ZUG: Täglich holen 3500 Personen ihr Essen im Bahnhof

Immer mehr Menschen passieren den Bahnhof, und immer häufiger verpflegen sie sich auch dort. Der Trend hält weiter an.

Ernst Meier
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55'000 Personen gehen im Bahnhof Zug ein und aus. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

55'000 Personen gehen im Bahnhof Zug ein und aus. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Sie kommen vom Zug oder nehmen den nächsten Anschluss weiter, sie kaufen ein, posten sich was zu essen oder «hängen» auch mal einfach nur rum: die Menschen aller Altersklassen, die täglich den Bahnhof Zug passieren. Laut den SBB sind es 55 000 Personen, die unter der Woche täglich beim Bahnhof Zug ein und aus gehen. Diese Zahl ist in den letzten zehn Jahren wegen der boomenden Wirtschaft und dem Ausbau des S-Bahn-Netzes stark angewachsen. Tendenz weiter steigend. Ebenfalls wachsend ist die Zahl der Passanten, die auf dem Areal einkaufen.

Zahlreiche Möglichkeiten

Seit dem grossen Bahnhofumbau vor knapp zehn Jahren bieten die SBB zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten auf dem mehrstöckigen Areal. Von Blumen, Ferienreisen über Schuhe bis Körperpflegeartikel gibt es eine breite Palette an Dienstleistungen und Produkten zu kaufen. Besonders stark vertreten ist der Bereich Gastronomie/Take-away. Von den gut 19 Geschäften gehören zehn in diese Kategorie. Gastronomie scheint die wahre Boombranche im Bahnhof Zug zu sein, denn sie wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut. So verschwand im Frühling 2012 der Tabakshop beim Gleis 4 – stattdessen gibt es nun eine Filiale der Luzerner Grossbäckerei Hug – und erst letzte Woche eröffnete vis-à-vis der Confiserie Sprüngli der «Schnägg»-Take-away. «Wir passen unser Angebot regelmässig dem Kundenbedürfnis an», sagt Lea Meyer, SBB-Mediensprecherin. Das Bedürfnis nach Verpflegung habe in den letzten Jahren laufend zugenommen. «Wir sehen das an den Umsätzen und unseren Umfrageergebnissen», sagt Lea Meyer. Bei den SBB rechnet man mit weiter wachsenden Pendlerfrequenzen beim Bahnhof Zug – ohne diese quantitativ zu beziffern. Entsprechend könne man sich einen weiteren Ausbau des Gastroangebots vorstellen, heisst es.

Aperto stellte Angebot um

Dass die Schnellverpflegung am Bahnhof immer beliebter wird und der Markt überdurchschnittlich wächst, hat auch der Detailhändler Aperto erkannt – und er reagiert. Das Luzerner Unternehmen zählt 25 Verkaufsgeschäfte in der Schweiz, viele davon in SBB-Bahnhöfen – so auch in Zug neben dem Gleis 4 und in der Nordunterführung. In den letzten 18 Monaten hat Aperto sein Angebot den neuen Kundenbedürfnissen ebenfalls angepasst, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärt: Das allgemeine Lebensmittel-Angebot wurde massiv verkleinert, zu Gunsten der Take-away-Artikel. «Wir führen heute eine breite Palette an Produkten für den Schnellverzehr wie Sandwiches, Salate und Fertiggerichte zum Aufwärmen», sagt Andreas Hofer, Geschäftsleiter von Aperto. Man trage damit der aktuellen Entwicklung Rechnung. «Immer weniger Kunden tätigen in unseren Bahnhofgeschäften ihre allgemeinen Lebensmitteleinkäufe, sondern besorgen sich ganz einfach einen Snack oder ein Mittagessen», sagt Hofer.

Mit Hug, «Schnägg» und Aperto wurde das Take-away-Angebot innert nur einem Jahr um einen Drittel vergrössert. Zahlen, die zeigen, wie viele Personen sich täglich mit «Bahnhof-Menüs» verpflegen, gibt es von den SBB nicht. Die «Neue Zuger Zeitung» hat bei den einzelnen Geschäften nachgefragt und eine Schätzung gemacht: Rund 3500 Personen kaufen täglich ihr Essen für den Sofortverzehr an einem der Bahnhof-Gastrobetriebe. Die Zahl sei stark vom Wetter abhängig, erklären einige Betreiber. «Je schöner das Wetter ist, desto besser ist das für unser Geschäft», sagt Andreas Hofer von Aperto. Wer Hunger habe, kaufe dann sein Mittagessen eher im Bahnhof und geniesse es anschliessend am See oder auf einer Parkbank.

Trotz steigenden Zahlen, die grösste «Kantine» im Kanton Zug ist nicht der Bahnhof. Nur 100 Meter vom SBB-Areal entfernt findet man mit der Einkaufsallee Metalli den grössten Verpflegungsanbieter der Region. Rund 25 000 Personen gehen täglich im Metalli ein und aus. Gegen 5000 davon verpflegen sich in einem der Restaurants (Migros, Cha Chà, La Taverna, Café Speck, Starbucks) oder holen sich ihr Essen bei einem Take-away. Wer um 12 Uhr ein Menü in der Migros holen will, steht oft minutenlang in der Schlange. Bis zu 2000 Kunden zählt die Migros je nach Wochentag alleine im Selbstbedienungsrestaurant.

Laut Metalli-Besitzerin Zug Estates habe die Nachfrage nach Mittagsverpflegung in den letzten vier Jahren stark zugenommen. «Nach der Ansiedlung von ‹Cha Chà› ergänzen wir deshalb punktuell das Angebot», sagt Rony Amrein von Zug Estates. So wird noch in diesem Jahr das italienische Restaurant La Taverna komplett umgebaut. «Neben einem moderneren Interieur gibt es künftig auch einen Quick- sowie einen Take-away-Bereich.» Bestehen weitere Pläne, den Foodbereich auszubauen? Rony Amrein lacht: «Wir könnten zwischen 12 und 13 Uhr ganze Geschäfte schliessen und stattdessen Essen verkaufen. Doch technisch ist das nicht möglich.» Spass beiseite – bei Zug Estates prüft man weitere Gastrokonzepte, Amrein hält jedoch fest: «Wir wollen weiterhin ein Einkaufsort mit einem gesunden Angebotsmix sein.» Deshalb baue man zurzeit auch die Verkaufsfläche für neue Mieter wie Zara aus.

Neue Anbieter auf Siemens-Areal

Neben dem Metalli und dem Bahnhof bedienen die Gastrobetriebe auf dem Siemens-Areal täglich über 2600 hungrige Kunden. Alleine in der Siemens-Kantine «Five Moods» an der Dammstrasse 22 werden 1600 Menüs serviert. Weiter gibt es seit letztem Herbst im Foyer-Gebäude von Johnson & Johnson die Kantine «puur» (nur für Mitarbeiter) und die Bäckerei Zumbach. Ausserhalb der Stadt zählt das Roche-Restaurant Quadra in Rotkreuz mit täglich bis zu 1400 Mittagsmenüs zu den grössten Verpflegungsplätzen im Kanton. Das Lokal ist aber nur für die rund 1800 Mitarbeiter geöffnet.