ZUG: Strafgericht: Vermögende Seniorin war begeistert von Romer

Die Zuger Staatsanwaltschaft hat am Montag vor dem Strafgericht ein unsympathisches Bild des ehemaligen Zuger Stadtrats Ivo Romer gezeichnet. Die vermögende Seniorin sei entzückt gewesen von Romer. Dieser habe derweil ihre Konten geleert, ohne dass sie etwas davon gemerkt habe.

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Ivo Romer hat am Dienstag sein Amt per sofort abgegeben. (Bild: Keystone)

Ivo Romer hat am Dienstag sein Amt per sofort abgegeben. (Bild: Keystone)

Als die Witwe ihren Vermögensverwalter kennenlernte, war sie 90 Jahre alt, sehr vermögend, gepflegt und kultiviert. Von Anfang an sei sie entzückt von Romer gewesen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie habe unglaublich geschwärmt von ihm.

Eine Tochter der Seniorin sagte aus, ihre Mutter sei «richtig abgefahren» auf den Vermögensverwalter. Sie habe sogar ein Foto von ihm aufgestellt - vor den Fotos ihrer eigenen Kinder.

 

Vollmacht über das Vermögen

«Mit der zittrigen Schrift einer 92-Jährigen» habe sie ihm einige Zeit später die alleinige Vollmacht für ihr Vermögen übertragen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 im Alter von 96 Jahren war er für ihre Millionen verantwortlich - und bediente sich offenbar grosszügig.

Mehrere Millionen Franken sollen in dieser Zeit über verworrene Tarngeschäfte und fiktive Personen an Romers eigene Firma Fidustra geflossen sein. Mit dem Geld finanzierte er nicht nur seinen teuren Lebensstil. Er trat auch als grosszügiger Spender auf, etwa für gesellschaftliche Anlässe. Der unwissenden Geldgeberin händigte er jeweils rund 2000 Franken AHV in einem Couvert aus.

 

Spitex-Rechnungen nicht bezahlt

Die Rechnungen der Witwe bezahlte er gegen Ende ihres Lebens nur noch lückenhaft, weil das ganze Geld auf seine eigenen Konten floss. Die Spitex, welche die mittlerweile bettlägerige Seniorin pflegen sollte, stellte ihre Leistungen schliesslich ein. Die Seniorin sei irgendwann in ihren eigenen Ausscheidungen gelegen.

Romer habe sich nie um die Frau kümmern wollen, er habe nur von ihr leben wollen, sagte die Staatsanwältin zum Schluss. «Sie hat ihm blind vertraut und er wusste, dass sie nicht hinschaut.» Mit welchem Strafmass der ehemalige FDP-Politiker bestraft werden soll, gibt die Staatsanwältin erst am Nachmittag bekannt.

sda