ZUG: «Teil unserer Stadt und unserer Identität»

Das bedeutendste Baudenkmal der Spätgotik in der Zentralschweiz ist die Statdzuger St.-Oswalds-Kirche. Das Gotteshaus vertritt die «hohe Baukunst», deren Denkmalpflege im Gegensatz zu der von Blockbauten unumstritten ist.

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Die Familie Mahler aus Unterägeri hat ihr Haus, welches bereits 1510 errichtet wurde, vor fünf Jahren restauriert. v.L.n.R.: Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Edgar und Ursula Mahler-Henggeler und die Archäologin Anette Bieri. (Bild: pd)

Die Familie Mahler aus Unterägeri hat ihr Haus, welches bereits 1510 errichtet wurde, vor fünf Jahren restauriert. v.L.n.R.: Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Edgar und Ursula Mahler-Henggeler und die Archäologin Anette Bieri. (Bild: pd)

«Wer kennt sie nicht, die Kirche St. Oswald? Sie gehört zu Zug und ist Teil unserer Stadt und unserer Identität», so Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. «Ich bin fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrer besonderen Architektur und Geschichte. Die Fratzen und Figuren zeigen handwerkliches Geschick und grosse künstlerische Ausdruckskraft.»

Dieser und weitere Bauten wurden nun in mehrjährigen Forschungsprojekten an der Uni Zürich untersucht. Die Archäologin Anette Bieri und der Kunsthistoriker Thomas Brunner haben sich darin mit ländlichen Wohnbauten im Kanton Zug und der Baugeschichte der Zuger Stadtkirche befasst. Nach Angaben das Kantons Zug liegen ihre Forschungsergebnisse nun vor.

«Viele Blockbauten wieder abgerissen»

Die St.-Oswalds-Kirche vertritt die «hohe Baukunst», die sich vor allem in den Städten entfaltet hat. Die Bedeutung denkmalpflegerischer Arbeit ist bei solchen Bauten unumstritten. Für Wohnbauten gilt dieses Selbstverständnis nicht: «Im Kanton Zug haben wir die besondere Situation, dass viele Blockbauten bereits abgerissen wurden oder Pläne entstehen, die ihre Existenz bedrohen. Solche kulturell bedeutenden Bauten werden in anderen Kantonen zunehmend selbstverständlich gehegt und gepflegt», bedauert Weichelt-Picard.

Bei den historischen Blockbauten handelt es sich um zweigeschossige Wohnhäuser, die aus sorgfältig bearbeiteten Vierkanthölzern gezimmert wurden. Die Häuser sind in einen vorderen Wohn- und einen hinteren Hauswirtschaftsteil unterteilt. Im Wohnteil befanden sich Stube und Kammern, im Wirtschaftsteil unter anderem eine bis unter das Dach offene Rauchküche.

Einige Wohnbauten mehr als 500 Jahre alt

Die Blockbauten prägen die Kulturlandschaft der Zentralschweizer Voralpen. Diese werden seit rund dreissig Jahren im Kanton Zug durch das Amt für Denkmalpflege und Archäologie erforscht. Das Forschungsprojekt an der Uni Zürich über die Zuger Holzbauten wurde durch den Schweizerischen Nationalfonds unterstützt, wobei die erste umfassende Darstellung der Zuger Blockbauten entstand. Dank der Untersuchungen zeigt sich, dass einige dieser ländlichen Wohnbauten mehr als 500 Jahre alt sind.

Bau im Jahr 1478 gestartet

Der Priester Johannes Eberhart initiierte 1478 den Bau der St.-Oswalds-Kirche und holte als Architekten den Bayern Hans Felder, damals Baumeister der Stadt Luzern. Zug war zu jener Zeit eine grosse Baustelle. Die Stadt begann in derselben Zeit mit dem Bau einer neuen Ringmauer beim Postplatz. In den folgenden fünfzig Jahren wurden mehr als zwanzig Kirchen im Kanton neu erbaut oder umgebaut. Erstmals wird nun das wohl bekannteste Baudenkmal der Stadt Zug umfassend beschrieben und gewürdigt.

pd/chg