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ZUG: Tanzen für die Vielfalt

Am Samstag und am Sonntag fand zum 12. Mal das Tanzfest Zug statt. Ein Festival der Bewegung auf und im öffentlichen Raum. Aber nicht nur.
Haymo Empl
Karawan Omar liess in den Kleidern der kürzlich verstorbenen Christa de Carouge tanzen. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 5. Mai 2018))

Karawan Omar liess in den Kleidern der kürzlich verstorbenen Christa de Carouge tanzen. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 5. Mai 2018))

Wie bringt man Menschen dazu, sich für Tanz zu interessieren? Indem man sie begeistert. So könnte das Credo vom «Tanzfest» zusammengefasst werden. Und da sich unterschiedliche Menschen auf verschiedene Art und Weise begeistern lassen, erfolgt der Zugang zu dieser Kunstform mal aktiv, mal passiv, mal direkt, mal indirekt. Öffentlicher Raum wird erobert, laut oder leise – in einer schier unüberblickbaren Anzahl an verschiedenen Performances in der ganzen Schweiz. Denn es nicht nur in Zug getanzt, sondern in über 30 Städten.

Am Samstag um 10.00 Uhr ging es los mit dem «Battlefield #130» im Kunsthaus Zug. Der junge Genfer Jérôme Leuba entwickelte eine eigens für die im Kunsthaus laufende Ausstellung «Wien zu Europa» eine menschliche Skulptur. Der Künstler hat mit seiner Serie «Battlefield» (diese wurden während des Tanzfestes in verschiedenen Variationen und entsprechend anderen Nummern aufgeführt) ein irritierendes und teilweise gar verunsicherndes Spannungsfeld aufgebaut und das Verständnis vom «Tanz» anders und spannend definiert, indem er beispielsweise einen Künstler als «Aufseher» platzierte – der dann einfach im Raum stand und in einem Buch las. Manchen Besuchern dürfte es gar nicht aufgefallen sein, dass es sich hierbei um eine Performance handelte.

Spannende Impulse

Im öffentlichen Raum startete das Tanzfest am Samstag um 11 Uhr, verschiedene Tanzende haben in grösseren und kleineren Performances die Zuger Innenstadt belebt. Dies sorgte teilweise für Irritation, denn nicht allen Samstag-Shoppern war im Vorfeld bewusst, dass sie unter Umständen zu Zuschauern im grössten nationalen Tanzspektakel wurden. Diese Verunsicherung der Passanten sorgte für reichlich Gesprächsstoff unter den Zugern und den Touristen – Tanz als Kommunikationskatalysator; ein spannendes Konzept. Vielleicht zeigt gerade dieses Beispiel exemplarisch, was das Tanzfest auslösen kann und will: Man kann sich ärgern oder freuen, in jedem Fall wird ein Impuls und Denkanstoss gegeben. Wohin dieser führt und ob daraus weitere spannende Gedanken entstehen, ist letztendlich jedem selbst überlassen. Es folgten viele kleinere und grössere Shows, beispielsweise auch in der Bibliothek Zug.

Getanzt in den Kleidern de Carouges

«Andenken» nannte der Tänzer und Choreograf Karawan Omar sein zeitgenössisches Tanzprojekt. Denn: Getanzt wurde in den Kleidern der unlängst verstorbenen Designerin Christa de Carouge. Ihre Outfits dienten als Inspiration zu einer Bewegungssprache, die man – so die Idee gemäss Projektbeschreib - auch in der Natur wiederfindet: Getanzt wurde ein Baum bestehend aus Wurzeln, Stamm, Ästen und Blättern. «Christas Kleider sind Kunstwerke, welche für mich Freiheit repräsentieren. Sie geben der Bewegung einen besonderen Ausdruck», erklärte Karawan Omar.

Und tatsächlich: So abstrakt die Idee des getanzten Baumes auch klingen mag, der Choreograf und Tänzer zusammen mit seinem Ensemble schaffte es tatsächlich, diese Illusion des Baumes entstehen zu lassen und faszinierte damit auch das Publikum; die Bibliothek war bestens besetzt, und zwar von allen Altersgruppen. «Ziel ist es, Christa de Carouges Kunst mit der Verschiedenartigkeit des Tanzes zu vereinen und darzustellen», so der gebürtige Kurde aus dem Irak. Karawan Omar geht sogar noch weiter: «Für mich bedeutet das Tanzen letztendlich frei zu sein, aus den Normen der Gesellschaft auszubrechen. Für mich war und ist der Tanz sogar eine mögliche Form um sich gegen Gewalt zu äussern». Das Tanzfest in Zug – auch ein Friedensfest.

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch

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