG: Strafgericht: Streit um die Interpretation von WhatsApp Chats

Gestern ging der Prozess am Strafgericht wegen eines versuchten Mordes weiter. Die Verteidiger stellten den Inhalt der diversen Chats als falsch interpretiert dar und verlangten für ihre Mandanten Freispruch.
Whatsapp verschlüsselt ab sofort alle Daten. (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Whatsapp verschlüsselt ab sofort alle Daten. (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Eine 39-jährige Rumänin soll gemeinsam mit ihrem 46-jährigen Liebhaber versucht haben, mit Medikamenten ihren 51-jährigen Ehemann, mit dem sie in Zug gelebt hatte, zu vergiften. Eines ihrer Motive: das Erbe. Der Ehemann scheint über gewisse finanzielle Mittel und Eigentum zu verfügen. Zum Vollzug habe sie dann zerstampfte Schmerzmittel in die verschiedenen Schnäpse gemischt, welche der leberkranke Alkoholiker täglich zu sich nahm. Gerade gewisse Mengen Paracetamol könnten in Verbindung mit dem Leberschaden tödlich sein.

Am Montag fand vor dem Strafgericht der erste Verhandlungstag zu der Tat mit dem «besonders perfiden Plan», wie es der Staatsanwalt formulierte, statt. Während der Beweisaufnahme wurden vor allem diverse WhatsApp-Chats gesichtet. In diesen hatten die Angeklagten immer wieder über Dosierungen und Medikamente geschrieben, gepaart mit Aussagen wie «er muss jetzt weg». Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer zehn Jahre unbedingte Haft für jeden der beiden. Die Beteuerungen der Angeklagten, die, von es war ein Spiel bis man habe dem Opfer nur medizinisch helfen wollen, reichten, prallten an ihm vollkommen ab.

Am zweiten Verhandlungstag hatten nun die Verteidiger das Wort. Beide plädierten auf unschuldig. Der Verteidiger des 46-Jährigen stellte unter anderem den Informationswert der Chats in Frage, denn nur weil sein Mandant sich nicht mehr an jeden Kontext der 7000 Nachrichten erinnere, werde ihm dies nun zum Verhängnis. «Für meinen Mandanten waren die Chats Mittel zum Zweck.» Die Unterhaltungen über Substanzen seien höchstens Gedankenspiele gewesen. Die sein Mandant zudem unterhaltsam gefunden habe. Sein Mandant mache gerne das eine oder andere Geschäft und hätte die Hoffnung gehabt, über die Ehefrau an Waren zum Verkauf zu kommen. Dies sei sein Ziel gewesen. Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte behauptet, von der Angeklagten Schmuck erhalten zu haben.

Einsam und unter dem Ehemann gelitten

Auch sei sein Mandant eben eine wichtige Bezugsperson für die Ehefrau gewesen, die sehr alleine in der Schweiz gewesen sei mit einem Ehemann, der aufbrausend und aggressiv habe sein können. Als er das sagt, schüttelt der Ehemann im Publikum ungläubig den Kopf. Zudem habe der Ehemann alles mögliche konsumiert: Alkohol, Tabletten, Koks, Marihuana. Und auch mal zu hause in die Ecke uriniert und gekotet. «Da ist es nachvollziehbar, wenn der Wunsch entsteht, auszubrechen.» Sein Mandant habe die Verhältnisse zwischen den beiden gut gekannt. Zudem nehme er selbst Schmerztabletten und habe deshalb für die Behandlung der Schmerzen ihres Mannes nur Tipps geben wollen. Verantwortlich für die Schmerzmittelkonzentration, die in der Haarprobe des 51-jährigen Opfers gefunden worden sei, sei dieser wahrscheinlich selbst. Und er habe danach den Konsum im Detail wohl wieder vergessen. «Jeder Körper macht irgendwann schlapp.» Als es um den Eventualantrag ging, nahm der Verteidiger die Angeklagte in die Verantwortung. Falls das Gericht nicht auf unschuldig entscheide, sei sein Mandant als Helfer zu verurteilen. Ausgeführt hätte sie es auch ohne ihn. Er solle in diesem Fall höchstens wegen Gehilfenschaft bei einer Vorbereitungshandlung zu zwei Jahren bedingt verurteilt werden.

Eine Dreiecksbeziehung ausserhalb der Normalität

Der Verteidiger der Frau stieg dann mit voller Wucht ein. Man müsse sich vor Augen halten, dass es sich bei den Beteiligten dieser Dreiecksbeziehung um spezielle Personen handle. Bei denen nichts normal ablaufen würde. Bestehend aus einer «notgeilen Frau», einem «latent Kriminellen» und einem «krassen Alkoholiker». Damit wollte er dem Gericht offenbar vermitteln, dass unter diesen Gesichtspunkten auch die vermeintlichen Beweise anders beurteilt werden müssten. Auch er vermutet ein Geschäft zwischen Angeklagtem und Opfer. Doch mit anderen Waren. «Es ging um Drogen.» Dabei sei das Opfer benachteiligt worden. Die Frau, die als Bindeglied fungiert habe, habe dies gemerkt und ihren Liebhaber verpfeifen wollen. Dieser habe ihr daraufhin gedroht. Er stellte den Chat als Art Druckmittel dar, dass sie sich habe gegen den Liebhaber absichern wollen. Es sei zwar zeitweise lustig und zeitweise geil gewesen. Hauptziel sei aber gewesen «etwas in der Hand zu haben». Auch er stellte das Opfer als selbst schuld an der Schmerzmittelkonzentration in seinem Körper dar. «Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, er nahm die Pillen gerne.» Dann sagte auch der Verteidiger der 39-Jährigen. «Jeder Körper macht irgendwann schlapp.» Der Staatsanwalt liess es sich nicht nehmen, auf die Plädoyers zu reagieren, und die Verteidiger reagierten noch mal auf ihn. Das Urteil ist für den 12. Dezember angekündigt.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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