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ZUG: Thomas Hürlimanns Geschichte als Vorlage

Erwin Bosch hat eine grosse Leidenschaft: Er ist Amateurfilmer. Mit seinem neusten Werk hat er nun einen Preis abgeräumt.
Carmen Desax
Erwin Bosch in seinem Büro, wo er den Film bearbeitet hat. (Bild Stefan Kaiser)

Erwin Bosch in seinem Büro, wo er den Film bearbeitet hat. (Bild Stefan Kaiser)

Ein Bächlein plätschert inmitten eines dichten Waldes. Feine Akkordeonmusik ist auszumachen. So idyllisch gestaltet sich die Anfangsszene des Kurzfilms «Applaus für ein Pferd». Bald taucht ein Mann auf. Er wandert dem Bach entlang, hält inne und kühlt seine Füsse im Wasser. Es handelt sich dabei um einen Komödiendichter. Aufgrund schlechter Kritik ist er geknickt und fest entschlossen, mit dem Dichten aufzuhören. Der Film spielt im Jahr 1950. Das alles erfährt der Zuschauer vom Kommentar aus dem Off. Gesprochen wird im Film nicht viel.

Dem einen oder anderen mag der Anfang der Geschichte vielleicht bekannt vorkommen. Denn es ist die Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte des Zuger Autors Thomas Hürlimann. Er hat sie 1992 geschrieben. Der Regisseur und Erschaffer des Films aber ist nicht etwa ein Profi, sondern Erwin Bosch, ein Zuger Amateurfilmer. «2011 hab ich mit dem Film angefangen und zwei Jahre daran gearbeitet», holt er aus. Im letzten Jahr schliesslich habe er den Film digital überarbeitet und beim Festival der Schweizer Interessengemeinschaft der Film-Amateure (SIFA) eingereicht – und Gold gewonnen. Die 46. Ausgabe des Festivals fand letzte Woche in Hinwil ZH statt. 26 Filme wurden eingereicht. Nominiert ist der Film übrigens auch für das Euro-Filmfestival in Hamburg vom 23. und 24. September.

Die Geschichte hat ihn gepackt

«Ich habe es gehofft, war dann aber doch freudig überrascht, dass der Film so gut angekommen ist», so Bosch. Schon öfters habe er bei diesem Wettbewerb mitgemacht, aber noch nie sei er auf dem ersten Platz gelandet. Kategorien gibt es bei diesem Filmfestival keine. «Man sieht dort alles», meint Bosch lachend. «Die Filme lassen sich insbesondere inhaltlich nicht vergleichen.» Also geht es darum, möglichst viele Punkte zu holen. Boschs Konzept ist aufgegangen: «Ich verfilme gerne Literatur», erklärt der 65-Jährige. Seit 40 Jahren sei das Filmen ein Hobby, sagt er. Die Kurzgeschichte von Hürlimann ist ihm zufällig in die Hände gefallen. «Ich habe sie gelesen, und es hat mich sofort gepackt. Es ist eine Geschichte mit Tiefgang, die man gut umsetzen kann.» Deshalb habe er sich strikt ans Manuskript gehalten und dieses eins zu eins umgesetzt.

Er hat keine Mühen gescheut: Zwei Schauspieler, die Masken- und die Kostümbildnerin sowie der Musiker genauso wie der Sprecher aus dem Off sind Profis. Das Pferd, das neben dem Komödiendichter die Hauptrolle spielt, trat früher im Zirkus Monti auf. «Ich war Mitglied des Zusammenschlusses Zuger Film- und Videoautoren, die mich bei diesem Projekt tatkräftig unterstützten», erklärt Bosch. Dieser habe sich vor zwei Jahren zwar aufgelöst, die Kontakte sind aber geblieben. «Alle involvierten Personen waren sehr grosszügig und entgegenkommend.» Allerdings war das Projekt nicht ganz günstig. Unterstützt wurde Bosch von der Kulturförderung der Stadt Zug und von diversen Zuger Stiftungen. Einen grossen Teil habe er aber selber finanziert.

Jedes Detail passt

Doch zurück zum Film: Der Komödiendichter trifft in einer nahe gelegenen Sägerei auf Arbeiter, die einem Pferd Applaus spenden, das ihnen Kunststücke vorführt. Dazu ertönt das bekannte Lied «O mein Papa». Das Pferd – Neopolitano wird es genannt – wurde von einem vorbeifahrenden Zirkus im Sägewerk untergestellt. Doch ohne die Zirkusarena und die Auftritte vor Publikum hat Neopolitano nicht mehr gefressen. Also inszenieren die Arbeiter jeden Abend eine Show für das Pferd. Der Komödiendichter kann das fast nicht glauben und schreitet lachend weiter. Ob er daraus wohl doch wieder eine Komödie macht?

Bosch kreiert schöne Bilder: Die Zirkuswagen sind detailgetreu dekoriert. Die siamesischen Zwillinge des Zirkus, die in Hürlimanns Geschichte vorkommen, hat er ebenso wenig ausgelassen, wie die als ungemütlich neblige beschriebene Stimmung. «So ein Projekt macht man vielleicht ein oder zwei Mal im Leben», meint Bosch und fügt augenzwinkernd an: «Eines liegt vielleicht noch drin. An den Ideen jedenfalls fehlt es nicht.»

Carmen Desax

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